Nur zwei Heimsiege 2022 Eintracht Frankfurt rätselt über seltsame Heimschwäche

Stand: 30.09.2022 08:07 Uhr

Seitdem die Fans zurück sind in der Kurve, bekommt Eintracht Frankfurt in der heimischen Arena regelmäßig auf den Deckel. Die Heimbilanz ist verheerend, Trainer Oliver Glasner findet's komisch und sucht vergeblich nach den Gründen.

Ganz am Ende der Pressekonferenz vor dem Heimspiel von Eintracht Frankfurt gegen Union Berlin (Samstag, 15.30 Uhr) plauderte Trainer Oliver Glasner am Donnerstag noch ein wenig aus dem Nähkästchen. Er habe sich in der Länderspielpause hin und wieder einen seiner Spieler für einen kurzen Plausch geschnappt und dabei immer wieder das gleiche Thema besprochen. "Wir haben uns ausgetauscht darüber, wie die Spieler das fühlen", so Glasner. Mit "das" meinte er die eklatante Heimschwäche der Eintracht.

Während Corona lief es gut

Denn nachdem die Hessen bereits in der vergangenen Spielzeit in der Bundesliga-Heimtabelle nur auf Rang 16 gelandet waren, hält der Trend auch in dieser Saison an. In wettbewerbsübergreifend fünf Heimspielen gab es nur einen Sieg, ganze drei gingen verloren. "Das ist schon fast komisch", fasste Glasner den Frankfurter Heimfluch angesichts der lautstarken Unterstützung von den Rängen zusammen. Der zwölfte Mann ist zwar stärker als in anderen Stadien. Das Problem: Er hilft offenbar nicht. Im Gegenteil.

"Das Komischste daran ist", so Glasner weiter: "Die Eintracht war vor Corona heimschwach, während Corona heimstark und danach wieder heimschwach." In der Saison 2020/21, die weitgehend vor leeren Tribünen ausgetragen wurde, landete die Eintracht in der Heim-Tabelle auf Platz zwei. Die Hessen blieben dabei sogar in allen 17 Heimspielen ungeschlagen.

Zum Vergleich: Im Jahr 2022 durften die Fans im Frankfurter Stadion insgesamt erst einen Bundesliga-Sieg bejubeln, seit der Rückkehr der aktiven Fan-Szene Anfang April sogar erst einen (4:0 gegen RB Leipzig). Hinzu kommt der Halbfinal-Erfolg in der Europa League gegen West Ham. Komisch. Doch woran liegt das?

Glasner bemüht die Psychologie

"Es ist nicht so einfach zu sagen: Zack, das ist es", erläuterte Glasner das Ergebnis seiner Überlegungen und Dialoge mit den Frankfurter Profis. Es falle aber auf, dass sein Team vor heimischer Kulisse nicht so befreit aufspiele. Im Gegensatz zu Spielen in der Fremde sei die Erwartungshaltung offenbar zu hoch. "Wenn es nach einer halben Stunde nicht 3:0 steht, denken alle: ‚Was ist denn heute los?‘", so Glasner. Ist der Druck von den eigenen Fans also zu groß? Zerbricht die Eintracht an den eigenen Ansprüchen?

Auch das erscheint angesichts der Leistungen in Barcelona, beim Europa-League-Endspiel in Sevilla oder dem Sieg bei Olympique Marseille auf den ersten Blick eher untypisch. "Wir spielen vor 50.000 tollen Fans mit weniger Mut als vor 60.000 Fans in Marseille. Das ist psychologisch nicht erklärbar", so Glasner, der deshalb erst einmal auf das Scheuklappen-Prinzip setzt und Ruhe bewahrt. "Wir müssen uns auf den Fußball konzentrieren und das ganze Drumherum ausblenden." Na, wenn's nur das ist.

Es bleibt ein Rätsel

Verrückte Dinge, das bestätigte Glasner auf Nachfrage, werde er zum Besiegen des Fluchs nicht ausprobieren. Hotel wechseln, Ersatzbank tauschen, einen Umweg mit dem Bus fahren. All das wolle er nicht machen. "Wir können ja 50.000 Union-Fans hierherholen, dann haben wir ein Auswärtsspiel", scherzte Glasner. "Aber ich weiß nicht, ob so viele wirklich kommen." Die Gründe und die Lösungen für die Frankfurter Heimschwäche werden also weiter gesucht.