Linksfuß vor Wechsel zu Juventus Eintracht Frankfurt ohne Kostic in Helsinki: "Filip geht als Held"

Stand: 09.08.2022 19:13 Uhr

Eintracht Frankfurt verliert kurz vor dem Supercup Flügelflitzer Filip Kostic. Der Serbe will zu Juventus Turin wechseln. Hinter den Hessen liegen wilde Stunden, der sportliche Verlust ist immens.

Von Nicolas Herold aus Helsinki

Hinter Eintracht Frankfurt und Cheftrainer Oliver Glasner liegen turbulente 24 Stunden, das lässt sich nicht anders sagen. "Leider hatte ich gestern um 23 Uhr noch mein Handy an", berichtete der Frankfurter Coach am Dienstag, kurz nach 18 Uhr Ortszeit im Olympiastadion von Helsinki. Und da, am späten Montagabend, wusste Glasner schon, was der Rest der Welt erst am Dienstagvormittag erfuhr: Filip Kostic, begnadeter Linksfuß und seit mehreren Wochen schon gerüchteweise mit eineinhalb Beinen weg aus Hessen, ist nun weg.

Und dieses Mal wirklich. Der Serbe schließt sich Serie-A-Klub Juventus Turin an, soll dort am Mittwoch den Medizincheck bestehen und spielt daher nicht mit der Eintracht am Abend (21 Uhr deutscher Zeit) den europäischen Supercup gegen Real Madrid.

Für Kostic geht der Serie-A-Traum in Erfüllung

Zuvor waren es wilde Stunden im Stadtwald. Erst hatte Kostic noch am Abschlusstraining der Hessen vor dem Stadion teilgenommen, dann hieß es nach der Einheit: Der 29-Jährige wird nicht mit im Flieger nach Helsinki sitzen. Kostic und die Eintracht – dieses Kapitel ist zu Ende. Die Frankfurter erhalten dem Vernehmen nach für den Unterschiedsspieler gut 15 Millionen Euro, dazu noch mögliche Bonus-Zahlungen.

Kein schlechter Deal aus Sicht der Hessen, der Vertrag des Serben wäre schließlich in einem Jahr ausgelaufen. Schon im vergangenen Sommer hatte der Linksfuß versucht, die Frankfurter zu verlassen. Dereinst blieb die Eintracht trotz des Streikes hart, ließ Kostic nicht zu Lazio Rom ziehen. Eine Entscheidung, die sich gelohnt hat. Nun erfüllt sich der Serie-A-Traum des 29-Jährigen. Und Juventus Turin ist auch nochmal eine andere Hausnummer als Lazio Rom.

"Filip hat die Eintracht sehr geprägt"

Sportlich gesehen ist der Abgang für die Hessen jedoch eine enorme Schwächung. Kostic war auch im vergangenen Jahr der überragende Eintracht-Akteur und wurde folgerichtig zum besten Spieler der abgelaufenen Europa-League-Saison gewählt. "Filip hat die Eintracht sehr geprägt. Das ist aus sportlicher Sicht eine Schwächung, ganz klar", betonte Glasner, der diesen ereignisreichen Tag "mit einem lachenden und einem weinenden Auge" beendet.

"Filip verlässt Eintracht als Europapokalsieger und Held, der das mitgeprägt hat. Das gönne ich ihm von Herzen", sendete Glasner warme Abschiedsworte aus Helsinki in Richtung Kostic. Torwart Kevin Trapp sah es ähnlich: "Es ist natürlich schade. Filip geht als Held." So ein Abgang sei eben Teil des Geschäfts, merkte der Keeper einerseits richtigerweise an, fügte aber auch ehrlicherweise hinzu: "Heute ist ein wichtiger Spieler gegangen."

System soll (erst einmal) nicht geändert werden

Wie sehr der Kostic-Abgang die Eintracht-Mannschaft mitgenommen hat, wird sich am Mittwoch gegen Real zeigen. "Das wirft uns nicht aus der Bahn und hat uns auch nicht geschockt", beschwichtigte Trapp direkt. Rein personell muss Kostic natürlich ersetzt werden, einen Systemwechsel schließt Glasner aber aus.

Die bewährte Grundordnung soll auch ohne Kostic am Mittwoch funktionieren. Der Österreicher hatte nun ja auch etwas mehr Zeit, um sich Gedanken zu machen, wer den Serben gegen die Königlichen ersetzt. Vielleicht macht er ja an diesem Dienstag dann auch etwas früher sein Handy aus.