Eintracht Frankfurt: Darum geht die Misere auch auf Hütters Kappe

Die Presskonferenz nach dem Spiel in Wolfsburg 02:43 Min. Verfügbar bis 14.12.2021

Niederlage in Wolfsburg exemplarisch

Eintracht Frankfurt: Darum geht die Misere auch auf Hütters Kappe

Nach drei ordentlichen Spielen fällt Eintracht Frankfurt beim VfL Wolfsburg in alte Muster zurück und verliert verdient. Trainer Adi Hütter hat daran einen großen Anteil.

Wenige Minuten nach der 1:2-Niederlage beim VfL Wolfsburg probierten sich die Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt am Freitag in Erklärungsversuchen. "Uns fehlt das Quäntchen Glück", haderte Trainer Adi Hütter mit dem Fußballgott und bezeichnete die Niederlage als unnötig. Sportdirektor Bruno Hübner zog ein ähnliches Fazit und sprach sogar davon, dass die Eintracht bis zum Ausgleich die bessere Mannschaft gewesen sei. Zwei sehr verwunderliche Schlussfolgerungen.

Die Hessen hätten bei den Wölfen nach der Führung durch Bas Dost (63.) zwar natürlich auch gewinnen oder mindestens einen Punkt holen können. Gerecht wäre das aber nicht gewesen. Der Wolfsburger Sieg, und da kann es keine zwei Meinungen geben, war folgerichtig und hochverdient. 18:7 Torschüsse, 8:1 Ecken und 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe auf Seiten der Niedersachsen belegen das.

Hütter verspricht Offensive, spielt aber defensiv

Das Bittere und Alarmierende daran: Dass die Eintracht nach zuvor fünf Remis in Folge mal wieder als Verlierer vom Platz ging, hat sie sich nach zwei individuellen Fehlern komplett selbst zuzuschreiben. Die schlechte und mutlose Leistung geht dieses Mal aber auch auf die Kappe von Hütter.

Der Österreicher, der vor der Saison mutigen Offensiv-Fußball angekündigt hatte, verfiel gegen Wolfsburg wieder in alte Angsthasenfußball-Muster. Nachdem er nach der Länderspielpause gegen RB Leipzig, Union Berlin und Borussia Dortmund durchaus erfrischendere Aufstellungen gewählt hatte, setzte er gegen die Wölfe auf die Sicherheitsvariante. Statt einer offensiveren Dreierreihe hinter dem einzigen Stürmer Dost, schickte er mit Djibril Sow, Sebastian Rode und seinem Lieblingsschüler Stefan Ilsanker gleich drei defensive Mittelfeldspieler auf den Rasen. Eine unverständliche und letztlich falsche Entscheidung.

Die Eintracht reagiert nur noch

Hütters Plan: Mit Ilsanker als zusätzlicher Absicherung sollte Wolfsburgs Stoßstürmer Wout Weghorst aus dem Spiel genommen werden. "Wir wollen vor ihm noch einen Spieler haben, der da sehr präsent ist", begründete Hütter seine Formation vor dem Spiel bei DAZN. Die Eintracht und Hütter machten hinten dicht und schwenkten schon vor Anpfiff die weiße Fahne. Sieht so etwa mutiger Offensivfußball aus? Klare Antwort: nein.

Natürlich kann Hütter nichts dafür, dass Ilsankers Handspiel zu einem berechtigten Elfmeter führte. Hütter ist auch nicht dafür verantwortlich, dass Ilsanker und Martin Hinteregger kurz vor Schluss Weghorst aus den Augen verloren. Dass die groß angekündigte Entwicklung in dieser Spielzeit aber ebenso auf der Strecke geblieben ist wie jegliche Form von Mut und Kreativität in der Offensive, muss sich Hütter aber sehr wohl auf die Fahne schreiben. Wo früher furchtlose Büffel durch Europa pflügten, ziehen jetzt graue Mäuse lieber den Kopf ein.

Glasner und der VfL Wolfsburg machen es vor

Dass es auch anders geht, bewies am Freitagabend Hütters Landsmann Oliver Glasner. Zwar sah auch der Matchplan des Wölfe-Trainers vor, den wichtigsten Spieler des Gegners, in diesem Fall Filip Kostic, möglichst nicht ins Rollen kommen zu lassen. Glasner wählte im Gegensatz zu Hütter aber nicht den Rückwärtsgang, sondern brachte mit Ridle Baku und Kevin Mbabu einfach gleich zwei offensivstarke Akteure auf der rechten Außenbahn. Folge: Kostic war beinahe komplett in der Defensive gefordert und damit im Spiel nach vorne oft zu kraftlos. So geht cleveres und mutiges Coaching.

Bis Weihnachten und der kurzen Winterpause bleiben Hütter nun noch zwei Spiele Zeit, um das Ruder wieder herum zu werfen. Das erste schon am Dienstag (18.30 Uhr) im Frankfurter Stadion gegen Borussia Mönchengladbach. Mit ängstlichem Verwaltungsfußball wie in Wolfsburg wird die Eintracht dann aber sicher nicht bestehen.

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! am Montag, 14.12.20, 23.15 Uhr

HR | Stand: 14.12.2020, 11:28

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