Verteidiger vom TSV Steinbach Haiger Dieser Fußballer sitzt seit Weihnachten in Dubai fest

Stand: 08.06.2022 14:38 Uhr

Regionalliga-Fußballer Nino Miotke flog im Winter nach Dubai in den Urlaub. Zur Rückrunde wollte er wieder für den TSV Steinbach Haiger auf dem Platz stehen. Ein halbes Jahr später sitzt der 24-Jährige aber immer noch im Wüstenstaat fest.

Von Von Marc Klug

Der TSV Steinbach Haiger war in der Rückrunde die zweitbeste Mannschaft der Fußball-Regionalliga Südwest. Das Finale um den Hessenpokal verloren die Mittelhessen nur knapp durch ein Eigentor gegen die Offenbacher Kickers. All das hat Nino Miotke verpasst. Der 24 Jahre alte Innenverteidiger des TSV sitzt seit sechs Monaten fest. In Dubai. Wegen einer laufenden Ermittlung darf Miotke die Vereinigten Arabischen Emirate nicht verlassen.  

Miotke beteuert seine Unschuld

Was ihm im Detail vorgeworfen wird, wissen weder der Spieler noch sein Anwalt. Klar ist nur: Es geht um einen Vorfall rund um Weihnachten. Der 24-Jährige war im Urlaub mit einem Bekannten in einem Restaurant. Laut dem TSV wird dem Spieler vorgeworfen, dass er dort an einer Schlägerei beteiligt gewesen sei. Unter anderem soll Miotke mit einer Tasche geworfen haben, die ihm nicht gehört.  

Der 24-Jährige beteuert, dass er nichts Falsches gemacht habe – und erhält Rückendeckung vom Verein. Der Regionalligist hat ihm eine Wohnung und einen Anwalt vermittelt und tauscht sich regelmäßig mit dem Spieler aus. "Wir helfen ihm und telefonieren mit ihm. Von dem, was wir wissen, hat Nino nichts Schlimmes gemacht", sagt TSV-Geschäftsführer Arne Wohlfahrt auf Nachfrage des hr-sport.

Am Flughafen wieder abgewiesen

Vor vier Monaten schienen auch noch die Behörden in Dubai von Miotkes Unschuld überzeugt zu sein. Am 2. Februar teilten sie dem 24-Jährigen mit, dass es keine weiteren Hinweise in dem Fall gebe und er das Land verlassen dürfe. Miotke buchte also einen Flug, packte seine Sachen – und wurde am Flughafen doch wieder aufgehalten. Es gebe nun doch neue Erkenntnisse, wurde ihm gesagt. Die Ausreisesperre bleibt seitdem bestehen. 

Miotke darf sich zwar frei durch Dubai bewegen – nur eben nicht aus den Emiraten heraus. In den ersten Wochen musste er im Hotel übernachten, mittlerweile hat der gebürtige Siegener eine Wohnung. Doch das ist teuer: Anwalt und Wohnung muss er aus eigener Tasche zahlen. 

Nicht der einzige Deutsche, der festsitzt

"Nino geht es schlecht. Er lebt in Dubai halbwegs normal, aber er wird hingehalten und macht sich Sorgen", erzählt Wohlfahrt. Der 24-Jährige halte sich individuell fit und habe mittlerweile auch andere Menschen kennengelernt, die das Urlaubsparadies aus ähnlichen Gründen nicht verlassen dürfen. 

"Gegenwärtig sind uns drei weitere Fälle bekannt, in denen gegen Deutsche Ausreisesperren verhängt wurden", schreibt das Auswärtige Amt auf hr-Nachfrage. In den Reise- und Sicherheitshinweisen weist das Amt auf die besondere rechtliche Lage in den Emiraten hin. Für die Dauer eines Strafverfahrens, das sich über mehrere Monate ziehen kann, wird demnach regelmäßig eine Ausreisesperre verhängt.  

 "Nino hat eine Riesenangst"

Im Fall Miotke steht das Generalkonsulat Dubai mit dessen Anwalt in Kontakt. Wie lange der 24-Jährige warten muss, ist noch offen. Seine fußballerische Laufbahn ist auf jeden Fall ordentlich ins Stocken geraten. Im Sommer ist Miotke vom Liga-Konkurrenten Rot-Weiß Koblenz nach Haiger gewechselt und hat einen Vertrag bis 2023 unterschrieben. In der Vorbereitung zog er sich einen Syndesmosebandriss zu – aber er kämpfte sich nach der Verletzung zurück und kam im November häufiger zum Zug. 

Nach seinem zweiten Startelfeinsatz schlug jedoch erneut das Verletzungspech zu. Miotke riss sich das Außenband am Sprunggelenk –im Dezember reiste er dann nach Dubai. "Nino hat eine Riesenangst, dass er als Fußball-Profi zu weit zurückgeworfen worden ist", weiß auch Wohlfahrt und fügt an: "Wenn er wieder da ist, müssen wir sehen, ob es reicht." Viel wichtiger für den Spieler ist aber ohnehin, dass die Ungewissheit bald vorbei ist – und er so schnell wie möglich wieder deutschen Boden unter den Füßen hat.