Freude über den Sieg gegen Barcelona bei Trainer Oliver Glasner (r.) und Ansgar Knauff

Frankfurter Sensation in Barcelona Die Nacht, in der Eintracht Frankfurt unsterblich war

Stand: 15.04.2022 08:58 Uhr

Eintracht Frankfurt schlägt in einem epischen Spiel den FC Barcelona und erringt einen der größten Siege der Vereinsgeschichte. Präsident Peter Fischer gibt den Feier-Befehl, jetzt soll das Finale her.

Von Mark Weidenfeller aus Barcelona

Als sich nach Abpfiff dieser historischen 90 Minuten alle Fans von Eintracht Frankfurt in einer Ecke des Stadions versammelten, war das ganze Ausmaß endlich sichtbar: Im Camp Nou, dieser altehrwürdigen Spielstätte des FC Barcelona, bildeten rund 25.000 Frankfurter, die zuvor im ganzen Oval verteilt gesessen und mit Abpfiff die Zäune zwischen den Blöcken übersprungen hatten, die wohl größte Auswärtskurve der Welt. Zusammen mit der Mannschaft bejubelten sie dort einen der bedeutendsten Erfolge der Vereinsgeschichte: 3:2 gegen Barca. Viel mehr geht nicht.

Die Eintracht hatte sich zuvor in einem am Ende dramatischen Spiel gegen den haushohen Favoriten aus Katalonien, den vielleicht schillerndsten Verein der Welt, durchgesetzt und damit das Ticket für das Halbfinale in der Europa League gelöst. Eine Sensation, die emotional an den Pokalsieg 2018 heranreicht und einen ohnehin epischen Tag in Barcelona krönte. "Heute ist ganz Barcelona in Frankfurter Hand", gab Präsident Peter Fischer den Ekstase-Startschuss. "Wir feiern jetzt die größte Party, die diese Stadt jemals gesehen hat."

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Glasner zeigt den Diver

Los ging diese Frankfurter Sause dann bereits auf dem Rasen. Nachdem das Team die obligatorische Ehrenrunde durch das ganze Stadion gedreht hatte, gab es vor der spontan eingerichteten weißen Eintracht-Kurve kein Halten mehr. "Europas beste Mannschaft" wurde gefeiert, Doppeltorschütze Filip Kostic wurde gefeiert, Martin Hinteregger und Kevin Trapp wurden lautstark einzeln in die Kurve zitiert, selbst Trainer Oliver Glasner ließ sich nicht lumpen und zeigte einen astreinen Diver. "Diese Momente kann man mit keinem Geld der Welt kaufen, das brennt sich ins Herz und bleibt ein Leben lang", kommentierte der Österreicher die Feierlichkeiten mit den Fans.

Kevin Trapp über die Fans: "Dachte, ich wäre in Frankfurt"

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Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? Angestachelt von den Fans, die schon tagsüber die Stadt optisch und akustisch in Beschlag genommen hatten und abends für ein Heimspiel in Spanien sorgten, entfachte die Eintracht eine Wucht, die selbst Barca überrollte. "Das war heute unfassbar. Als ich zum Warmmachen rausgekommen bin, dachte ich, ich bin in Frankfurt", lobte Trapp den eigenen Anhang. "Das war sehr, sehr laut und sehr, sehr außergewöhnlich. Wir wollten den Fans auf dem Rasen etwas zurückgeben." Und das taten sie.

"Was meine Spieler heute geleistet haben, war unglaublich"

Die Eintracht, die schon im Hinspiel eine bärenstarke Leistung gezeigt hatte, ließ ihren mutigen Ankündigungen auch in Barcelona Taten folgen und brannte die mit Abstand beste Saisonleistung auf den Rasen. In Abwesenheit von Taktgeber Djibril Sow (verletzt) und Innenverteidiger Tuta (gesperrt), die von Sebastian Rode und Almamy Touré ersetzt wurden, attackierten die Hessen die Hausherren auch im Camp Nou schon in der eigenen Hälfte und erzwangen so früh Fehler. Nach vier Minuten traf Kostic per Elfmeter zur Führung, Rafael Borré mit einem Traumtor (36.) und erneut Kostic (67.) erhöhten zwischenzeitlich sogar auf 3:0.

Die späten Treffer von Sergio Busquets (90.+1) und Memphis Depay (90.+9/Elfmeter) sowie der Platzverweis für Evan N’Dicka (90.+9) sorgten dann zwar noch einmal für Hektik. Am hochverdienten Frankfurter Sieg und dem Einzug ins Halbfinale, wo West Ham United wartet, änderten sie aber nichts mehr. "Was meine Spieler heute geleistet haben, war unglaublich", so Glasner. "In der Symbiose mit unseren Fans haben wir einen großartigen Sieg gefeiert."

Alle Eintracht-Tore gegen Barca zum Nachhören

Adler-Invasion auch in London erwartet

Einen Sieg, der passend zu Barcas Selbstverständnis, "mehr als ein Club" zu sein, mehr als ein Sieg war. Die Eintracht, die mit großen Problemen in die Saison gestartet war und die Bundesliga wohl im grauen Mittelfeld abschließen wird, durfte sich zumindest für einen Abend unsterblich fühlen. "Es gibt keinen anderen Club, der in der Lage ist, so viel Momentum zu entwickeln wie wir. Über die Größe des Moments wird eine Energie freigesetzt, die zu solchen Ergebnissen führt", fasste Vorstandssprecher Axel Hellmann zusammen.

Am Ende der Träume sind die Hessen damit jedoch noch lange nicht. Denn wer Barcelona schlägt, der muss sich vor den restlichen Vereinen im Wettbewerb definitiv nicht verstecken. Das Endspiel ist zwei Spiele entfernt, der Titel und damit die Qualifikation für die Champions League ein weiteres. "Ich erwarte auch in London eine Adler-Invasion", blickte Hellmann auf das Duell mit West Ham United (28. April und 5. Mai) voraus. "Jetzt geht es darum, ins Finale einzuziehen. Mit der Stadt haben wir noch eine Rechnung offen." London sollte sich warm anziehen.