Highlights: FC Ingolstadt - SV Darmstadt 98 04:02 Min. Verfügbar bis 27.01.2023

Analyse

Der SV Darmstadt 98 überrollt die 2. Bundesliga

Stand: 24.01.2022, 08:15 Uhr

Der SV Darmstadt 98 ist nach dem Sieg in Ingolstadt neuer Spitzenreiter der 2. Fußball-Bundesliga. Warum? Das ist bei den Lilien eine Frage der Haltung.

Von Gerald Schäfer

Der FC Ingolstadt ist in dieser Saison ein guter Gegner für den SV Darmstadt 98. Gegen die Schanzer feierten die Lilien im August ihren ersten Saisonsieg, schossen sich beim 6:1 den Corona-Frust der ersten Wochen von der Seele. Nun, Mitte Januar, setzen sich die Südhessen mit 2:0 in Oberbayern durch – und sind mittlerweile Tabellenführer der 2. Fußball-Bundesliga.

"Wir genießen die Situation, weil sie nicht alltäglich ist bei Darmstadt 98", sagte Erfolgs-Trainer Torsten Lieberknecht nach der Partie. Als Tabellenführer mag man sich in Südhessen aber eigentlich nicht fühlen. Die Lilien sind weiter "Jäger", bekräftigte Lieberknecht noch einmal, was er schon vor der Partie gesagt hatte. Darmstadt muss nicht aufsteigen. Werder Bremen, der HSV oder Schalke 04 haben da ganz andere Ansprüche.

Mit Haltung nach ganz oben

Zufrieden mit seiner Mannschaft ist der Trainer deshalb auch nicht aufgrund des neuen Tabellenplatzes, sondern vor allem wegen der Ernsthaftigkeit, mit der die favorisierten Darmstädter beim Liga-Letzten aufgetreten sind. "Wir haben Respekt gehabt vor dem Gegner, wir haben nicht bewertet wie das Hinspiel war, wie die Tabellensituation war", lobte Lieberknecht explizit "die Haltung" seiner Mannschaft. Was er nicht erwähnte: Genau wegen dieser Haltung steht der SV98 an der Spitze der 2. Liga.

Die Lilien spielen ihren Stiefel herunter – und das beständig. Auch wenn die Darmstädter das 6:1 aus dem Hinspiel gegen Ingolstadt aus den Köpfen verdrängt hatten, das Rückspiel hätte gut und gerne einen ähnlichen Verlauf nehmen können.

Andere springen in die Bresche

31 Mal zielte die südhessische Offensiv-Maschinerie aufs FCI-Gehäuse, nur zeigten sie sich dieses Mal weniger treffsicher als beim ersten Aufeinandertreffen. Und trotzdem entführten die Lilien drei Punkte aus Ingolstadt. Tim Skarke schoss sein erstes Saisontor (15. Minute), der eingewechselte Aaron Seydel beseitigte die letzten Zweifel am Auswärtssieg (82.).

Vom Top-Sturmduo Luca Pfeiffer und Philip Tietz hat im Jahr 2022 noch keiner ein Tor erzielt. Dass die Lilien ihrem Schnitt von etwas mehr als zwei geschossenen Toren pro Spiel trotzdem in etwa treu bleiben, spricht für die "offensive Wucht" des Spitzenreiters. "Jetzt haben eben andere die Tore geschossen, das macht uns unausrechenbar", freute sich Lieberknecht.

Kommt das Nervenflattern noch?

Die Lilien haben nichts zu verlieren. Zumindest noch nicht. Niemand hat damit gerechnet, dass Darmstadt zwischen all den gefühlten Bundesligisten in der zweiten Liga ein gehöriges Wörtchen mitreden würde. Die Frage ist, ob das Nervenflattern nicht doch irgendwann beginnt. Je länger man oben mit dabei ist, desto schmerzhafter ist ein eventueller Einbruch zum Saisonende.

Nach dem 2:0 gegen Ingolstadt gab sich der neue Ligaprimus aber weiter unbekümmert. "Wir schauen schon auf die Tabelle, aber es sind noch so viele Spiele, es kann noch so viel passieren… Deswegen machen wir in zwei Wochen einfach weiter", so Torjäger Pfeiffer. Am 6. Februar ist der HSV zum absoluten Spitzenspiel zu Gast im Stadion am Böllenfalltor.