Der Eintracht-Sieg in Bielefeld in der Analyse: Fußball 2021

Adi Hütter äußert sich nach dem Eintracht-Sieg in Bielefeld

02:39 Min. Verfügbar bis 24.01.2022


Der Eintracht-Sieg in Bielefeld in der Analyse

Der Eintracht-Sieg in Bielefeld in der Analyse: Fußball 2021

Es läuft und läuft und läuft: Eintracht Frankfurt springt nach dem 5:1 in Bielefeld auf einen Europacup-Platz. Dank eines Form-Rückkehrers und einer Offensive zum Zungeschnalzen. Die Analyse in fünf Punkten.

Es läuft bei Eintracht Frankfurt. In Bielefeld gewannen die Hessen überzeugend mit 5:1. André Silva (25./33.) sowie Filip Kostic (27.) schossen innerhalb von nur acht Minuten einen komfortablen Vorsprung heraus, Sergio Córdova traf kurz darauf zum Anschluss (36.). Nach der Pause trafen Joakim Nilsson (51.) per Eigentor und der eingewechselte Luka Jovic (75.) zum Endstand.

Frankfurt bleibt stabil

Es gibt keine Kleinen mehr, heißt es ja so schön, und für wenige Vereine hat das in der Vergangenheit so sehr gestimmt wie für Eintracht Frankfurt. Noch in der Hinrunde ließen die Hessen gegen Teams aus dem Tabellenkeller unnötig Punkte liegen, eine Angewohnheit aus alten Diva-vom-Main-Tagen, die man in Frankfurt nie so richtig los wurde.

Seit einigen Wochen nun gewinnen die Hessen aber auch ihre Partien bei spielerisch unterlegenen Mannschaften, eben genau die "Kleinen", gegen die man früher gern mal patzte. Und mehr noch: Die Siege in Augsburg, gegen Mainz und nun in Bielefeld, die zuvor dreimal in Folge zu Null gespielt hatten, wurden souverän runtergespielt und nach Hause gefahren, im Stile einer, ach, lassen wir das.

Kostic ist zurück

Mittendrin, statt wie zuletzt so oft nur dabei: Filip Kostic. Wie der Serbe auf der Alm die linke Seite hoch und runterackerte, seine berüchtigten 50-Meter-Sprints anzog und Flanken von der Schärfe eines Steakmessers vors Tor schlug, ließ wohlige Erinnerungen an den Kostic aus der Vorsaison wach werden, der nah an der Weltklasse war.

In dieser Saison suchte Kostic lange nach seiner Form, auch weil er sich zu Beginn der Spielzeit eine hartnäckige Verletzung zuzog. Schon gegen Schalke, nach der Einwechslung seines Kumpels Luka Jovic, trumpfte Kostic groß auf, nach dem Spiel in Bielefeld scheint die Suche nun endgültig beendet. Auf der Alm leitete Kostic das 1:0 ein, schoss das 2:0 selbst, bereitete das 3:0 vor, erzwang das Eigentor zum 4:1 und leitete das Tor zum 5:1 ein. Das ist eine glatte Eins mit Sternchen.

Zwei Stürmer aus der Feinkostabteilung

Apropos Jovic: Wenn man einem beliebigen Eintracht-Fan vor etwa fünf Jahren gesagt hätte, dass sich das Sturmduo der Hessen im Jahre 2021 aus einem portugiesischen Nationalspieler, der vom AC Milan kam, und einem serbischen Wunderkind von Real Madrid zusammensetzt, hätte dieser Fan wahrscheinlich lachend abgewunken. Und doch ist es so: Der Frankfurter Sturm gehört aktuell mit zum besten, was die Liga offensiv zu bieten hat. Und dafür müssen Jovic und Silva nicht einmal gemeinsam von Beginn an auflaufen.

Was Silva so draufhat, kann man ja bereits die gesamte Saison bewundern, sein Tor zum 3:0 verdeutlichte aber erneut, was für ein fantastischer Spieler er ist. Eine Vorlage von Kostic verwertete Silva volley im Vollsprint unters Tordach – zu seinem bereits 14 Saisontor. Speed, Technik, Killerinstinkt – die Mehrheit der Bundesligastürmer hätte diesen Ball in die Kleingartenanlage hinterm Bielefelder Stadion geprügelt. Und Jovic? Macht bei der Eintracht ja ohnehin da weiter, wo er vor seinem Wechsel zu Real 2019 aufgehört hatte. So auch in Bielefeld: Ballannahme und Abschluss zum 5:1 findet man im Fußball-Lehrbuch unter "Fließende Bewegung". Jetzt müssen Silva und Jovic nur noch zeigen, dass sie auch gemeinsam 90 Minuten als Doppelspitze draufhaben. Aber warum sollte das nicht klappen?

Ein Hauch von Fußball 2021

Zumal ja auch die Spieler hinter Silva und Jovic seit Wochen in Topform sind. Amin Younes erweist sich mehr und mehr als Volltreffer, mit seiner Wendigkeit und seinem Spielwitz hat er den Klub direkt mal auf ein anderes Level gehoben. Daichi Kamada lässt zwar ab und an die Schultern hängen, weiß dafür aber oft genug, was er im entscheidenden Moment mit der Kugel anzufangen hat. Und Djibril Sow ist nicht wiederzuerkennen, spielt fast jeden Ball nach vorne und macht zwischen Box und Box Meter für zwei Spieler. Und, und, und.

Das alles führt dazu, dass das Spiel der Hessen aktuell wie eine gut geölte Maschine läuft. Schon Freiburgs Trainer Christian Streich lobte, die Eintracht sei "fußballerisch mit das Beste in der Liga", auch gegen Bielefeld lief der Ball teils wie an der Schnur gezogen durch die Reihen der Hessen. Vielleicht ist das noch nicht ganz Fußball 2000, in jedem Falle aber Fußball 2021.

Sie sind die Beeeeesteeeeen...

Sie sind die Besten. These are the Champions. Die Besten. Na, klingelt’s? Genau, der ein oder andere Eintracht-Fan dürfte bereits diese ersten Verse der Champions-League-Hymne auf den Lippen haben, schließlich fehlen den Hessen nach nun 16 Punkten aus den letzten sechs Spielen gerade noch zwei Pünktchen auf Tabellenplatz drei. Auch wenn, klar, natürlich noch 16 Spiele zu absolvieren sind.

Ebenso wie die Konkurrenz gewaltig ist. Bayern, Leipzig, Leverkusen, Wolfsburg, Gladbach vor sowie die einen Punkt hinter den Hessen liegenden Dortmunder sind allesamt Schwergewichte der Liga. In der aktuellen Form muss sich die Eintracht aber auch nicht unbedingt verstecken. Oder wie es Amin Younes nach dem Spiel formulierte: "Schauen wir mal, wo wir am Ende stehen. Nach oben gibt es keine Grenzen."

Zumal die Eintracht im Vergleich zu den direkten Konkurrenten einen in der eng getakteten Corona-Saison möglicherweise entscheidenden Vorteil hat. Mit Ausnahme von Wolfsburg sind nämlich noch alle genannten Teams in Champions- oder Europa League vertreten. Bedeutet: Während die Eintracht nur noch eine englische Woche in der Bundesliga bevorsteht, müssen die konkurrenten ab Mitte Februar sehr viel häufiger ran. Und lassen die entscheidenden Körner?

HR | Stand: 24.01.2021, 12:43

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