Triathlon Triathlon Challenge Roth - eine Erfolgsgeschichte

Stand: 01.07.2022 12:11 Uhr

Als Detlef Kühnel 1984 den Triathlon nach Roth brachte, konnte er sich vermutlich nicht vorstellen, welche Entwicklung dieser Sport machen würde. Was mit dem Franken-Triathlon begann, ist heute als Challenge Roth ein internationales Großereignis.

Von BR24 Sport

1984 - Triathlon kommt nach Franken

Nachdem Detlef Kühnel zwei Mal beim Ironman Hawaii gestartet war, lässt ihn der Sport nicht mehr los. Er will den Triathlon nach Franken holen. Beim TSV 1859 Roth findet in seinem Geburtsort findet er Verbündete, die mit ihm das sportliche Neuland betreten wollen. Zusammen mit den Vereinsmitgliedern Hubert Schwarz, Willi Dänzer, Karl Schmoll, Günter Kaeser, Hans Enzingmüller, Günter Ziegler und dem Vorsitzenden Manfred Jakob hebt er den Franken-Triathlon aus der Taufe. Noch wird in Roth auf Kurzdistanz gestartet - anstatt der heutigen Distanz von 260 Kilometern bewältigen die Athleten eine Strecke von 51,5 Kilometern.

1985 - Triathlon-Virus greift um sich

Die Männer der ersten Stunde verstehen sich gut, arbeiten Hand in Hand. Und auch der Landkreis Roth ist fasziniert von dem Wettkampf mit den drei Disziplinen. Es folgt die Bayerische Meisterschaft über die Kurzdistanz.

1986 - Medialer Durchbruch

Beim Kampf um die Deutsche Meisterschaft liefern sich Scott Tinley und der damalige deutsche Triathlon-Star Dirk Aschmoneit ein packendes Rennen. Nachdem in den ersten Jahren lediglich zwei lokale Journalisten über das sportliche Ereignis berichteten, werden die Medien deutschlandweit auf die Sportveranstaltung in Roth aufmerksam.

1985 - Internationale Bewährungsprobe

Die ersten drei Veranstaltungen laufen gut. Daraufhin wird 1987 in Roth die Triathlon-Europameisterschaft auf der Mitteldistanz ausgetragen - die erste internationale Bewährungsprobe. Detlef Kühnel (Bild) und sein Team ernten viel Lob und bei der Siegerehrung sogar Beifall für ihre Organisation. Gut für die Rother - denn Detlef Kühnel hat sich im Vorfeld des Rennens um die Lizenz für den Ironman Europe beworben. Die Macher der Ironman-Serie verschaffen sich bei der EM einen Eindruck - und Kühnel bekommt den Titel der Eisenmänner für Roth.

1988 - erster Ironman

Die Anspannung und die Erwartungen vor der Ironman-Premiere sind groß - dennoch erfüllen die Rother alle Ansprüche. Der Niederländer Axel Koenders knackt beim ersten mittelfränkischen Langdistanz-Triathlon die Weltbestzeit (8:13:11 Stunden). Der Ironman Europe ist ein Erfolg auf der ganzen Linie. Allerdings hinterlässt er den Veranstaltern auch einen Berg Schulden. Organisator Detlef Kühnel setzt alles auf eine Karte - er will den Triathlon in Roth behalten.

1990 - Hauptsponsoren gefunden

Detlef Kühnel arbeitet hart daran, Sponsoren für den Rother Ironman zu finden. Er ist von seiner Idee überzeugt und schafft es letztendlich mit seiner Hartnäckigkeit, immer mehr regionale Unternehmen als Geldgeber zu gewinnen. Als Hauptsponsoren den Versandhändler Quelle und die Deutsche Post zu verpflichten, ist Kühnels größter Coup. Damit steht der Ironman Europe nun auch wirtschaftlich auf soliden Beinen.

1992 - Roth verleiht Flügel

Der Ironman stachelt die Athleten immer wieder zu Höchstleistungen an. Thea Sybesma aus den Niederlanden kommt 1991 als erste Sportlerin unter neun Stunden ins Ziel - Weltrekord. Dieser hält aber nicht lange. Im darauf folgenden Jahr kommt Paula Newby-Fraser aus Simbabwe mit 8:55:00 ins Ziel - 29 Sekunden schneller als Sybesma.

1994 - Go, Paula!

Paula Newby-Fraser zählt zu den besten Triathletinnen der Welt. Sie gewinnt in der Ironman-Serie unter anderem in Hawaii, Japan und Canada - aber nur in Roth schafft Newby-Fraser Weltrekorde. Zwei Jahre nach ihrem Welterfolg in Mittelfranken setzt sie wieder Maßstäbe - wieder in Roth. Sie kann sich selbst noch mal fast um fünf Minuten unterbieten. 1994 gewinnt der Deutsche Jürgen Zäck zum ersten Mal den Ironman Europe, der Auftakt für eine Siegesserie. Insgesamt steht er vier Mal ganz oben auf dem Podest.

1996 - Wieder Rekord, wieder Roth

1996 ist in Roth das Jahr der deutschen Triathleten. Lothar Leder gelingt beim Ironman eine Sensation. Er kommt nach 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42 Kilometern Laufen mit einer Zeit von 7:57:02 Stunden ins Ziel und knackt damit als Erster weltweit die Acht-Stunden-Marke. Mit Ute Mückel hat 1996 bei den Frauen ebenfalls eine Deutsche die Nase vorn.

1997 - ein neuer Weltrekord

Der Sensationserfolg von Lothar Leder hält nicht lange. Der Belgier Luc van Lierde ist 1997 noch schneller und unterbietet den Deutschen um rund sieben Minuten. Die letzten zehn Marathon-Kilometer schaffte er in unglaublichen 34 Minuten und zieht damit an Jürgen Zäck vorbei. Mit 7:50:27 Stunden kommt er ins Ziel. Diese Zeit war für 14 Jahre das Maß der Dinge. Erst 2011 - eine Woche vor dem Challenge Roth - betritt der Belgier Marino Vanhoenacker neue Zeitdimensionen. 7:45:58 braucht er für den Ironman Klagenfurt.

2001 - Letzter Ironman Europe

Detlef Kühnel hätte den Ironman gerne in Roth behalten, doch die Zusammenarbeit endet mit einem Paukenschlag im Frühjahr 2001. Die Lizenzgeber der World Triathlon Corporation (WTC) stellen nach Kühnels Angaben inakzeptable organisatorische und finanzielle Forderungen an die Veranstalter des Rother Triathlons. Medienwirksam kündigt Kühnel den Vertrag mit der WTC auf. Daraufhin erhält Frankfurt die Ironman-Lizenz.

2002 - "Roth bleibt Roth"

Viele prophezeiten dem Triathlon in Roth mit der Abgabe der Ironman-Lizenz den Untergang - aber weit gefehlt. Der positive Ruf des Wettkampfes bezog sich offensichtlich nicht auf den Ironman, sondern auf Roth selbst. Mit der Unterstützung der alten Sponsoren sowie dem Engagement neuer Partner aus der Region Nürnberg wird der Quelle Challenge Roth aus der Taufe gehoben. Der Rother Langdistanz-Triathlon entsteigt mit unglaublicher Zuschauerbegeisterung und unter neuer Leitung von Herbert Walchshöfer wie Phönix aus der Asche. "Roth bleibt Roth" jubeln die Zeitungen.

2003 - Herzschlagfinale

Mit einem packenden Herzschlagfinale gehen Lothar Leder und der Australier Chris McCormack 2003 in die Triathlon-Geschichte ein. Bis zu Marathon-Kilometer 39 liegen die beiden Athleten gleichauf. Auf den letzten 300 Metern will Leder die Entscheidung. Er setzt zum Zielspurt an - und gewinnt. Nur drei Sekunden nach ihm sprintet Chris McCormack über die Ziellinie. Nach dem spannenden Finale hat Leder noch einen zweiten Grund zur Freude: Seine Frau Nicole läuft ebenfalls als Erste ins Ziel.

2006 - Acht-Stunden-Marke verbummelt

Zum dritten Mal in Folge holt sich der Australier Chris McCormack (im Bild rechts) den Sieg beim Challenge in Roth. Nach 8:00:52 Stunden überquert er die Ziellinie. Auf der Stadionrunde auf dem Weg zum Ziel lässt er sich von seinen Fans feiern - und verbummelt so die magische Acht-Stunden-Marke. Ihm ist das egal. Für McCormack zählt nur der Triumph über den Hawaii-Sieger Faris Al-Sultan (im Bild links). Im Jahr darauf macht der Australier seine Siegesserie in Roth perfekt: Er gewinnt zum vierten Mal - seine Zeit: 7:54:23 Stunden.

2007 - Herbert Walchshöfer stirbt

Der Tod von Organisator Herbert Walchshöfer trifft die Triathlon-Familie hart. Er hatte den Quelle Challenge Roth zu dem gemacht, was er ist. Sportler aus aller Welt trauern mit der Familie Walchshöfer. Die Triathleten tragen beim Challenge 2007 eine Armbinde mit der Aufschrift "Danke Herbert!". Wenige Wochen vor seinem Tod hat Walchshöfer noch die Weichen auf Expansionskurs für die Marke "Challenge" gestellt. Seine Frau Alice, Tochter Kathrin und Sohn Felix führen das Geschäft des Vaters weiter.

2008 - Weltbestzeit fällt

Und wieder wird in Roth Triathlon-Geschichte geschrieben. Bei strömendem Regen kämpft sich die Niederländerin Yvonne van Vlerken an ihren Konkurrentinnen vorbei. Nach 8:45:48 Stunden kommt sie ins Ziel. 2008 muss der Quelle Challenge aber auch einen harten Schlag hinnehmen: Der langjährige Sponsor Post AG steigt aus.

2009 - Und wieder: Weltrekord!

Jahr für Jahr setzt Roth Maßstäbe im Langdistanz-Triathlon. Dieses Mal ist es Chrissie Wellington aus England, die alle staunen lässt. Sie stampft den Weltrekord aus dem Vorjahr in Grund und Boden. Mit 8:31:59 Stunden ist sie fast 15 Minuten schneller als Yvonne van Vlerken 2008.

2010 - Challenge ohne Quelle

Der Challenge muss erstmals nach 19 Jahren ohne seinen Titelsponsor Quelle auskommen. Das Versandhaus ist insolvent. "Das war für uns natürlich schon eine sehr schwierige Situation, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch menschlich", sagt Felix Walchshöfer. Neue Sponsoringpartner und Lizenzgebühren der Challenge-Weltserie sorgen aber für die nötige wirtschaftliche Stabilität. Bei der neunten Auflage des Challenge dann die Weltsensation: Chrissie Wellington unterbietet ihren eigenen Weltrekord um fast zwölf Minuten. Damit dringt sie in Sphären ein, die bislang den Männern vorbehalten waren.

2011 - Zehn Jahre Challenge und wieder Weltrekord

Seit zehn Jahren feiern die Rother ihren Triathlon mit dem Namen "Challenge". Das soll 2011 belohnt werden. Andreas Raelert bricht in Roth den Weltrekord. Seine Zeit: 7:41:33 Stunden. Und Chrissie Wellington schafft das, was keiner für möglich gehalten hätte - den Hattrick! Das dritte Jahr in Folge Weltrekord. Mit ihrer Zeit von 8:18:13 Stunden hat die Britin Maßstäbe im Langdistanztriathlon gesetzt.

2012 - Challenge auf Erfolgskurs

Die Marke "Challenge" steht 2012 gut da. Mittlerweile wird auf der ganzen Welt unter dem Label "Challenge" gestartet, unter anderem in Neuseeland, auf Fuerteventura, in Barcelona und im canadischen Penticton. Eine eigene Challenge-Weltmeisterschaft? Das Finale in Roth? Mittelfrankens Pendant zu Hawaii, dem bedeutendsten Triathlon der Welt? Felix Walchshöfer will sich nicht so weit aus dem Fenster lehnen - auch wenn er sich das Szenario gut vorstellen könnte.

2013 - neuer Titelsponsor

2013 steigt das Nürnberger IT-Unternehmen Datev als Titelsponsor in den Challenge Roth mit ein. Damit steht der international etablierte Langdistanz-Triathlon in Roth auf finanziell sicheren Beinen. "Wir sind mehr als glücklich, dass wir mit der Datev einen absolut vertrauenswürdigen Partner gewonnen haben", sagt Felix Walchshöfer, Geschäftsführer der Team Challenge GmbH.

2013 - neuer Titelsponsor

2013 steigt das Nürnberger IT-Unternehmen Datev als Titelsponsor in den Challenge Roth mit ein. Damit steht der international etablierte Langdistanz-Triathlon in Roth auf finanziell sicheren Beinen. "Wir sind mehr als glücklich, dass wir mit der Datev einen absolut vertrauenswürdigen Partner gewonnen haben", sagt Felix Walchshöfer, Geschäftsführer der Team Challenge GmbH.

2014 - 30 Jahre Triathlon Roth

Seit mittlerweile 30 Jahren ist der Triathlon in Roth zu Hause. Nach den zaghaften Anfängen ist der Sport heute so populär wie nie. Der Challenge Roth hat eine ganze Region mit dem Triathlon-Fieber infiziert. Viele Menschen in und um Roth sind im Laufe der Jahre ein Teil der Veranstaltung geworden - egal ob als Sportler, Helfer oder Fan.

Familie Walchshöfer beim Challenge 2013

2016 - Frodeno pulverisiert den Weltrekord

Der 34-jährige Jan Frodeno hatte im Vorfeld angekündigt, in Roth eine neue Weltbestleistung aufstellen zu wollen. Die alte Marke des Rostockers Andreas Raelert lag bei 7:41,33 Stunden. Am Ende der 2016er-Challenge-Auflage schauten die Fans im Zielstadion fast ungläubig auf die Anzeigetafel. 7:35:39 Stunden benötigte Frodeno, der sich den Roth-Rekord schnappte. "Ich bin dankbar für jeden, der mich unterwegs angefeuert hat", sagt Jan Frodeno nach dem Weltrekord.

2017 - Drama um Nils Frommhold

Vorjahresgewinnerin Daniela Ryf aus der Schweiz schnappt sich erneut den Sieg. Bei den Herren gibt's einen Überraschungssieger: Der Belgier Bert Aernout gewinnt - weil ein Mitfavorit im Radrennen stürzt. Nils Frommhold ist überlegen auf Siegkurs - und touchiert rund 20 Kilometer vor dem Ende des Radrennens das Fahrrad einer anderen Teilnehmerin. Frommhold stürzt, bleibt bis auf ein paar Schürfwunden unverletzt, kann das Rennen mit einem gebrochenen Lenker aber nicht fortsetzen.

Nils Frommhold 2017

Nils Frommhold 2017

2018 - erster Sieg für Ironman Kienle

Sebastian "Sebi" Kienle geht zum ersten Mal ins Roth an den Start - und sichert sich direkt den Sieg. Der Ironman-Sieger von 2014 liegt nach Schwimmen und Radfahren noch hinter dem Australier Cameron Wurf. Einige Minuten nach Wurf wechselt er zum Laufen. Auf der Marathonstrecke zieht er dann an seinem Konkurrenten vorbei und holt sich den Sieg in 7:46,23 Stunden.

2019 - Wenn die Vorjahreszweiten siegen

Sie beide waren die Zweitplatzierten im Challenge Roth 2018, ein Jahr später holen sie sich den verdienten Sieg: Der fränkische Loca Hero Andreas Dreitz und Lucy Charles-Barclay sind die Challenge-Champions 2019.

2021 - Debütsiege für Haug und Lange

Noch immer hat das Coronavirus Deutschland und die Welt mal mehr, mal weniger stark im Griff. Die Organisatoren weichen in den Herbst aus. Am Start die absolute Weltspitze - und am Ende auch siegreich: Lokalmatadorin Anne Haug sichert sich bei ihrem ersten Challenge-Start gleich den Sieg, bei den Männer triumphiert Roth-Debütant Patrick Lange, zweimaliger Ironman-Hawaii-Sieger.

Quelle: Blickpunkt Sport 03.07.2022 - 06:15 Uhr