Georg Hackl

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BR-Sport

Georg Hackl: "Olympia-Verschiebung wäre sinnvoll gewesen"

Stand: 24.01.2022, 08:44 Uhr

Bei Rodelikone Georg Hackl herrscht angesichts der Bedingungen in Peking 2022 gewaltig getrübte Stimmung. Er hätte die Olympischen Winterspiele am liebsten um ein Jahr verschoben - und noch lieber in einem demokratischen Land ausgetragen.

Ohne Zuschauer und mit übertrieben restriktiven Hygienemaßnahmen sowie einer unheimlichen Gesichtserkennungssoftware: Diese Olympischen Spiele in Peking 2022 findet Hackl mehr als suspekt.

Pinkelflasche statt Toilettengang und weggesperrte Koffer

"Wenn man bei der Anfahrt im Bus signalisiert, dass man auf die Toilette muss, wird einem eine Pinkelflasche in den Bus hineingereicht", schimpft der 55-Jährige. Erst am dritten Tag bekomme man dort seinen Koffer. Kleidungswechsel sei bis dahin so gut wie unmöglich. "Einfach chinesisch" findet er diese Vorschriften, die die Coronagefahr eindämmen sollen, aber zur Hygienefalle werden.

Hackl: "Warum nicht verschieben"?

Angesichts dieser Umstände versteht der dreimalige Olympiasieger die olympische Welt nicht mehr: "Die Sommerspiele konnten verlegt werden, warum nicht die Winterspiele? In einem Jahr bin ich der Meinung, da würde das Ganze viel fairer ablaufen können als jetzt", schimpft der Urbayer. Dann hofft er, dass die Pandemie besser in Griff gekommen sei.

Olympische Spiele im totalitären Land: Lückenlose Überwachung

Generell stellt Hackl auch die Frage, ob man die Olympischen Spiele überhaupt in solch "totalitäre Staaten wie China" vergeben muss. Und das nur, weil viele demokratische Länder die Ausrichtung Olympischer Spiele ablehnen. Deshalb sollte man den Grund für diese Ablehnung herausfinden.

Sonst bleibt es wie in China. "Dort wirst du lückenlos überwacht" mit dieser Gesichtserkennungssoftware, erzählt Hackl. Als Beweis beschreibt er ein Experiment: "Aus Gaudi haben Athleten dort einmal die Kameras verdreht, binnen fünf Minuten waren die Sicherheitskräfte da", sagt Hackl.

Georg Hackl

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Hackls Erlebnisse aus Winterspielen "in China nicht zu haben"

"Die Erlebnisse, die ich bei Olympia hatte, werden die Sportler in China nicht haben", lautet sein trauriges Fazit. In seiner aktiven Karriere gewann der Mann vom Königssee drei olympische Gold- sowie zwei Silbermedaillen im Einsitzer.

Bei den Olympische Spielen handle es sich um ein Event, bei dem "sich die Besten der Welt messen wollen", so Hackl. Angesichts der bisherigen Erfahrungen mit den Sicherheits- und Hygienevorschriften in China sei das für die Winterspiele in Peking keinesfalls sichergestellt.

Georg Hackl bei einer Fahrt im Eiskanal

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Erfahrungen aus den Trainingsfahrten bestätigt

Hackl bestätigt die Erfahrungen, unter denen die deutschen Rodler bei den Trainingsfahrten im vergangenen Jahr in Peking geächzt hatten. Erst wurde Natalie Geisenberger wegen ihres vermeintlichen Flugzeug-Sitzplatzes in der Nähe von Coronapatienten strengstens isoliert. Geisenberger überlegte lange, ob sie noch einmal nach Peking fliegt, wollte eigentlich auf die Spiele verzichten – liess sich gerade noch umstimmen.

Für Doppelsitzerpilot Tobias Arlt war der Weltcup nach Peking noch mehr ein Höllentrip: Nach einem umstrittenen Testergebnis holten ihn die Gesundheitsbehörden ohne Vorwarnung direkt von der Bahn ab und verfrachteten ihn tagelang in ein Quarantänekrankenhaus. Ungerechte Bedingungen und ungerechtfertigte Disqualifikationen sind bei diesen Olympischen Winterspielen also nicht auszuschließen.

Olympische Bob- un Rodelbahn in Peking

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Quelle: Blickpunkt Sport 23.01.2022 - 21:45 Uhr

Quelle: BR

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