BR24 Sport Ende einer Ära beim BFV: Rainer Koch tritt ab

Stand: 25.06.2022 12:34 Uhr

Zeitenwende für den Bayerischen Fußball-Verband: Mit Christoph Kern wurde ein neuer Präsident gewählt. Fast zwei Jahrzehnte war Rainer Koch an der Spitze, jetzt ist Schluss für den großen Strippenzieher im Fußball.

Von Kilian Medele

Gerhard Schröder ist noch Bundeskanzler, als Rainer Koch im bayerischen Fußballverband 2004 zum Präsidenten gewählt wird. Bis heute war er fast 18 Jahre im Amt, länger als Angela Merkel. Worum es ihm dabei immer ging, ist Kontrolle, schreibt die Süddeutsche Zeitung zum Abschied.

Egal was man über ihn liest, sieht oder hört, fast immer fällt das Wort "Strippenzieher". Aufhören wollte er eigentlich noch nicht: Aber sein "House of Cards" ist am 12. März beim DFB Bundestag krachend zusammengebrochen.

Herbe Niederlage bei Wahl zum DFB-Vizepräsidenten

Bei der Wahl der Vizepräsidenten merkt Koch, dass ihm die vom eigenen Bayerischen Fußball-Verband (BFV) aufgestellte Kandidatin, Silke Sinning, gefährlich werden könnte. Koch steht auf dem Podium und verzockt sich verbal: "Ich bitte Sie, dass sie diesen einstimmigen Vorschlag des süddeutschen Regionalverbandes und all seiner fünf Landesverbände, dass Sie den jetzt, wie im Falle einer Bestätigung auch mit unterstützen oder wenn Sie das nicht möchten, dass Sie sich dann an der Wahl nicht beteiligen."

Das Grummeln im Saal lässt das Ergebnis bereits erahnen: Sinning erhält 163 Stimmen, Koch nur 68.

Seine Reaktion auf die Wahlniederlage passt ins öffentliche Koch-Bild: Ein kurzer Händedruck im Zurückwippen, das war's. Tags darauf löscht er seinen Facebook-Account. Für ihn war dieser Social-Media-Kanal als Verkündungskanal so etwas wie Twitter für Donald Trump.

Einsatz für Bayern und soziales Engagement sind unbestritten

Und trotzdem war der SPD-Mann Koch für das Standing des Freistaats in Fußballdeutschland so wichtig wie ein starker Ministerpräsident für die Politik im Bund.

Bei der Regionalliga-Reform boxt er 2012 eine eigene 4. Liga für Bayern durch. Später verhindert er eine Zusammenlegung mit ostdeutschen Klubs, als eine weitere Reform diskutiert wird.

Koch hat auch einiges getan im Kampf gegen Rassismus, Homophobie, für den Frauenfußball, mit seinem sozialen Engagement war er in Bayern so omnipräsent wie Franz Beckenbauer mit dem Hubschrauber bei der WM in Deutschland 2006.

Grindel, Zwanziger, Keller - die Liste von Kochs Intimfeinden ist lang

Apropos Sommermärchen: Ex-DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte ihm letztes Jahr im ZDF vorgeworfen, das Präsidium vor der Veröffentlichung der brisanten Spiegel-Recherchen nicht unterrichtet habe. Damit sei die Chance vertan worden, den Sachverhalt von Seiten des DFB aktiv aufzuklären und entsprechende Maßnahmen treffen zu können. Koch hat dies bestritten.

Grindel ist nur einer seiner Intimfeinde. Dazu zählen auch die anderen gescheiterten DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Fritz Keller: Letzterer hat Koch noch im Amt mit dem Nazirichter Freisler verglichen, logischerweise war Keller seinen Posten danach los.

Rückkehr auf den Richterstuhl

Koch selbst hat sich immer als Präsident und Vizepräsident für die Amateure wahrgenommen. So richtig beliebt war er an der Basis trotzdem nicht überall. Giuseppe Scialdone von der Spielvereinigung 1906 Haidhausen findet: "Erstaunlicherweise war er ja derjenige, der das Ganze sehr lang überlebt hat. Ich hatte auch die letzten Jahre hier im Amateursport das Gefühl, dass er uns da nicht recht weit geholfen hat. Ich find’s gut, dass da ein Wechsel stattgefunden hat und ich glaub, das hat’s auch gebraucht."

Schon im März hat Koch angeboten, seinen mit 160.000 Euro jährlich dotierten Job bei der UEFA-Exekutive vorzeitig zu beenden. "Ich selbst werde künftig meine persönlichen Prioritäten neu setzen und zum Jahreswechsel in meinen Beruf zurückkehren“, sagt der Bald-Wieder-Richter Rainer Koch. Der Tag ist nun gekommen.

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Quelle: BR24 25.06.2022 - 11:54 Uhr