Tour de France: Pogacars nächster Schlag in Gelb

Tadej Pogacar jubelt

Slowene gewinnt Königsetappe auf dem Col du Portet

Tour de France: Pogacars nächster Schlag in Gelb

Von Michael Ostermann (Saint-Lary-Soulan/Col du Portet)

Tadej Pogacar festigt seine Position an der Spitze der Gesamtwertung mit einem Etappensieg auf dem Col du Portet. Und es zeigt sich, dass selbst seine vermeintliche Schwachstelle keine ist.

Das Gelbe Trikot - natürlich. Tadej Pogacar wusste, worauf es ankam, als er am Col du Portet als Erster ins Ziel fuhr. Mit beiden Händen zerrte er das Maillot Jaune nach unten, so wie es Fußballer bisweilen tun, wenn sie einen entscheidenden Treffer erzielt haben.

Demonstration der Stärke

Auch Pogacar hatte dort oben in 2.215 Metern Höhe den Konkurrenten den letzten entscheidenden Treffer versetzt. Diesmal nicht mit einer langen Solofahrt, sondern einer letzten Beschleunigung knapp 100 Meter vor dem Ziel.

Der Slowene baute seinen ohnehin schon komfortablen Vorsprung im Gesamtklassement der Tour de France noch ein bisschen weiter aus. Sein Abstand auf den ersten Verfolger beträgt nun 5:39 Minuten. Natürlich gab Pogacar zu bedenken, dass die Tour noch bis Paris andauere und erst dort vorbei sein. "Im Radsport kann immer was passieren. Ich muss auf Holz klopfen", sagte er.

Es war einmal mehr eine Demonstration der Stärke, die Pogacar auf der 17. Etappe lieferte, auch wenn er die Konkurrenz diesmal nicht mit einer langen Solofahrt wie in den Alpen demütigte, sondern erst auf den letzten Metern vor dem Gipfel hinter sich ließ. "Ein fantastischer Tag. Im Gelben Trikot hier zu gewinnen, das kann ich gar nicht beschreiben", sagte Pogacar, der sehr wohl weiß, dass der Radsport, dass die Tour de France solche Bilder gerne überhöht und verklärt.

17. Etappe - die Zusammenfassung Sportschau 14.07.2021 05:22 Min. Verfügbar bis 14.07.2022 Das Erste

Das Podium in Paris nimmt Form an

Ein Etappensieg im Gelben Trikot gilt als etwas Besonderes. Und Pogacar wollte diesen Erfolg unbedingt, daran ließ er von Beginn an keinen Zweifel. Er schickte seine Mannschaft, die viele zuvor als seine einzige Schwachstelle ausgemacht hatten, nach vorne, um das Tempo an den drei schweren Anstiegen zu diktieren.

Tagelang hatte Pogacar erklärt, dass sein Team das stärkste sei. Diesmal stimmte das. Und als Rafal Majka, sein letzter Helfer, rund acht Kilometer unterhalb des Gipfels ausscherte, war die Favoritengruppe schon arg ausgedünnt.

Zwei Beschleunigungen später war Pogacar nur noch in Begleitung jener beiden Männer, die ihn nun wohl auch auf dem Podium in Paris flankieren werden. Da waren nur noch derr Däne Jonas Vingegaard und der Ecuadorianer Richard Carapaz, die nun auf Rang zwei und drei des Gesamtklassements vorgerückt sind. Beide ließen sich von Pogacar bis kurz vor Schluss nicht abschütteln. "Es war überhaupt nicht klar, wer es am Ende macht", sagte der Slowene.

17. Etappe - die Stimmen Sportschau 14.07.2021 04:48 Min. Verfügbar bis 14.07.2022 Das Erste

Vinegaard wird zur Entdeckung der Tour

Vor allem der junge Vingegaard muss als Entdeckung dieser Tour gelten. Angereist als Helfer für seinen Kapitän Primoz Roglic, hat der 24-Jährige nach dessen Ausfall in der ersten Woche die Führungsrolle bei Jumbo-Visma übernommen und nun beste Aussichten auf Platz zwei in Paris.

Nicht einmal eine späte Attacke von Carapaz, durch die er kurzzeitig den Anschluss verlor, brachte Vingegaard aus der Ruhe. 200 Meter vor dem Ziel war er zurück am Hinterrad der beiden anderen und wuchtete sich am Ende sogar noch an Carapaz vorbei auf Rang zwei. "Das zeigt seinen Charakter", lobte der zwei Jahre jüngere Pogacar den Dänen gönnerhaft. "Er fährt fantastisch. Er wird noch besser und kann schon bald ein Toursieger sein."

Pogacar gewinnt in Gelb und baut den Vorsprung aus

Sportschau Tourfunk 14.07.2021 15:01 Min. Verfügbar bis 15.07.2031 ARD


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Suche nach einem Herausforderer

Pogacar weiß, dass es ihm guttun würde, einen ernstzunehmenden Rivalen zu haben für die kommenden Jahre, damit seine Dominanz die Tour und den Radsport nicht erdrückt. Duelle mit ernsthaften Rivalen sind besser fürs Geschäft und können die Zweifler womöglich etwas besänftigen.

Pogacars Landsmann Roglic musste nun schon zum zweiten Mal einen schweren Rückschlag wegstecken, und es wird darauf ankommen, ob und wie er das verkraften wird. Neben Vingegaard und Roglic gilt Egan Bernal, der Toursieger von 2019, als ein möglicher Herausforderer für Pogacar.

Der Kolumbianer vom Team Ineos-Grenadiers, das trotz Carapaz' Podiumschancen als Verlierer dieser Tour gelten muss, hat die Frankreich-Rundfahrt in diesem Jahr ausgelassen und fuhr stattdessen im Mai den Giro d'Italia, den er souverän gewann. Schon jetzt elektrisiert ein mögliches Aufeinandertreffen von Pogacar, Bernal und Roglic bei der Spanien-Rundfahrt im September das Fachpublikum.

17. Etappe - der letzte Kilometer Sportschau 14.07.2021 03:18 Min. Verfügbar bis 14.07.2022 Das Erste

Defensive am letzten Tag in den Pyrenäen

Doch vorerst dreht Pogacar bei der Tour de France einsam seine Kreise. Die letzte Bergetappe am Donnerstag über den Tourmalet und hinauf nach Luz Ardiden wird sein Team kontrollieren. Und, anders als in den vergangenen Tagen, ist bei den Konkurrenten nun auch nicht mehr von Angriff die Rede.

Auch Vingegaard und Carapaz werden versuchen, ihre Position vor dem Zeitfahren am kommenden Samstag zu halten. Gefordert sind jene, die das Podium noch nicht ganz aus dem Visier genommen haben, wie etwa der Kolumbianer Rigoberto Uran, der von Platz zwei im Klassement auf den vierten Rang zurückfiel, und vor dem Zeitfahren noch ein wenig Boden gutmachen muss.

Tadej Pogacar kann sich all das in aller Ruhe anschauen. Er muss nur noch sicher bis Paris kommen. Einen Etappensieg im Gelben Trikot hat er ja jetzt auch schon in der Tasche.

17. Etappe - die komplette Übertragung Sportschau 14.07.2021 05:14:04 Std. Verfügbar bis 14.07.2022 Das Erste

Stand: 14.07.2021, 20:30

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