Tour de France: Pogacar unter Druck - Roglic verliert

Primoz Roglic

7. Etappe

Tour de France: Pogacar unter Druck - Roglic verliert

Von Michael Ostermann (Le Creusot)

Auf der mit 249,1 Kilometern längsten Tour-de-France-Etappe seit 21 Jahren setzt die Konkurrenz Vorjahressieger Tadej Pogacar mächtig unter Druck. Doch der Verlierer heißt Primoz Roglic.

Ein leichter Klaps auf den Rücken, ein wenig Zuspruch, mehr konnte der Niederländer Steven Kruijswijk im Ziel der 7. Etappe der Tour de France in Le Creusot nicht tun für seinen Kapitän Primoz Roglic. "Ich habe versucht, ihm ein paar aufmunternde Worte zu sagen. Was soll man sonst tun?", sagte Kruijswijk und wirkte ziemlich ratlos.

Roglic schon mit 5'28 Minuten Rückstand auf Pogacar

Roglic war als einer der großen Favoriten auf den Gesamtsieg bei der Tour de France angereist. Sein Team Jumbo-Visma sollte ihn unterstützen und Kruijswijk, der als Gesamtdritter 2019 selbst schon auf dem Tourpodium gestanden hat, dem Slowenen dabei vor allem in den Bergen zu Seite stehen.

Am Wochenende erreicht die Tour nun die Alpen. Doch schon nach der ersten Woche und sieben Etappen ist ziemlich sicher: Roglic wird die Tour de France auch in diesem Jahr nicht gewinnen. Die Folgen seines Sturzes auf der 3. Etappe beeinträchtigen ihn zu stark.

Verrückte Etappe und eine bittere Niederlage

Tourfunk 02.07.2021 14:06 Min. Verfügbar bis 03.07.2031 ARD


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“Ich bin ziemlich hart auf meinen Rücken und meine Rippen gefallen. Das beeinträchtigt einen überall, selbst wenn man nichts tut", erzählte Roglic vor dem Start der 249,1 Kilometer langen 7. Etappe Vierzon nach Le Creusot, an deren Ende er noch einmal fast vier Minuten auf Vorjahressieger Tadej Pogacar verloren hatte. Der Rückstand auf seinen Landsmann im Gesamtklassement beträgt nun schon satte 5'28 Minuten.

7. Etappe - die Zusammenfassung Sportschau 02.07.2021 04:48 Min. Verfügbar bis 02.07.2022 Das Erste

Und die großen Berge kommen erst noch

Roglic scheint derzeit aufgrund seiner Schmerzen nicht in der Lage mit den Besten am Berg mitzuhalten. Am Freitag verlor er schon den Anschluss am Signal d'Uchon einem Anstieg der 2. Kategorie. Auf den beiden nun anstehenden Alpenetappen warten andere Kaliber auf das Feld.

Seinen Hauptrivalen im Kampf um das Gelbe Trikot ist Pogacar damit vorerst und vermutlich sogar dauerhaft los. Er durfte sich am Ende eines Tages, an dem er und sein Team zeitweilig mächtig unter Druck gerieten, sogar als Gewinner fühlen.

Pogacars Team zeigt Schwächen

Der Tag bot dennoch einen Vorgeschmack darauf, was Pogacar in den kommenden Tagen erwartet. Auch wenn die Konkurrenten auf der mittelschweren Etappe letztlich keinen Schaden anrichten konnten, dürfte ihnen nicht entgangen sein, dass Pogacars Mannschaft das Rennen nicht unter Kontrolle hatte.

Als sich die 27 Fahrer starke Ausreißergruppe rund um das Gelbe Trikot von Mathieu van der Poel auf den Weg machte, war das UAE-Team nicht im Bilde. "Da haben wir ein wenig geschlafen", gab der Schweizer Marc Hirschi, einer von Pogacars Helfern, unumwunden zu.

Um einen möglichen Schaden in Grenzen zu halten, musste Pogacar sein Team für sehr lange Zeit in die Nachführarbeit schicken und hatte dadurch im Finale nur noch den Polen Rafael Majka an seiner Seite. "Sie werden sicher weiter gegen uns arbeiten", vermutete Hirschi im Ziel in Le Creusot wohl nicht ganz unbegründet. Der Zeitverlust von Roglic mache die Sache aber "ein bisschen entspannter".

Jumbo-Visma braucht einen neuen Plan

Pogacars Rückstand auf das Gelbe Trikot ist am Freitag von acht Sekunden auf 3'43 Minuten gewachsen. In der Gesamtwertung rutschte er von Rang zwei auf Rang fünf zurück. Aber vor ihm ist weiterhin kein Fahrer platziert, der als ernsthafter Kandidat auf den Gesamtsieg gelten kann.

Mathieu van der Poel dürfte das Maillot jeaune schon am Wochenende verlieren. Für das Hochgebirge ist er mit 1,84 Metern und 75 Kilogramm nicht gebaut. "Es ist offensichtlich, dass ich das Gelbe Trikot morgen nicht mehr haben werde", erklärte der Niederländer vorsorglich in Le Creusot

Auch Wout Van Aert ist eher kein Kletterspezialist, obwohl seine Helferdienste für Roglic in den Bergen bei der Tour im vergangenen Jahr durchaus beeindruckend waren. Dass Van Aert nun für den Slowenen in die Rolle des Klassementfahrers rücken wird, ist aber unwahrscheinlich.

Mit dem Dänen Jonas Vingegaard, der derzeit mit 1'35 Rückstand auf Pogacar gelistet ist, hat Jumbo-Visma zwar auch noch einen guten Kletterer und Zeitfahrer in der Hinterhand, doch ob der 24-Jährige bei seinem Tourdebüt schon dem Druck gewachsen wäre, die Kapitänsrolle zu übernehmen, ist ebenfalls fraglich. "Wir werden heute Abend mit allen Jungs sprechen und dann einen neuen Plan entwerfen", sagte der Sportliche Leiter der Equipe, Frans Maassen, in Le Creusot.

Ineos setzt auf Carapaz

Der Plan des Teams Ineos wurde dagegen auf der 7. Etappe schon offenbar. Von der vor einer Woche angereisten nominellen Dreierspitze plus Joker mit Geraint Thomas, Richard Carapaz, Tao Geoghean Hart und Richie Porte ist mit Carapaz bereits nach einer Woche nur noch ein Kapitän übriggeblieben.

Der Versuch des Ecuadorianers, mit einer Attacke im Finale Zeit auf Pogacar gut zu machen, lief jedoch ins Leere, weil das spanische Team Movistar die Lücke im Finale zufuhr. Movistar hat mit Enric Mas auch noch einen im Klassement gut platzierten Kandidaten im Rennen. Der Kampf um die Plätze scheint also schon entbrannt. Auch das dürfte Pogacar an diesem Tag nicht entgangen sein.

7. Etappe - die komplette Übertragung Sportschau 02.07.2021 05:42:31 Std. Verfügbar bis 01.07.2022 Das Erste

Stand: 02.07.2021, 20:41

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