Tour de France: Konrad feiert den Befreiungsschlag

Der Österreicher Patrick Konrad bei der Siegerehrung nach der 16. Etappe der Tour de France

Österreicher gewinnt 16. Etappe

Tour de France: Konrad feiert den Befreiungsschlag

Von Michael Ostermann (Saint-Gaudens)

Der Österreicher Patrick Konrad fährt in Saint-Gaudens den zweiten Etappensieg für das deutsche Team Bora-hansgrohe ein. Wie schon für Nils Politt ist der Erfolg auch für Konrad ein persönlicher Befreiungsschlag.

Die Sieger einer Tour-de-France-Etappe werden hinter dem Podium in einen gelben Container geführt. Auf dem sind die Abbildungen von Tadej Pogacar, des Gesamtsiegers aus dem Vorjahr, und anderen Protagonisten der Tour 2020 zu sehen.

Patrick Konrad hatte dort nach der 16. Etappe in Saint-Gaudens genügend Zeit, sich frisch zu machen für seinen Auftritt auf dem Podium. Bis alle Trikoträger im Ziel waren und die Hymne der Tour de France für die Siegerehrung erklang, vergingen mehr als 20 Minuten.

Erfolgreich im dritten Versuch

Im Gegensatz zu Pogacar, der vermutlich auch diesmal wieder als Erster der Gesamtwertung in Paris ankommen wird, und Mark Cavendish, der das Grüne Trikot des besten Sprinters trägt, wird Konrad aber im kommenden Jahr wohl kaum sein Konterfei auf diesem Container im Ziel verewigt sehen. Dabei hätte der Österreicher das durchaus verdient.

Es ist ja nicht das erste Mal gewesen, dass Konrad es versucht hat bei dieser Tour. Bereits zum dritten Mal war der 29-Jährige aus Mödling bei dieser Tour in einer aussichtsreichen Fluchtgruppe gelandet. Zuletzt auf der 14. Etappe am vergangenen Samstag, bei der er dann den Sprint um Platz zwei gewann. Zuvor war er schon einmal auf Rang sieben gelandet.

Beide Male war der Etappensieg an einen Solisten gegangen, während Konrad auf das Finale wartete. Auf der 6. Etappe in Le Creusot an den Slowenen Matej Mohoric und am Samstag in Quillan an den Niederländer Bauke Mollema.

Bisher "nur" zwei Mal Österreichs Meister

"Ich habe mir gesagt, wenn ich nochmal in so einer Situation bin, werde ich derjenige sein", sagte Konrad in Saint-Gaudens. Und das tat er dann auch am Anstieg zum Col d'Aspet, als er seine beiden Begleiter an der Spitze zurückließ und anschließend auch die weiteren Verfolger bis ins Ziel auf Distanz halten konnte.

16. Etappe - die letzten drei Kilometer Sportschau 13.07.2021 05:18 Min. Verfügbar bis 13.07.2022 Das Erste

Konrads Etappensieg ist bereits der zweite Tageserfolg für das deutsche World-Tour-Team Bora-hansgrohe. Und wie sein deutscher Teamkollege Nils Politt, der die 12. Etappe in Nimes gewann, ist auch Konrads Erfolg der Sieg eines Mannes, der von seiner Veranlagung längst deutlich mehr vorzuweisen haben müsste als zwei österreichische Meistertitel.

"Patrick tut mir fast schon leid. Er ist ein großartiger Rennfahrer, die großen Erfolge fehlen ihm aber. Ich hätte es ihm so sehr gegönnt", hatte der Chef der Equipe, Ralph Denk, nach Konrads zweitem Platz in Quillan noch gehadert. Nun aber ist auch dem Österreicher endlich der Durchbruch gelungen.

Helfer mit Potenzial

"Dieser Sieg ist für meine Familie, alle die an mich geglaubt haben, die mir mir das Gefühl gegeben haben, dass ich das erreichen kann", sagte Konrad in Saint-Gaudens. "Dieser Sieg kommt im richtigen Moment, das ist ein richtiger Befreiungsschlag."

Etappensieger Konrad: "Ich war es dem Team schuldig" Sportschau 13.07.2021 03:01 Min. Verfügbar bis 13.07.2022 Das Erste

Welches Potenzial in dem bergfesten Radprofi steckt, der seit 2015 für Denks Rennstall fährt, wurde schon häufig deutlich. Zwei Mal beendete er den Giro d'Italia unter den Top Ten, 2018 als Siebter, im vergangenen Jahr als Achter. Bei der Tour de Suisse schaffte Konrad es 2019 sogar aufs Podium.

Aber vor allem stellte er sich in den vergangenen Jahren immer wieder in den Dienst der Mannschaft. Als Emanuel Buchmann bei der Tour de France 2019 auf Rang vier der Gesamtwertung fuhr, war Konrad sein wichtigster Helfer im Hochgebirge.

"Für ihn freut es mich richtig", sagte Buchmann. "Er ist in den letzten Jahren schon immer sehr stark gefahren. Dass es jetzt mit einer Touretappe geklappt hat, ist richtig geil."

Patrick Konrad macht in Saint-Gaudens alle nass

Sportschau Tourfunk 13.07.2021 17:22 Min. Verfügbar bis 14.07.2031 ARD


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Nun wieder in Diensten von Wilco Kelderman

Mit dem zweiten Etappensieg ist die Tour für Bora-hansgrohe damit schon mehr als erfolgreich. Die Mannschaft wird sich bei den beiden nun noch anstehenden zwei schwierigen Pyrenäenetappen ganz in den Dienst ihres Kapitäns Wilco Kelderman stellen.

Der Niederländer liegt im Gesamtklassement weiter auf Rang sechs. Die angestrebte Platzierung unter den Top fünf ist in greifbarer Nähe. Patrick Konrad wird sich dafür in den kommenden Tagen wieder in die Rolle des Helfers begeben. Diesmal aber in dem Wissen, ein Touretappensieger zu sein.

Stand: 13.07.2021, 21:06

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