Tour de France: Mohoric siegt aus Trotz

Matej Mohoric

Slowene feiert zweiten Etappensieg

Tour de France: Mohoric siegt aus Trotz

Von Michael Ostermann (Libourne)

Der Slowene Matej Mohoric hat in Libourne die 19. Etappe der Tour de France gewonnen. Er versteht das auch als Trotzreaktion auf die Polizeirazzia im Hotel seines Teams zwei Tage vorher.

Matej Mohoric hatte genügend Zeit, sich etwas zu überlegen. Rund 25 Kilometer war er alleine unterwegs gewesen in Richtung Libourne, dem Zielort der 19. Etappe der Tour de France. Hinter ihm waren sich seine ehemaligen Gefährten aus der Ausreißerfgruppe nicht einig und spätestens neun Kilometer vor dem Ziel war klar, dass sie ihn nicht mehr einholen würden.

"Man fühlt sich wie ein Krimineller"

Und so arbeitete es im Kopf des Slowenen, während er seinem zweiten Etappensieg bei dieser Tour entgegenfuhr. "Ich habe die ganze Zeit daran gedacht, was vor zwei Tagen passiert ist", erzählte Mohoric später, nachdem er im Ziel den Zeigefinger auf die Lippen gelegt und diese dann mit Daumen und Zeigefinger mit einem imaginären Reißverschluss verschloss.

Jeder wusste natürlich, worauf der 26 Jahre alte Radprofi aus Kranj mit dieser Geste anspielte: Am Mittwochabend (14.07.2021) waren etwa 50 Polizisten im Auftrag der französischen Zentralstelle für die Bekämpfung von Umwelt- und Gesundheitsdelikten (OCLAESP) im Hotel seines Teams Bahrain Victorious erschienen und hatten unter anderem die Zimmer der Fahrer untersucht.

19. Etappe - die Zusammenfassung Sportschau 16.07.2021 04:22 Min. Verfügbar bis 16.07.2022 Das Erste

"Es ist nicht schön, wenn die privaten Sachen durchwühlt werden. Man fühlt sich wie ein Krimineller", klagte Mohoric, der schon am Donnerstagmorgen nach der Razzia deutlich gemacht hatte, dass man nichts zu verbergen habe. "Ich finde es immer noch ein bisschen seltsam, dass sie immer noch glauben, wir würden etwas Illegales tun. Wir sind entschlossener denn je, da rauszugehen und so gut abzuschneiden wie bisher, um die Kontrolle über das Rennen und die Teamwertung zu übernehmen."

Anarchische Zustände und ein schnelles Rennen

Der Sieg in Libourne war also auch eine Art Trotzreaktion. Und die angekündigte Entschlossenheit hatte Mohoric auch schon auf der letzten Bergetappe an den Tag gelegt, als er gemeinsam mit dem Franzosen Julian Alaphilippe erfolgreich zu einer Ausreißergruppe vorfuhr, am Tourmalet vom Feld jedoch wieder eingesammelt worden war.

Am Freitag (16.07.2021) aber waren die Ausreißer erfolgreich, obwohl alle mit einem Massensprint in Libourne und dem nächsten Etappensieg für Mark Cavendish gerechnet hatten. Doch es gab zu viele Teams und Fahrer, die an diesem Tag ihre letzte Chance sahen, bei dieser Tour noch etwas zu bewegen.

Mohoric siegt in Libourne und grüßt die Zweifler

Sportschau Tourfunk 16.07.2021 16:02 Min. Verfügbar bis 17.07.2031 ARD


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Und so war es wieder eine Etappe, in der fast schon anarchische Zustände herrschten, weil immer wieder attackiert wurde und niemand das Rennen unter Kontrolle bringen konnte. In den ersten beiden Rennstunden wurde extrem schnell gefahren. Etappensieger Mohoric legte die 207 Kilometer, von denen er 200 Kilometer als Ausreißer unterwegs war, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 47,9 km/h zurück.

Die Besonderheiten der Teamwertung

Das Team Bahrain Victorious wird in Paris vermutlich als die beste Mannschaft der Tour de France geehrt werden. Die Mannschaftswertung führt die Équipe mit 23'35 Minuten Vorsprung vor dem Team EF Education-Nippo an. Manch einen mag das vor dem Hintergrund der Razzia stutzig machen, aber die Teamwertung errechnet sich aus der Addition der Zeiten der drei besten Fahrer einer Mannschaft einer jeden Etappe.

Das Team UAE um den Gesamtführenden Tadej Pogacar belegt in dieser Wertung nur den zehnten Rang mit fast drei Stunden Rückstand, weil sich die Helfer des Mannes im Gelben Trikot nach ihrer Arbeit so kräfteschonend wie möglich ins Ziel bringen. Die Platzierung und die Zeit spielen keine Rolle.

UCI und ITA sind informiert

Dennoch radelt Bahrain Victorious diese Tour de France nun mit dem Makel des Verdachts zu Ende. Die International Testing Agency (ITA), die seit Beginn des Jahres die Anti-Doping-Maßnahmen im Radsport verantwortet, teilte inzwischen mit, dass sie mit den französischen Behörden in Kontakt stehe. "Die UCI (der Radsport-Weltverband, Anm. d. Red.) wurde entsprechend informiert und die ITA wird keinen weiteren Kommentar abgeben", erklärte die ITA gegenüber dem Webportal cyclingnews.com.

Die Staatsanwaltschaft in Marseille, die offiziell ein Ermittlungsverfahren gegen das Team eingeleitet hat, teilte mit, dass die Untersuchung nicht zwangsläufig bedeute, dass eine Straftat vorliege. "Für jeden, der verdächtigt oder verfolgt wird, gilt die Unschuldsvermutung, bis seine Schuld bewiesen ist", hieß es in einer Erklärung.

Auf diese Unschuldsvermutung pochte auch Matej Mohoric in Libourne. Es sei ja gut, dass kontrolliert werde, "aber diese Aktion der französischen Polizei ist doch ein bisschen zu dick aufgetragen gewesen", findet er. Der Radsport hat jedoch eine einschlägige Geschichte des Täuschens und Vertuschens. Da helfen auch Gesten im Ziel nichts.

19. Etappe - die komplette Übertragung Sportschau 16.07.2021 04:43:36 Std. Verfügbar bis 16.07.2022 Das Erste

Stand: 16.07.2021, 19:28

Tour de France | 21. Etappe

Nameh
1.Wout van Aert2:39:37
2.Jasper Philipsen+ 0
3.Mark Cavendish+ 0
4.Luka Mezgec+ 0
5.André Greipel+ 0
6.Danny van Poppel+ 0
7.Michael Matthews+ 0
8.Alex Aranburu Deba+ 0
9.Cyril Barthe+ 0
10.Maximilian Walscheid+ 0

Tour de France | Gesamt

Nameh
1.Tadej Pogacar82:56:36
2.Jonas Vingegaard Rasmussen+ 5:20
3.Richard Carapaz Montenegro+ 7:03
4.Ben O'Connor+ 10:02
5.Wilco Kelderman+ 10:13
6.Enric Mas Nicolau+ 11:43
7.Alexei Luzenko+ 12:23
8.Guillaume Martin+ 15:33
9.Pello Bilbao+ 16:04
10.Rigoberto Uran Uran+ 18:34
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