Tour de France, 5. Etappe Clarke triumphiert auf dem Kopfsteinpflaster, Pogacar stark

Stand: 06.07.2022 19:33 Uhr

Simon Clarke hat sich den Sieg auf der 5. Etappe der Tour de France gesichert. Der große Profiteur auf den 154 Kilometern von Lille nach Arenberg war Tadej Pogacar.

Nach der wilden Hatz über das staubige Kopfsteinpflaster Nordfrankreichs musste selbst Tadej Pogacar durchschnaufen. Sichtlich erleichtert fuhr der Titelverteidiger der Tour de France am berüchtigten Wald von Arenberg in seinem völlig verdreckten Trikot über die Ziellinie. Der 23-Jährige brillierte am Mittwoch (06.07.2022) auf den holprigen Pavés und fuhr wertvolle Zeit auf seine Konkurrenz heraus. Chef-Herausforderer Primoz Roglic kassierte einen großen Rückstand und verletzte sich bei einem Sturz an der Schulter.

Tagessieg für Australier Clarke

"Das war ein richtig guter Tag, ich fühlte mich sehr stark. Das gibt mir einen großen Motivationsschub. Die Kopfsteinpflastersektoren waren richtig hart. Das mag einfach ausgesehen haben, aber das war es überhaupt nicht", sagte Pogacar. Den Etappensieg sicherte sich der Australier Simon Clarke im Sprint einer fünfköpfigen Ausreißergruppe. Das Gelbe Trikot des Spitzenreiters verteidigte der Belgier Wout van Aert erfolgreich.

13 Sekunden Zeitgewinn auf Vingegaard und Wlassow, über zwei Minuten auf Roglic

Auf den Vorjahreszweiten Jonas Vingegaard und Alexander Wlassow, Kapitän des deutschen Teams Bora-hansgrohe, gewann Pogacar durch eine Attacke auf dem viertletzten von elf Kopfsteinpflasterstücken 13 Sekunden. Auf Roglic sogar über zwei Minuten. Der Slowene kugelte sich bei einem Sturz die Schulter aus, die von Betreuern wieder eingerenkt wurde. Der 32-Jährige will die Tour nach eigenen Angaben fortsetzen.

Die Kapitänsfrage dürfte im Team Jumbo-Visma allerdings geklärt sein. Vingegaard liegt 21 Sekunden hinter Pogacar, während es für Roglic schon weit über zwei Minuten sind. "Das war extrem schnell und extrem hektisch. Es war ein Ausscheidungsfahren. Die Mannschaft ist stark gefahren", sagte Wlassows Helfer Maximilian Schachmann. Wlassow liegt als Zwölfter 37 Sekunden hinter dem Gesamtvierten Pogacar.

5. Etappe - die komplette Übertragung

Sportschau, 06.07.2022 14:05 Uhr

Pogacar zeitweilig im Gelben Trikot

Roglic und Vingegaard waren durch Defekt und Sturz bereits zurückgeworfen worden, als Pogacar im viertletzten Kopfsteinpflastersektor attackierte und auch Wlassow distanzierte. Mit dem Klassiker-Spezialisten Jasper Stuyven jagte Pogacar eine fünfköpfige Spitzengruppe und fuhr kurze Zeit sogar im virtuellen Gelben Trikot. Im Finale schienen aber auch dem Dominator die Kräfte auszugehen, und er konzentrierte sich darauf, Zeit auf seine Klassement-Konkurrenten herauszufahren.

Dass sich der Schaden für Vingegaard und Wlassow in Grenzen hielt, war vor allem der Arbeit von van Aert zu verdanken. Der Belgier riskierte sein Gelbes Trikot und opferte sich für Vingegaard auf. "Ich war selbst überrascht, dass ich noch Gelb habe", sagte van Aert. "Am Ende war der Schaden nicht so groß. Wir sind mit Jonas in der Gesamtwertung noch gut dabei."

19,4 Kilometer härtestes Durchrütteln

Elf Kopfsteinpflastersektoren mit einer Gesamtlänge von 19,4 Kilometern mussten bewältigt werden. Im Vergleich zur von John Degenkolb 2018 gewonnenen Etappe über die Pavés Nordfrankreichs wählten die Organisatoren in diesem Jahr längere Sektoren, um das Rennen schwieriger zu gestalten.

5. Etappe - die Zusammenfassung

Sportschau, 06.07.2022 14:05 Uhr

Die Teams passten das Setup der Räder den Herausforderungen des Tages entsprechend an. So fuhr Wlassow das Rad, das das Team auch beim Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix einsetzt. Am Lenker ist eine Federung verbaut, die sich an- und abschalten lässt. Zudem waren 32 Millimeter breite Reifen ohne Schlauch montiert, auf normalen Etappen werden maximal 28 Millimeter gefahren. Ein dickeres Kettenblatt sollte dafür sorgen, dass die Kette nicht herunterfällt.

Stundenmittel: 51 km/h

Das Feld fuhr vom Start weg mit ordentlich Druck auf dem Pedal. Allein in der ersten Rennstunde betrug der Schnitt 51 km/h. Die Nervosität war groß, sogar bei van Aert sorgte es für eine Unachtsamkeit. Nach einer Kollision mit Teamkollege Steven Kruiswijk stürzte der Belgier etwa 95 Kilometer vor dem Ziel. Auf der Hatz zurück ins Feld kollidierte er zudem leicht mit einem Teamfahrzeug.

Die Vorfälle schienen Spuren hinterlassen zu haben, denn auf den Kopfsteinpflasterpassagen hielt sich van Aert ungewöhnlich weit hinten auf. Es lief nicht sonderlich rund für das Team Jumbo-Visma. Etwa 35 Kilometer vor dem Ziel hatte der Vorjahreszweite Vingegaard einen Defekt, musste lange auf ein passendes Ersatzrad warten. Van Aert ließ sich zurückfallen, um dem Dänen zu helfen. Kurz darauf fiel auch Roglic durch einen Sturz zurück.