Tour de France: Keine Grenzen für den Alleskönner Wout Van Aert

Wout Van Aert aus Belgien vom Team Jumbo-Visma in Aktion während der zweiten Passage am Berg Mont Ventoux

Etappensieg auf der Ventoux-Etappe

Tour de France: Keine Grenzen für den Alleskönner Wout Van Aert

Von Michael Ostermann (Malaucène)

Wout Van Aert gewinnt im Alleingang die 11. Etappe der Tour de France, die zwei Mal über den Mont Ventoux führt. Der Belgier verblüfft das Publikum als Alleskönner.

Der Tagessieger stand im Zielraum und animierte das jubelnde Publikum zu noch mehr Jubel. Immer wieder warf Wout Van Aert die Arme in die Luft, wie ein Fußballer vor der Fankurve. "Es war sehr emotional", sagte der Belgier später, "vielleicht mein wichtigster Sieg überhaupt."

So etwas gehört zu den üblichen Floskeln, die Etappensieger bei der Tour de France von sich geben. Aber dass Van Aert nun ausgerechnet diesen Sieg als etwas Besonderes adelte, überraschte dann doch ein wenig.

Sprints, Klassiker, Zeitfahren und jetzt auch Bergetappen

Van Aert ist erst 26 Jahre alt, und seine Siegbilanz dürfte manchen altgedienten Radprofi neidisch machen. Der Erfolg auf der 11. Etappe nach Malaucène war bereits sein vierter Tageserfolg bei der Tour de France, seit er 2019 erstmals dort teilnahm.

In der Liste seiner Siege ist zudem ein Erfolg beim Frühjahrsklassiker Mailand-Sanremo verzeichnet sowie beim Amstel Gold Race, Gent-Wevelgem und der Strade Bianche - alles bedeutende Eintagesrennen. Nicht zu vergessen die drei Weltmeister-Titel im Cyclocross.

Van Aert gehört zu der neuen Fahrerkategorie "Alleskönner", die das Publikum seit einigen Jahren mit ihrer Vielseitigkeit verblüfft und für die es keine Grenzen zu geben scheint. Der Belgier gewinnt Sprints, klassische Eintagesrennen für Puncheure und hat auch schon Einzelzeitfahren als Sieger beendet. Auch Bergetappen sind offenbar kein Problem.

11. Etappe - die Zusammenfassung Sportschau 07.07.2021 05:08 Min. Verfügbar bis 31.12.2021 Das Erste

Blinddarm-OP im Mai

"Im Alleingang eine Bergetappe bei der Tour de France zu gewinnen, das hätte ich vor ein paar Jahren nicht erwartet", sagte Van Aert. Sogar vor ein paar Wochen noch hatte er vermutlich nicht damit gerechnet. Eine Blinddarm-Operation im Mai hatte ihn geschwächt, das Höhentrainingslager hatte nicht angeschlagen - so zumindest berichtete es Van Aert in Malaucène.

"Es war wirklich schwierig, auf einem vernünftigen Niveau zur Tour zu kommen", sagte Van Aert. Ganz so schlecht scheint das Niveau jetzt aber doch nicht zu sein. Und diese 11. Etappe war auch nicht irgendeine Bergetappe. Erstmals schickte die Tourdirektion das Peloton zwei Mal über den Mont Ventoux, jenen gefürchteten "Riesen der Provence".

Einen "ikonischen Berg" nannte Van Aert den Ventoux in seiner Pressekonferenz. Und natürlich hatten sich viele Fahrer vorgenommen, an diesem Tag zu glänzen, Teil der Legende des kahlen Berges zu werden. Allen voran Weltmeister Julian Alaphilippe aus Frankreich, der seinen Landsleuten so gerne diesen besonderen Sieg geliefert hätte.

Im vergangenen Jahr an der Seite von Roglic

Doch beim zweiten Aufstieg hinauf zum Gipfel über die schwierigere Südseite ließ Van Aert seine Begleiter in der Ausreißergruppe einen nach dem anderen hinter sich und beendete die Etappe schließlich als Solist.

Schon im vergangenen Jahr hatte er bei den Bergetappen für Aufsehen gesorgt, als er in den Anstiegen immer sehr lange an der Seite seines Kapitäns Primoz Roglic zu sehen war. Roglic - als großer Mitfavorit auf den Gesamtsieg angereist - hat das Rennen wegen der Folgen eines Sturzes in diesem Jahr vorzeitig beendet.

Überhaupt ist das Team Jumbo-Visma bei dieser Tour bislang arg gebeutelt worden. Neben Roglic ist auch Robert Gesink schon abgereist - auch er war Opfer eines Sturzes. Am Mittwoch erwischte es dann auch Tony Martin, der in der Anfangsphase mal wieder zu Boden ging und diesmal nicht wieder aufs Rad stieg.

Helfer und Etappensieger

Van Aert wurde derweil nach seinen weiteren Zielen bei dieser Tour gefragt. Er werde jetzt seinem Teamkollegen Jonas Vingegaard helfen, erklärte er. Der Däne liegt im Gesamtklassement jetzt auf Rang drei und sorgte für Begeisterung, weil er kurz vor der zweiten Überquerung des Mont Ventoux mit einer Attacke sogar den Mann im Gelben Trikot in Schwierigkeiten brachte.

Nach einer Weile fiel Van Aert dann aber ein, dass er ja auch noch gerne eine weitere Etappe gewinnen würde. Zum Beispiel im erwarteten Sprint am Donnerstag in Nimes oder am Freitag in Carcassonne. "Hoffentlich geht beides", sagte er. Ja, warum nicht? Er ist doch einer dieser Alleskönner.

Stand: 07.07.2021, 21:12

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