Kampf ums Grüne Trikot: Vorteil Cavendish

Mark Cavendish

Tour de France

Kampf ums Grüne Trikot: Vorteil Cavendish

Von Michael Ostermann (Valence)

Mark Cavendish trägt derzeit das Grüne Trikot des punktbesten Sprinters der Tour de France. Doch kann der Brite das Maillot Vert bis Paris behalten? Das hängt von vielen Faktoren ab.

Mark Cavendish feierte seine Ankunft in Tignes am Sonntag (04.07.21) wie einen Sieg, dabei war er dort oben in 2.107 Metern Höhe mit einem Rückstand von 35,49 Minuten auf den Tagessieger Ben O'Connor angekommen. Damit war der britische Sprinter gerade so in der Karenzzeit geblieben. Hätte er 1'31 Minuten länger gebraucht - Cavendish hätte die Tour de France nach der 9. Etappe verlassen müssen.

Traum von Grün bleibt intakt

So aber durfte sich der Sprinter von der Isle of Man in dem französischen Skiresort erneut das Grüne Trikot des punktbesten Fahrers überstreifen lassen und bedankte sich anschließend sichtlich gerührt bei seinen Teamkollegen Michael Morkov, Tim Declercq und Dries Deveneyns, die ihn am Schlussanstieg unterstützt und gerade noch rechtzeitig ins Ziel geleitet hatten.

Der Traum, das Maillot Vert auch in Paris auf den Champs Élysées zu tragen, bleibt damit intakt. 168 Punkte hat Cavendish bislang eingefahren. 100 davon bekam er für seine beiden Sprintsiege in Fougères und Chateauroux. Die restlichen 68 Punkte sammelte er während der Zwischensprints ein.

Die erste Woche der Tour de France - die Zusammenfassung Sportschau 05.07.2021 03:16 Min. Verfügbar bis 05.07.2022 Das Erste

Matthews und Colbrelli als schärfste Konkurrenten

Seine schärfsten Konkurrenten im Kampf um Grün sind der Australier Michael Matthews vom Team BikeExchange (130 Punkte) und der Italiener Sonny Colbrelli von der Equipe Bahrain-Victorious (121). Colbrelli verblüffte die Beobachter, als er bei der von Regen und Kälte geprägten 9. Etappe nicht nur bis zum Zwischensprint in der Spitzengruppe fuhr, um sich dort 20 Zähler mitzunehmen, sondern sich als Drittplatzierter in Tignes weitere 15 Punkte gut schreiben durfte.

Der Kampf um das Grüne Trikot der Tour de France ist schon seit Jahren kein Wettbewerb mehr, bei dem die reinen Sprinter wie Cavendish die besten Karten haben. Jahrelang hatte der Slowake Peter Sagan eine Art Abonnement auf Grün, weil er nicht nur in den Flachetappen Punkte in den Sprints holte, sondern auch mittelschwere Etappen gewann, wo die reinen Sprinter meist leer ausgingen.

Sagan spielt keine Rolle mehr

Sieben Mal nahm Sagan zwischen 2012 und 2019 das Maillot Vert mit nach Hause. Lediglich 2017, als er nach einem Zusammenstoß mit Cavendish disqualifiziert wurde, musste er es dem Australier Michael Matthews überlassen.

Im vergangenen Jahr fand Sagan dann seinen Meister im Iren Sam Bennett, den er auch auf den mittelschweren Etappen nicht los wurde, der aber in diesem Jahr wegen einer Verletzung gar nicht erst nach Frankreich anreiste.

Sagan, mittlerweile 31, hat seinen Leistungszenit überschritten und ist zudem geschwächt durch einen Sturz in der ersten Tourwoche. Im Kampf um das Grüne Trikot spielt er diesmal wohl keine Rolle mehr. Auf Cavendish hat er nach der ersten Woche schon 96 Punkte Rückstand.

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Ausgeschiedene Sprinter kein Vorteil

Der Brite wird vor allem über die Flachetappen versuchen müssen, seinen Punktestand auszubauen. Dort scheint er, nimmt man seine beiden Etappensiege zum Maßstab, den Konkurrenten derzeit überlegen.

Zumal nicht alle Sprinter es am Sonntag in Tignes schafften, in der Karenzzeit zu bleiben. Die französischen Sprinter Arnaud Demare und Brian Coquard kamen zu spät ins Ziel. Der Belgier Tim Merlier, Sieger der 3. Etappe in Pontivy, gab das Rennen schon vorher auf.

Das macht die Sache allerdings nicht zwingend einfacher für Cavendish. Da nun weniger Teams ein Interesse daran haben, ein Sprintfinale herbeizuführen, muss seine Mannschaft die Hauptlast tragen, um Ausreißer rechtzeitig zu stellen.

Die anderen Mannschaften, in denen sich Sprinter befinden, wie etwa Israel Start Up Nation um André Greipel oder Qhubeka-Nexthash um Max Walscheid, sind nicht alleine auf die Sprints ausgerichtet und können auch die Option "Fluchtgruppe besetzen" wählen, um den angestrebten Etappensieg zu erreichen.

Drei Chancen in der zweiten Tourwoche

Die 10. Etappe nach Valence am Dienstag (06.07.21) bietet auf dem Papier die nächste Chance für einen Massensprint. Auch die 12. Etappe nach Nimes und die 13. Etappe nach Carcassonne gelten als weitere Gelegenheit für die Sprinter. Allerdings sind die Profile dieser Teilstücke nicht so brettflach wie etwa das der 6. Etappe nach Chateauroux und damit durchaus geeignet dafür, dass eine Ausreißergruppe durchkommen kann.

Danach geht es in die Pyrenäen. Und das ist womöglich die größte Gefahr für Cavendish im Kampf um Grün. Denn dann wird er wieder gegen die Karenzzeit ankämpfen müssen. Vor allem, wenn es dort ähnlich zugehen sollte wie bei den beiden Etappen in den Alpen, die vom jeweiligen Tagessieger mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 38,5 bzw. 32,5 km/h absolviert wurden. Was das Zeitlimit, das abhängig ist von der Fahrtzeit des Etappensiegers, entsprechend gering macht.

"Das Schlimmste ist, dass noch viele solcher Tage vor uns liegen", sagte Cavendish, der bei der Tour de France 2018 schon einmal am Zeitlimit scheiterte. "So sehr ich die Tour de France vermisst habe, die Bergetappen habe nicht vermisst." Das dürfte er mit den meisten Sprintern gemeinsam haben.

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Stand: 06.07.2021, 09:15

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