Mark Cavendish: Erschöpfter Rekordmann bei der Tour de France

Mark Cavendish bei seinem Etappensieg bei der 13. Etappe der Tour de France

Auf einer Stufe mit Eddy Merckx

Mark Cavendish: Erschöpfter Rekordmann bei der Tour de France

Von Michael Ostermann (Carcassonne)

Mit letzter Kraft erkämpft sich Mark Cavendish einen weiteren Etappensieg bei der Tour de France. Er steht jetzt auf einer Stufe mit Eddy Merckx, beide haben 34 Tour-Etappensiege errungen. Aber Cavendish will noch nicht zurückblicken.

Man musste sich Sorgen machen um Mark Cavendish. Nach jedem Satz entfuhr ihm ein Stöhnen, das nicht gut klang. Der Rekord? "Es war ermüdend. Ich musste richtig tief gehen in der Hitze, leicht bergauf. Ich bin tot. Oaah", stöhnte Cavendish, als habe er in Carcassonne gerade alle seine 34 Etappensiege bei der Tour de France errungen und nicht nur diesen einen bedeutenden am Ende der 13. Etappe.

Greipel: "Der schnellste Sprinter mit dem besten Team"

Über den Rekord wollte der Mann von der Isle of Man aber immer noch nicht wirklich sprechen. "Es ist ja noch nicht vorbei. Wir haben noch viel Arbeit vor uns, da gibt es noch nichts zu reflektieren", sagte Cavendish. "Mir bleibt nach dieser Tour noch ein ganzes Leben, um zu überlegen, was wir Historisches geschafft haben."

13. Etappe - die Zusammenfassung Sportschau 09.07.2021 05:57 Min. Verfügbar bis 09.07.2022 Das Erste

In den Geschichtsbüchern steht Cavendish aber nun auf einer Stufe mit dem großen Eddy Merckx. Dessen Marke von 34 Tagessiegen bei der Tour schien unerreichbar, bis Cavendish 2008 auf der Bildfläche erschien und Sieg um Sieg aneinanderreihte.

13. Etappe - die Stimmen Sportschau 09.07.2021 04:01 Min. Verfügbar bis 09.07.2022 Das Erste

30 Mal sprintete er als Erster über die Ziellinien der Tour. Dann schien es nach 2016 vorbei zu sein. Und nun, fünf Jahre später, ist Cavendish zurück - wie früher und unschlagbar in den Sprints. "Der schnellste Sprinter mit dem schnellsten Team", stellte der deutsche Sprinter André Greipel in Carcassonne nüchtern fest.

Cavendish egalisiert in Carcassonne den Merckx-Rekord

Sportschau Tourfunk 09.07.2021 14:59 Min. Verfügbar bis 10.07.2031 ARD


Download

Mit letzter Kraft über die Ziellinie

Greipels Analyse war präzise. Auch diesmal hatte sich Cavendish darauf verlassen können, dass seine Kollegen ihn an der richtigen Position absetzen würden. Zwar hatte es ein paar Kilometer vor dem Ziel noch so ausgesehen, als würde sich der blaue Zug diesmal nicht zusammenfinden, aber knapp 2.000 Meter vor der Linie hing Cavendish dann doch wieder sicher hinter seinen beiden Anfahrern Davide Ballerini und Michael Mörköv.

Mit letzter Kraft schaffte es der erschöpfte Cavendish an seinem Anfahrer vorbei und über die Ziellinie. Mörköv wurde Zweiter und nahm den geschlagenen Konkurrenten so auch noch Punkte im Kampf um das Grüne Trikot des punktbesten Sprinters weg. Auch das Grüne Trikot nimmt Cavendish nun mit in die Pyrenäen.

13. Etappe - die Siegerehrung Sportschau 09.07.2021 11:56 Min. Verfügbar bis 09.07.2022 Das Erste

Froome nennt Cavandish eine Inspiration

"Es war einfach ein weiterer Etappensieg bei der Tour de France, nicht anders als der erste", sagte Cavendish. Die Würdigung überließ er lieber anderen. "Wir haben Geschichte geschrieben", sagte Mörköv. "Unglaublich und eine große Inspiration auch für mich", erklärte der viermalige Toursieger Christopher Froome, der sich nach seinem schweren Sturz vor zwei Jahren selbst gerade zurückgekämpft hat und hofft, auf sein altes Niveau zu kommen.

Der Mann, der es Cavendish ermöglicht hatte, noch einmal bei der Tour de France zu Höchstform aufzulaufen, stolzierte nach dem Triumph in beigefarbenen Shorts und weißem Hemd durch den Zielbereich. Patrick Lefevere, der Chef des Deceuninck-Quick-Step-Teams, trug ein breites Grinsen im Gesicht.

13. Etappe - die letzten drei Kilometer Sportschau 09.07.2021 04:37 Min. Verfügbar bis 09.07.2022 Das Erste

Auch der Belgier darf sich nun als Teil dieser Geschichte fühlen, weil er den bereits abgeschriebenen Cavendish noch einmal mit einem Vertrag versorgte, als dieser schon fürchtete, seine Karriere würde sang- und klanglos zu Ende gehen.

"Ich bin auch ein Arschloch gewesen"

Vielleicht tritt Cavendish auch deshalb geradezu bescheiden auf. Ganz anders als zu Beginn seiner Karriere, als er im Alter von 23 Jahren seine erste Touretappe gewann, gerne mal den Rüpel gab und sich mit den Medienschaffenden anlegte.

"Ich werde nicht lügen, manchmal denke ich, dass ich persönlich angegriffen wurde, aber auf der gleichen Ebene denke ich, dass ich auch ein Arschloch gewesen bin", sagte Cavendish in Carcassonne. "Aber das ist es, was passiert, wenn man jung ist und ich denke, dass ich viele Jahre lang unter den Konsequenzen gelitten habe, weil ich frech und jung war, ohne den Umgang mit den Medien gelernt zu haben."

Nun aber begegnen sich beide Seiten mit Respekt. Er sei jetzt erwachsen, Familienvater und trage Verantwortung, erklärte Cavendish. "Ich bin 36, kein 20-Jähriger mehr, der gegen die ganze Welt kämpfen wollte." Das klang fast schon weise, aber vielleicht war es auch nur die Erschöpfung, die ihn milde stimmte.

Zwei Chancen bleiben den Sprintern bei dieser Tour noch. Man darf sicher sein, dass sich Cavendish noch nicht zufrieden gibt mit Etappensieg Nummer 34. Und in Grün nach Paris will er auch noch.

13. Etappe - die komplette Übertragung Sportschau 09.07.2021 05:16:37 Std. Verfügbar bis 09.07.2022 Das Erste

Stand: 09.07.2021, 20:56

Darstellung: