André Greipel - der alte Mann und die Sprints

André Greipel

Sprinter bei der Tour de France

André Greipel - der alte Mann und die Sprints

Von Michael Ostermann (Mur de Bretagne)

Auf der 3. Etappe der Tour de France bekommen die Sprinter voraussichtlich ihre erste Chance auf einen Etappensieg. Auch André Greipel will noch einmal mitmischen.

Irgendwann wird sich das Gefühl einstellen, da ist sich André Greipel sicher. Auch wenn er noch nicht weiß, wann das sein wird. Aber wenn es soweit ist, dann wird er sich sagen: "Okay, bis hierhin und jetzt reicht's." Dann wird er Schluss machen mit dem Radsport, mit seiner langen Karriere als Radprofi.

Noch einmal Geburtstag bei der Tour?

Greipel wird in den kommenden Tagen 39 Jahre alt. Und wenn alles gut geht, wird er seinen Geburtstag am 16. Juli wie so oft in den vergangenen Jahren auf dem Rad bei der Tour de France verbringen - vermutlich zum letzten Mal. Und tatsächlich hat er es dann diesmal auch fast schon bis nach Paris geschafft.

Der 16. Juli ist der drittletzte Tag der diesjährigen Tour. Und Greipel empfindet die Tatsache, dass er überhaupt noch einmal die Chance auf einen Start beim wichtigsten Radrennen der Welt bekommen hat, als Bonus. "Letztes Jahr nach der Tour hatte ich damit eigentlich schon abgeschlossen", sagt er.

"Alter ist nur 'ne Nummer!" - Greipel und die schnellen Männer

Sportschau 28.06.2021 02:06 Min. Verfügbar bis 28.06.2022 ARD


Mit Mühe durch die Pandemie

Im vergangenen Jahr musste Greipel nach der 18. Etappe geschwächt von den Folgen eines Sturzes und eines Magen-Darm-Infekts die Tour verlassen. Er hat danach ein wenig gehadert, auch weil die Corona-Pandemie an den Nerven zehrte. Damals spielte Greipel auch die Option Karriereende durch.

"Es war ein sehr herausforderndes Jahr, egal in welchem Business man unterwegs war. Auch für Leistungssportler war es nicht einfach", sagt Greipel. "Aber ich wollte 2020 nicht einfach so stehen lassen und es 2021 besser machen. Und so bin ich auch in die Saisonvorbereitung gegangen."

Nicht allein für die Sprints bei der Tour

Dass er nun sogar noch einmal die Chance bekommt, sich in die Sprints bei der Tour de France zu stürzen, hat viel mit dem viermaligen Toursieger Christopher Froome zu tun. Der Brite, der seit Beginn der Saison wie Greipel für das Team Israel Start Up Nation fährt, hätte eigentlich in den Kampf um das Gelbe Trikot eingreifen sollen. Doch auch zwei Jahre nach seinem schweren Unfall bei der Dauphiné-Rundfahrt ist Froome nicht in der Verfassung, um in der Gesamtwertung eine Rolle zu spielen.

Deshalb hat die Mannschaft ihre Strategie für die Tour de France geändert: Nominell ist nun der Kanadier Michael Woods der Kapitän der Mannschaft, der aber schon gleich am ersten Tag wegen der beiden Massenstürze viel Zeit verlor.

So paradox das klingen mag, aber der Zeitverlust von Woods bedeutet für Greipel einen Vorteil. Denn eigentlich war er dazu auserkoren, den Kanadier bei den Flachetappen aus dem Wind zu halten. Das wiederum hätte ihn Kraft gekostet. Kraft, die später in den Sprintfinalen gefehlt hätte.

Elf Etappensiege bei der Tour de France

"Vielleicht kann ich jetzt ein bisschen mehr Körner sparen", sagte Greipel nach der 2. Etappe am Sonntag (27.06.2021), "aber darüber haben wir noch nicht gesprochen". Bis Montagmittag, wenn die 3. Etappe über 182,9 Kilometer von Lorient nach Pontivy startet, wird diese Frage geklärt sein. Das Teilstück gilt als erste Chance für die Sprinter bei der Tour in diesem Jahr.

Und natürlich bleibt Greipel der Sprinter, egal welche Teamaufgaben er sonst noch hat. Er kann ja nicht heraus aus seiner Haut. Elf Etappensiege hat er bei der Tour de France seit 2011 bereits gefeiert. Seinen bislang letzten Tageserfolg in Frankreich feierte er 2016. In der vergangenen Saison gelang ihm gar kein Sprintsieg, in diesem Jahr gelangen ihm bislang immerhin zwei Erfolge.

Mehr Watt gegen die aerodynamischen Sprinter

Natürlich würde Greipel das Dutzend Tour-Etappensiege gerne vollmachen. Gemessen an den Leistungsdaten, sagt Greipel, habe er sich nicht verschlechert, im Gegenteil. "Da mache ich jetzt sogar zehn Watt mehr als vor zehn Jahren", sagt er.

Aber die Sprints und die Sprinter haben sich verändert in den vergangenen Jahren. Die Finale, der Kampf um die Positionen, beginnen inzwischen deutlich früher. Und auch die Konkurrenten sind andere Typen - wie etwa der Australier Caleb Ewan, der als Favorit für die flachen Finale gilt.

"Die neuen, jungen Sprinter sind aerodynamischer und leichter als ich. Dementsprechend sparen sie mehr Körner den Berg hoch", hat Greipel beobachtet. "Und deswegen muss ich halt auch mehr Watt drücken als die anderen."

Van der Poel siegt für den Großvater

Tourfunk 27.06.2021 15:21 Min. Verfügbar bis 28.06.2031 ARD


Download

Alter "nur eine Nummer"

Seine zwölfte Teilnahme an der Tour de France empfindet Greipel als eine Herausforderung. Aber er sieht sich durchaus noch als konkurrenzfähig an. "Wenn alles richtig läuft, denke ich, dass ich auf jeden Fall um Etappensiege mitfahren kann", sagt er. Sein Alter spiele dabei keine Rolle. "Das ist für mich nur eine Nummer."

Sein Vertrag beim Team Israel Start Up Nation läuft noch bis Ende 2022. Greipel sagt, er werde zur Not auch vorher aufhören, mit dem Team sei das auch so besprochen. "Ich habe mir vorgenommen, mit 40 Jahren keine Startnummer ans Trikot zu heften." Es sei denn, er verbringt seinen 40. Geburtstag im kommenden Jahr doch noch einmal auf dem Rad in Frankreich.

2. Etappe - die Zusammenfassung Sportschau 27.06.2021 05:00 Min. Verfügbar bis 27.06.2022 Das Erste

Stand: 28.06.2021, 08:22

Darstellung: