Pascal Ackermann lässt Frust über Tour-Aus ab

Kann seine Nichtberücksichtigung für die Tour de France nicht nachvollziehen: Pascal Ackermann.

Tour de France

Pascal Ackermann lässt Frust über Tour-Aus ab

Von Michael Ostermann

Das deutsche Team Bora-hansgrohe fährt ohne Pascal Ackermann zur Tour de France. Der deutsche Sprinter wirft Teammanager Ralph Denk Wortbruch vor. Das Team verweist auf die mangelnde Form des Radprofis.

Die Tage vor der Anreise nach Brest zum Start der Tour de France verbringen sie beim Team Bora-hansgrohe mit den üblichen Vorbereitungen auf das wichtigste Radrennen der Welt. Der Sportliche Leiter Enrico Poitschke stimmt sich noch einmal mit Physiotherapeuten, Mechanikern, Trainern, Fahrern und seinem Teamchef ab - Detailarbeiten vor dem Grand Départ in der Bretagne, wo die Tour am 26. Juni beginnt.

Ackermann im Moment "nicht konkurrenzfähig"

Reine Routine sollte man meinen, wäre da nicht auch noch nebenbei ein Konflikt mit Pascal Ackermann zu moderieren. Der 27 Jahre alte Sprinter steht nicht im Tour-Aufgebot der deutschen World-Tour-Equipe, was ihn mächtig frustriert. "Ich bin mehr als enttäuscht", sagte er der "Rheinpfalz". Ackermann beruft sich bei seinem Ärger über die Ausbootung auch auf ein Versprechen von Teamchef Ralph Denk vor der Saison, dass ihm sein Debüt bei der Tour de France in Aussicht stellte. Er wirft Denk nun Wortbruch vor und lässt auch die Begründung des Teams nicht gelten, ihm fehle die nötige Form. "Leistungstechnisch" könne er die Entscheidung nicht nachvollziehen, ließ der Pfälzer wissen.

Beim Team bewertet man das Leistungsvermögen Ackermann offenbar anders. Und - Versprechen hin oder her - die Form sei natürlich am Ende ausschlaggebend. "Das Versprechen hat es gegeben", erklärt Ralph Denk gegenüber der Sportschau. "Aber es war immer daran gebunden, dass er konkurrenzfähig ist. Und die Ergebnisse zeigen schwarz auf weiß, dass Pascal das im Moment nicht ist."

Tatsächlich ist Ackermann, der schon Etappenerfolge beim Giro d'Italia und der Vuelta a Espana vorweisen kann, in dieser Saison noch kein Sieg gelungen. Man habe vor Bekanntgabe des Tourkaders über jeden Fahrer diskutiert, erklärt der Sportliche Leiter Enrico Poitschke. Im Fall Ackermann dauerte diese Diskussion offenbar nicht sehr lange.

Andere Balance im Team

"Für einen Sprinter, der im Moment keine Rennen gewinnt, ist ein Etappensieg bei der Tour de France unrealistisch", sagt Poitschke. Ohne Aussicht auf einen Tageserfolg aber, wollte man den Sprinter nicht zum Höhepunkt der Saison mitnehmen. "Ich habe auch eine Verantwortung gegenüber den Sponsoren, dem Team und den anderen Fahrern", sagt Teamchef Denk.

Ackermanns Teilnahme hätte zudem eine grundsätzlich andere Zusammensetzung des achtköpfigen Tour-de-France-Kaders nötig gemacht. Denn Ackermann ist auf einen zwei, bis drei Mann starken "Lead-out" inklusive Anfahrer angewiesen, der ihn bei den Sprintetappen auf den letzten Kilometer bringt und dort an der richtigen Stelle für den Schlusssprint absetzt. Doch genau dieser Sprintzug hat zuletzt nicht richtig funktioniert, was einer der Gründe ist, warum Ackermann in dieser Saison noch ohne Sieg dasteht.

Sagan für die Sprintetappen

So wird sich auf den Flachetappen der Tour de France nun wieder Peter Sagan für Bora-hansgrohe ins Getümmel stürzen. Der dreimalige Weltmeister aus der Slowakei sucht sich seinen Weg in den Sprintfinals meist alleine. Sagan, 31, will in Frankreich sich zum achten Mal das Grüne Trikot des besten Sprinters sichern, das er im vergangenen Jahr dem Iren Sam Bennett überlassen musste.

Dabei war auch Sagan diesmal keineswegs für die Tour gesetzt. Nach einer Covid-Infektion zu Beginn des Jahres kam er im Frühjahr bei den Klassikern nur schwer in Tritt. Beim Giro d'Italia im Mai lieferte er dann aber mit einem Etappensieg und dem Gewinn des Sprinttrikots rechtzeitig einen passenden Leistungsnachweis, der ihm seinen Platz bei der Tour sicherte. Dass Sagans ungebrochenes Image als einer der Superstars des Radsport auch die Sponsoren erfreut, dürfte bei der Entscheidung ebenfalls eine Rolle gespielt haben.

Verträge laufen aus

Sowohl Sagans als auch Ackermanns Verträge bei Bora-hansgrohe laufen zum Ende des Jahres aus. Bei Sagan deutet inzwischen einiges darauf hin, dass er auch künftig für Denks Equipe in die Pedale treten wird. Man werde vielleicht schon vor oder während der Tour de France etwas verkünden können, hatte Denk zuletzt im "Tourfunk", dem neuen Radsport-Podcast der Sportschau, erklärt.

Tourfunk - Teamchef Ralph Denk über Buchmann, Sagan und die Tour

Tourfunk 09.06.2021 51:33 Min. Verfügbar bis 10.06.2031 ARD


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Ackermanns Zukunft bei Bora-hansgrohe scheint dagegen offen zu sein. Zuletzt wurde er schon mit dem Team UAE-Emirates in Verbindung gebracht, dessen Farben auch der Toursieger von 2020 Tadej Pogacar trägt. Sein Frust über die Nicht-Berücksichtigung für die Tour in diesem Jahr und der öffentliche Ausbruch in Richtung Teamleitung, dürfte zudem die Gespräche über eine Vertragsverlängerung bei Bora-hansgrohe erschweren. Auch wenn Teamanager Denk betont, er nehme Ackermanns Aussagen nicht persönlich.

"Ich hätte mir sicherlich andere Headlines zum Frühstück gewünscht", sagt Denk, "aber Pascal ist noch jung und ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen." Lieber wäre es allen Beteiligten wohl gewesen, wenn Ackermann zuletzt bei der Belgien-Rundfahrt mal wieder als Erster ins Ziel geschossen wäre. Doch ein dritter Platz auf der letzten Etappe dort am vergangenen Sonntag (13.06.21) war am Ende nicht genug, um Ackermann in die Detailplanungen vor der Anreise zur Tour de France mit einzubeziehen.

Stand: 16.06.2021, 16:08

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