Team DSM bei der Tour de France: Alles auf Attacke

Soeren Kragh Andersen (hinten) und Tiesj Benoot

Etappensiege als Ziel

Team DSM bei der Tour de France: Alles auf Attacke

Von Michael Ostermann

Das deutsche Team DSM geht bei der Tour de France auf Etappenjagd. Im vergangenen Jahr sorgte die Mannschaft noch unter dem Namen Sunweb mit einer offensiven Fahrweise für Begeisterung. Die Lust auf Attacke soll auch diesmal zum Erfolg führen.

Das Ganze ist mehr als die Summe der einzelnen Teile. Auf diese Formel lässt sich die Herangehensweise des Teams DSM an die Tour de France reduzieren. Acht Fahrer aus fünf Nationen gehören zum Tourkader der mit deutscher Lizenz fahrenden World-Tour-Equipe. Und das Ensemble für den Frankreich-Trip ist so komponiert, dass es sich bestenfalls zu einer Einheit zusammenfügt, die an jedem Tag der Rundfahrt um den Etappensieg fahren kann.

Drei Etappensiege bei der Tour 2020

"Entscheidend ist, als Team die Stärken jedes Einzelnen zu nutzen, um als Team stärker zu sein", sagt der sportliche Leiter Luke Roberts. Dabei soll dann am besten ein Auftritt wie bei der wegen der Corona-Pandemie in den September verschobenen Tour de France 2020 herauskommen. Da gewann das Team noch unter dem Namen Sunweb gleich drei Etappen und eroberte mit seiner aggressiven Fahrweise die Herzen der Radsport-Fans und -Experten gleichermaßen.

Dem damaligen Sponsor nutzten die Erfolge jedoch wenig. Der Online-Reiseanbieter Sunweb musste wegen wirtschaftlicher Einbrüche durch die Pandemie sein Engagement bei der Equipe beenden. Der neue Sponsor, ein Chemieunternehmen, hofft nun, dass die Mannschaft dort weitermacht, wo sie bei der Tour de France im vergangenen Jahr aufgehört hat.

Chance auf Gelb am ersten Wochenende

Die Pandemie habe dabei auch ihre guten Seiten gehabt, erklärt der Australier Roberts, der mit seiner Familie in Kerpen bei Köln zu Hause ist. Auch die Radprofis saßen während des ersten Lockdowns im vergangenen Jahr im Homeoffice vor dem Computer. Per Videokonferenz habe man viel über Mannschafts-Taktiken gesprochen und anschließend im Höhentrainingslager neben den physischen Grundlagen auch an den taktischen Überlegungen den Feinschliff vollzogen.

Ähnlich ist man beim Team DSM auch in diesem Jahr in der Vorbereitung auf die Tour de France vorgegangen. Und die Früchte, so die Hoffnung, wird man vielleicht schon am ersten Wochenende der Tour in der Bretagne ernten können. Die ersten beiden Etappen dort haben ein Klassikerprofil, es geht stetig auf und ab, der Wind spielt eine Rolle, und die Zielankünfte sind ebenfalls nicht flach.

Ideales Terrain also für eine offensive Fahrweise, mit der man in diesem Fall auch gleich das Gelbe Trikot erobern könnte. "Die erste und die zweite Etappe sind sicher ein Ziel", sagt Roberts. "Das Gelbe Trikot wäre ein Bonus, den wir gerne annehmen." Als Kandidaten dafür kommen der Däne Soeren Kragh Andersen und der Belgier Tiesj Benoot in Frage.

Zwischen Ländle und Bretagne - zwischen DM und Tour

Tourfunk 21.06.2021 23:07 Min. Verfügbar bis 22.06.2031 ARD


Download

Idealer Kurs für Angriffe

Kragh Andersen zeichnete im vergangenen Jahr für zwei der drei Etappensiege der Mannschaft verantwortlich und ist schon deshalb auch diesmal einer der auserkorenen Fahrer für die entscheidenden Attacken. Für die Initialzündung sorgte damals der Schweizer Marc Hirschi, der den ersten Etappensieg für die Mannschaft einfuhr, das Team aber im Winter überraschend verließ.

"Es erleichtert, wenn man einen Etappensieg in der Tasche hat", sagt Roberts: "Alle werden selbstbewusster und sind bereit, mehr zu riskieren." Bei DSM hoffen sie, dass ihnen dieser Impuls schon in der ersten Tourhälfte wieder gelingt. Der Parcours der Tour bietet für die Herangehensweise des Teams jedenfalls auch in diesem Jahr wieder reichlich Gelegenheiten. Es gibt nur drei Bergankünfte, dafür mehrere Bergetappen, die im Tal enden, und eben mittelschwere Etappen in hügeligem Terrain. "Das ist gut für Ausreißergruppen oder Fahrer, die im Finale attackieren können", meint Roberts.

Die Strecke ist auch einer der Gründe dafür, warum DSM ohne den Franzosen Romain Bardet zur Tour anreist, der seit Anfang des Jahres für das Team an den Start geht. Der Kletterspezialist, der es in der Vergangenheit schon zwei Mal auf das Podium in Paris geschafft hatte, fuhr stattdessen den Giro d'Italia, den er auf Rang sieben beendete. "Die Tour bedeutet gerade für einen Franzosen großen Druck. Er sollte im neuen Team nicht direkt das größte Ziel angehen", sagt Roberts: "Vielleicht im nächsten Jahr."

Sütterlin muss in den Wind

Jasha Sütterlin

Der einzige deutsche Radprofi im Tourkader des Teams ist Jasha Sütterlin aus Freiburg im Breisgau, ein tempoharter Fahrer, der vor allem auf den Flachetappen als Helfer gefragt sein wird für den Niederländer Cees Bol, der sich dort mit der Sprintelite messen soll. "Jasha wird viel im Wind fahren müssen", kündigt Roberts an.

Seine Stärken sollen helfen, das Kollektiv besser zu machen. Aber auch Sütterlin wird, wenn sich die Gelegenheit bietet, auf eigene Rechnung fahren dürfen, um dann vielleicht von den anderen Teilen des Teams zu profitieren.

Stand: 24.06.2021, 08:00

Darstellung: