Radprofi Morton - 65.000 Höhenmeter, 420.000 Euro Spendengelder

Die unglaubliche Tour des Lachlan Morton Sportschau 15.07.2021 01:40 Min. Verfügbar bis 15.07.2022 Das Erste

Alternative Tour de France

Radprofi Morton - 65.000 Höhenmeter, 420.000 Euro Spendengelder

Von seinem Team wurde Lachlan Morton nicht für die Tour de France nominiert. Er fuhr sie trotzem, nur eben anders: ohne Team und Hotel, er war sein eigener Mechaniker. Nun kam Morton vor dem Tour-Peloton in Paris an.

Am Dienstagmorgen (13.07.2021) gegen 5.30 Uhr spritzte plötzlich Champagner über die nahezu leere Champs-Élysées. Lachlan Morton war der Absender - der australische Radprofi hatte seine alternative Tour de France erfolgreich abgeschlossen. Nach 18 Tagen, 5.510 Kilometern, über 65.000 Höhenmetern und 220 Stunden im Sattel erreichte der 29-Jährige in den frühen Morgenstunden Paris - fünf Tage vor dem regulären Tour-Finale. Umgeben von ein paar Bekannten saß er da also am Straßenrand in Paris, barfuß und einigermaßen erschöpft, und ließ einen Champagner-Korken knallen.

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420.000 Euro gesammelt

"Das ist eine unvorstellbare Leistung. So unvorstellbar unbequem. Aber Lachy hat sich in einer Art und Weise gewehrt, wie es wohl nur wenige getan hätten. Schlaf gut, mein Freund. Chapeau", twitterte sein Teamchef Jonathan Vaughters. 

Mit der Aktion sammelte Morton zudem Spenden in Höhe von über 420.000 Euro für die Hilfsorganisation World Bicycle Relief. Der Profi vom Team EF Education Nippo fuhr als Hommage an die Anfangstage des organisierten Radsports die Tour nach. Alleine, ohne Hotels, mit Gepäck am Rad, als sein eigener Mechaniker, ohne Ruhetage, ohne Transfers. Einen Großteil der Strecke legte er in Sandalen zurück. Und selbst die waren so zurechtgeschnitten, dass sie so wenig wie möglich Druckstellen hinterließen.

"Reinste Form des Radsports"

Auf seiner Schlussetappe bewältigte Morton 576 km am Stück. "Mit sich selbst und wenig zufrieden zu sein, ist ein großartiges Gefühl", sagte Morton, der bereits quer durch Australien oder die Rocky Mountains gefahren ist: "Es scheint mir die reinste Form, Radsport zu erleben."

Morton ist Radprofi, ein sehr guter zudem, aber ein ganz anderer als die Pogacars, Froomes und Buchmanns dieser Welt. Und deshalb fuhr der Australier seine ganz andere Tour de France.

Unterwegs wie 1903

Als Hommage an die wilde Urzeit des "Cyclisme" vor 120 Jahren. "Damals ging es dem Tour-Direktor im Grunde darum, dass es nur ein Fahrer ins Ziel schafft. Es war ein völlig anderer Sport - total inspirierend", sagte Morton vor seinem Start: "Es war eine aufregende Zeit. An die will ich erinnern und eine Idee vermitteln, wie eine Tour durch Frankreich aussehen kann."

Morton, mit Schnurrbart, wallenden Locken und Tattoos unterwegs, mühte sich auf derselben Route, die auch das Peloton fährt, darunter das Team EF Education Nippo, dem er im dritten Jahr als Berufsfahrer angehört. Und doch ist Morton von der flirrenden Welt der "Großen Schleife" weit entfernt. Drei Wochen lang fuhr er täglich 300 Kilometer, manchmal auch 400. Oft bis in die Nacht hinein, wie die Tour-Pioniere von 1903.

Nachts unter freiem Himmel geschlafen

Die Strecke vom Ziel zum nächsten Startort der offiziellen Tour legte er ebenfalls per Fahrrad zurück, was Strecke und Höhenmeter fast verdoppelte. Das Nötigste führte er immer bei sich, als "Bikepacker" schlief er unter freiem Himmel, seine Verpflegung organisierte er sich in Baguetterien und Kneipen, nicht immer profilike freilich.

Dabei ist der Rad-Romantiker schon ein Profi von Format. Das amerikanische EF-Team hatte sich einst bewusst für die Verpflichtung Mortons entschieden, weil beide den anderen, alternativen, ganzheitlichen Radsport-Ansatz verfolgen. Vergangenes Jahr bestritt er für das Team den Giro dÌtalia, für das reguläre Tour-de-France-Team wurde er allerdings nicht nominiert.

Profisport und Abenteuer passen zusammen

"Ich habe immer versucht, den Profisport und das Abenteuer zusammenzubringen", sagt Morton, der auf den Schotterpisten dieser Welt zu Hause ist: "Diese beiden Leidenschaften in diesem Team zu kombinieren, ist großartig."

red/sid | Stand: 13.07.2021, 11:15

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