Radsport-Team Bora-hansgrohe wagt radikalen Umbruch

Ralph Denk, Teammanager des Radsportteams Bora-hansgrohe

Radsport

Radsport-Team Bora-hansgrohe wagt radikalen Umbruch

Von Michael Ostermann

Nach dem Abgang von Peter Sagan und Pascal Ackermann beim deutschen World-Tour-Team Bora-hansgrohe richtet sich die Mannschaft neu aus. Vor allem die großen Rundfahrten stehen künftig im Fokus.

Im Advent soll es ja angeblich besinnlich zugehen. Das klappt nur selten - auch im Radsport nicht. Die Radprofis beginnen in dieser Zeit mit der Vorbereitung auf die neue Saison. Das deutsche World-Tour-Team Bora-hansgrohe etwa hat sich derzeit am Tegernsee einquartiert, um diverse Tests durchzuführen, die einen Überblick geben sollen über den Leistungsstand der Fahrer.

Bennett soll für frühe Siege sorgen

Es gibt einiges zu bewerten. Denn vieles wird 2022 anders sein bei Bora-hansgrohe. Teamchef Ralph Denk spricht von "neuen Impulsen", die seine Equipe gebraucht habe. Das ist stark untertrieben. In Wahrheit hat Denk seinem Team einen radikalen Umbruch verordnet.

Peter Sagan, in den vergangenen fünf Jahren das Aushängeschild der Mannschaft, hat Bora-handgrohe verlassen und seine große Entourage mitgenommen. Auch Sprinter Pascal Ackermann ist künftig nicht mehr Teil des Teams. Und so stehen gleich elf neue Radprofis im Kader für die kommende Saison. Dazu wurde auch ein Großteil der sportlichen Leitung ausgetauscht.

An deren Spitze steht nun der ehemalige Telekom-Profi Rolf Aldag, der den Umbruch erfolgreich gestalten soll. Denn sein neuer Chef hat gewohnt ehrgeizige Ziele. Schon frühzeitig solle das Team in der neuen Saison Siege einfahren, fordert Denk: "Das ist sehr, sehr wichtig, und so werden wir das Training ausrichten." Dabei setzt man vor allem auf Sprinter Sam Bennett. Der Ire kehrt nach zwei Jahren beim Team Deceunick-Quick Step zu Bora-hansgrohe zurück.

Ausrichtung auf die Grand Tours

Grundsätzlich aber ist mit dem Umbruch auch eine neue sportliche Ausrichtung geplant. Seit Jahren schon träumt Teamchef Denk davon, einen seiner Fahrer bei einer der großen Landesrundfahrten auf dem Podium zu sehen - am liebsten natürlich ganz oben.

Die Fraktion der Rundfahrer wurde darum deutlich erweitert: Neben Emanuel Buchmann, bei der Tour de France 2019 Gesamtvierter, und dem Niederländer Wilco Kelderman, der im Juli als Fünfter in Paris einfuhr, werden künftig auch Jay Hindley, Zweiter beim Giro d'Italia 2020, und der diesjährige Giro-Vierte Alexander Vlasov aus Russland sowie der Kolumbianer Sergio Higuita dazugehören.

Dass einer aus dieser Gruppe von durchaus talentierten Rundfahrern in der Lage sein wird, die herausragenden Protagonisten in dieser Disziplin wie den zweimaligen Toursieger Tadej Pogacar, dessen Landsmann und zweimaligen Vueltasieger Primoz Roglic oder den Kolumbianer Egan Bernal, Gewinner der Tour 2019 und des Giro 2021, ernsthaft herauszufordern, darf man allerdings bezweifeln.

Kollektiv statt Posterboy

Denk will das Projekt mit seinen Rundfahrern deswegen auch eher langfristig angehen. "Die Hoffnung ist, dass sie alle in den nächsten zwei, drei, vier Jahren eine Schippe drauflegen und Grand-Tour-Sieger werden können." Bis dahin soll es es vorerst das Kollektiv richten. "Der Posterboy ist bei den Verpflichtungen sicher nicht dabei", erklärt Rolf Aldag. "Aber wenn man im Vorfinale attraktiv und offensiv fährt, dann hat man eine Chance."

Aldag muss nun dafür sorgen, dass die Fahrer diesen Ansatz auch umsetzen. Gelingen soll das vor allem auch durch eine offene Kommunikation innerhalb des Teams. Im Profiradsport könne es zwar keine Demokratie geben, glaubt Aldag. "Aber die besten Ergebnisse erzielt man, wenn Input von allen kommt."

Wie ein Trainerwechsel im Fußball

Dass der radikale Umbruch ohne Reibungsverluste gelingt, davon sind sowohl Aldag als auch Denk überzeugt. Er habe wochenlang viele Gespräche geführt, um die Menschen zusammenzubringen. Das sei seine Kernaufgabe als Teamchef und der Schlüssel zum Erfolg, glaubt Denk.

Aldag, der in den vergangenen 15 Jahren in verschiedenen Teams auf unterschiedlichen Positionen gewirkt hat, vergleicht den Austausch der sportlichen Leitung bei Bora-hansgrohe mit einem Trainerwechsel im Fußball, nach dem ein Team nach sieglosen Wochen plötzlich wieder gewinnt. Manchmal brauche es nur eine andere Ansprache. Schon im Februar, wenn die ersten Rennen anstehen, wird sich zeigen, ob der neue Sportchef mit dieser Analogie richtig liegt.

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Stand: 09.12.2021, 16:04

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