Der Belgier Remco Evenepoel

Straßenrennen in Australien Evenepoel nicht zu schlagen - Belgier holt sich den WM-Titel

Stand: 25.09.2022 21:23 Uhr

Er war der große Favorit und hat die Rolle in Australien bestätigt: Remco Evenepoel holte sich den WM-Titel im Straßenrennen nach einem erfolgreichen Solo. Die Silbermedaille errang der Franzose Christophe Laporte, der den Sprint der Verfolger vor dem Australier Michael Matthews gewann.

Remco Evenepoel hielt sich die Hand ungläubig vor den Mund, dann richtete er sich auf und zeigte mit dem Finger stolz auf seine Brust. Der belgische Radsport-Shootingstar ist nach einer taktischen Meisterleistung und einem beeindruckenden 25-km-Solo ins Regenbogentrikot des Weltmeisters gerast. Zwei Wochen nach seinem Gesamtsieg bei der Vuelta in Spanien gewann der 22-Jährige am Sonntag das Straßenrennen der WM in Australien.

Sportschau Tourfunk, 25.09.2022 21:02 Uhr

Erster belgischer Titel seit zehn Jahren

Nach 266,9 km rund um Wollongong südlich von Sydney hatte Evenepoel 2:21 Minuten Vorsprung auf den Franzosen Christophe Laporte und Michael Matthews aus Australien. Für die Radsport-Nation Belgien ist es der erste WM-Titel im Straßenrennen seit zehn Jahren. 2012 hatte Philippe Gilbert triumphiert.

Holger Gerska, Sportschau, 25.09.2022 10:24 Uhr

Evenepoel krönte damit auch seine bisher beste Saison als Profi, in der er unter anderem Lüttich-Bastogne-Lüttich und die Spanien-Rundfahrt gewann. "Ich bin super glücklich. Ein Traum ist wahr geworden, es ist unglaublich", sagte Evenepoel, der in Down Under bereits im WM-Einzelzeitfahren Bronze gewonnen hatte.

Entscheidende Gruppe 75 Kilometer vor dem Ziel

Die entscheidende Gruppe des Tages hatte sich etwa 75 Kilometer vor dem Ziel gebildet. Viele Favoriten wie der zweimalige Tour-Sieger Tadej Pogacar oder Titelverteidiger Julian Alaphilippe verpassten den Sprung an die Spitze. Evenepoels belgischer Teamkollege Wout van Aert, der Vierter wurde, hielt sich in der Verfolgung der Führenden zurück.

An der Spitze setzte Evenepoel mit vereinzelten Attacken immer wieder Nadelstiche. Absetzen konnte oder wollte sich der Favorit zunächst nicht. Etwa 30 km vor dem Ziel zog Evenepoel dann aber mit dem Kasachen Alexei Luzenko davon.

25 Kilometer vor dem Ziel - Evenepoel zieht davon

Die Vorentscheidung fiel bei der vorletzten Überfahrt des kurzen, aber giftigen Anstiegs am Mount Pleasant (1,1 km/8,8 Prozent). Evenepoel attackierte mit einer explosiven Tempoverschärfung und fuhr seinem Begleiter davon - das 25 Kilometer lange Solo wurde zur Triumphfahrt. "Ich habe relativ schnell gemerkt, dass ich stärker als Alexei bin. Ich habe dann alles gegeben", sagte Evenepoel.

Julian Alaphilippe (l.) gratuliert seinem Nachfolger Remco Evenepoel

Julian Alaphilippe (l.) gratuliert seinem Nachfolger Remco Evenepoel

Ärger um van der Poel

Der niederländische Mitfavorit Mathieu van der Poel stieg bereits nach 35 Kilometern vom Rad, nachdem er am Vorabend für einen Skandal gesorgt hatte und zwischenzeitlich wegen eines tätlichen Angriffs im Hotel festgenommen worden war.

Es hatte eine Auseinandersetzung mit zwei Kindern gegeben, die mehrmals an seiner Tür geklopft hatten. Berichten zufolge wurde der Arm eines Mädchens verletzt. Der 27-Jährige wurde wegen zweifacher Körperverletzung angeklagt und am frühen Sonntagmorgen auf Kaution wieder freigelassen.

Deutsche ohne Chance

Die deutschen Fahrer spielten im WM-Rennen erwartungsgemäß keine Rolle. Georg Zimmermann, dem am ehesten noch eine vordere Platzierung zugetraut wurde, kam 74 Kilometer vor dem Ziel zu Fall. Damit gab es für den Bund Deutscher Radfahrer in den Eliterennen keine Medaille. "Die erste Gruppe haben wir verpasst, das ging klar auf unsere Kappe", meinte Jannik Steimle nach dem Rennen. Insgesamt waren die Deutschen aber am Ende gar nicht so traurig: "Wir haben es dann nochmal gut gemacht. Haben zusammen gearbeitet und uns gut präsentiert", fand Steimle.

Als bester deutscher Fahrer belegte der Kölner Nikias Arndt (+3:08) den 52. Rang, zwölf Positionen vor ihm landete der Österreicher Sebastian Schönberger auf Platz 40 (+3:08).

Lippert im Frauenrennen stark

Am Samstag hatte Liane Lippert trotz einer starken Leistung mit dem vierten Platz im Frauen-Rennen beim Sieg der Niederländerin Annemiek van Vleuten einen Podestplatz knapp verpasst. Die 24-Jährige aus Friedrichshafen hatte auch im Mixed-Teamzeitfahren mit dem deutschen Team Platz vier belegt.

Straßenrennen der Männer
Platz Nation Zeit
1. Remco Evenepoel BEL 6:16,08 Std.
2. Christophe Laporte FRA +2:21
3. Michael Matthews AUS +2:21
4. Wout van Aert BEL +2:21
5. Matteo Trentin ITA +2:21
52. Nikias Arndt GER +3:08
72. Jannik Steimle GER +6:37