Schmerzmittelmissbrauch: Sportausschuss plant öffentliche Anhörung

Dagmar Freitag

Nach Pillenkick-Recherche zum Scherzmittelmissbrauch im Fußball

Schmerzmittelmissbrauch: Sportausschuss plant öffentliche Anhörung

Der Sportausschuss des deutschen Bundestages plant eine öffentliche Anhörung zum Thema Schmerzmittelmissbrauch. Das bestätigte die Sportausschussvorsitzende Dagmar Freitag (SPD) der ARD-Dopingredaktion, die gemeinsam mit dem Recherchezentrum Correctiv durch die Recherche "Pillenkick" eine öffentliche Diskussion zum Thema angestoßen hatte.

Besonders aufmerksam wurde dabei die Anfang Juni ausgestrahlte Dokumentation "Hau rein die Pille!" verfolgt. Der Sportausschuss will dort nun anschließen.

"Wie der Film und die Reaktionen darauf gezeigt haben, ist es überfällig, dieses Thema mal wieder von Grund auf zu diskutieren. Der zu sorglose Umgang mit Schmerzmitteln - nicht nur im Sport, sondern auch in der Gesellschaft - stellt ein nicht zu unterschätzendes Problem dar, das wir aus meiner Sicht in einer öffentlichen Anhörung des Sportausschusses aufgreifen sollten", sagte Dagmar Freitag. Einen entsprechenden Vorschlag habe sie den Obleuten der Fraktionen am Dienstag unterbreitet. "Eine zentrale Frage ist für mich auch der Umgang der Verbände und Anti-Doping-Institutionen mit diesem Thema", ergänzte Freitag.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte als Reaktion auf die Recherche der ARD-Dopingredaktion und Correctiv mehrere Schritte in die Wege geleitet, unter anderem die Einrichtung eines Online-Seminars mit dem Schmerzmittelexperten Toni Graf-Baumann sowie die Einbeziehung des Bundesamtes für gesundheitliche Aufklärung. Dazu besprechen die Regional- und Landesverbände des DFB derzeit konkrete Schritte, wie auf Amateurebene besser über Schmerzmittelmissbrauch aufgeklärt werden kann. Der Deutsche Handballbund (DHB) hatte angekündigt, seinen wissenschaftlichen Beirat mit einer Neubewertung des Themas beauftragen zu wollen.

Der TV-Beitrag und die Artikel auf pillenkick.de haben auf eine breite Schmerzmittelproblematik im deutschen Fußball hingewiesen. In einer Befragung, an der sich mehr als 1.100 Fußballerinnen und Fußballer beteiligt haben, war zudem in mehr als 40 Prozent der Antworten darauf verwiesen worden, dass sich die Spielerinnen und Spieler von der Schmerzmitteleinnahme eine Verbesserung ihrer Leistungsfähigkeit erhofften. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA vertritt derzeit die in Fachkreisen umstrittene These, dass Schmerzmittel weder die Leistungsfähigkeit erhöhen noch eine Gesundheitsgefährdung darstellen. Deshalb erwägt die WADA derzeit keine Aufnahme gängiger Schmerzmittel auf die Liste der verbotenen Substanzen.

Geheimsache Doping - "Hau rein die Pille!" Sportschau 09.06.2020 44:14 Min. Verfügbar bis 09.06.2021 Das Erste

red | Stand: 23.06.2020, 13:53

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