Para-Schwimmer Andre Brasil klagt gegen IPC

Paraschwimmer Andre Brasil zeigt seine Goldmedaille bei den Paralympics in London 2012

Prozessauftakt in Köln

Para-Schwimmer Andre Brasil klagt gegen IPC

Von Benjamin Best

Der brasilianische Para-Schwimmer Andre Brasil klagt vor dem Landgericht Köln gegen die neuen Klassifizierungsregeln des IPC für den Para-Schwimmsport. Die Regeländerung wäre für ihn gleichbedeutend mit dem Aus für die Paralympischen Spiele in Tokio.

Andre Brasil gilt in Brasilien als einer der erfolgreichsten Sportler mit Behinderung. 14 Jahre war er Teil der brasilianischen paralympischen Nationalmannschaft und hat 32 Medaillen bei fünf Schwimm-Weltmeisterschaften und 14 Medaillen bei drei Paralympischen Spielen gewonnen.

Urteil für Anfang März erwartet

Doch seit der neuen Klassifizierungsordnung von 2018 gilt er in den Disziplinen Freistil, Rückenschwimmen und Schmetterling als "nicht teilnahmeberechtigt". Aus seiner Sicht ist das gleichbedeutend mit dem Karriereende. Und somit verhindert die Regeländerung auch seine Teilnahme an den Paralympischen Spielen in Tokio.

Darum hat Brasil nun Klage vor dem eingelegt gegen das Internationale Paralympische Komitee (IPC), das in Bonn seinen Sitz hat. Am ersten Prozesstag vor dem Landgericht Köln am Dienstag (09.02.2021) machten beide Seiten noch einmal ihre Standpunkte klar.

Rechtsanwalt Engelhard zur Klage von Parasportler Brasil Sportschau 10.02.2021 01:19 Min. Verfügbar bis 10.02.2022 Das Erste

Klassifizierung sorgt immer wieder für Unmut

Die Klassifizierung im Behindertensport soll dafür sorgen, dass Athleten mit unterschiedlichen Handicaps trotzdem in einem fairen Wettkampf gegeneinander antreten können. Doch genau das ist das Problem und sorgt im paralympischen Sport immer wieder für Ärger. Jeder Sportler hat eine andere Beeinträchtigung, die sich unterschiedlich auswirkt. Wie kann Gerechtigkeit hergestellt werden?

Andre Brasils Behinderung ist auf eine Polioerkrankung als Kind zurückzuführen. Dadurch ist sein linker Fuß kleiner und weist einen Verlust an Bewegungsfreiheit im Knöchel auf. Zudem ist sein linkes Bein fünf Zentimeter kürzer als das rechte Bein. Bis zu seinem achten Lebensjahr musste er sich sieben Operationen unterziehen. Seiner Klage gegen das IPC hat sich auch das brasilianische Paralympische Komitee angeschlossen.

IPC widerspricht

Andre Brasil wirft dem Internationalen Paralympischen Komitee unter anderem vor, dass die Klassifizierungsregeln in der Entstehung intransparent, undemokratisch und diskriminierend seien. Laut Internationalem Paralympischen Komitee handelt es sich bei den neuen Klassifizierungsregeln im Paralympischen Schwimmsport um "die (…) Regelung von Klassifikations- und Qualifikationsfragen, die der Herstellung gleicher Start- und Wettkampfbedingungen dienen sollen".

Auf die Existenz derartiger Regelungen sei der Para-Sport in seiner Gesamtheit unumgänglich angewiesen. Außerdem sei ein langer Prozess vorausgegangen, bei dem die Änderungen mit den Mitgliedsverbänden diskutiert wurden.

Nun muss das Gericht in Köln entscheiden, ob dies reicht oder Brasils Einwände berechtigt sind. Ein Urteil wird für Anfang März erwartet.

Die Para-Sportler des Jahrzehnts Sportschau 29.11.2020 02:50 Min. Verfügbar bis 29.11.2021 Das Erste

Stand: 09.02.2021, 15:33

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