Curling-Teammanagerin Petra Schlitt - "Am liebsten hätte ich Beach-Curling"

Teammanagerin Petra Schlitt macht Stimmung

Paralympics

Curling-Teammanagerin Petra Schlitt - "Am liebsten hätte ich Beach-Curling"

Von Maria Köhler

Sie ruft: "Go Germany, go." Petra Schlitt ist ein Blickfang im Gangneung Curling Centre. Bei den Paralympics in Südkorea zeigt die deutsche Teammanagerin täglich Flagge.

Petra Schlitt, Sie sind Teammanagerin, Social-Media-Verantwortliche und der lauteste Fan auf der Tribüne, oder?

"Ja, genau. Ich bin die, die am meisten animiert. Außerdem bin ich Feel-Good-Managerin."

Was heißt das?

"Ich mache alles, was den Athleten hilft, sich auf das Spiel zu konzentrieren. Ich sorge für gute Laune, bereite Wärmflaschen vor und lege mich auch einmal mit einem Flugzeugkapitän an, wenn es darum geht, dass die Rollstühle nicht am Gate sind. Er sagte dann, ich würde wegen Behinderung des Luftverkehrs eine Klage kriegen. Ohne Rollstühle müssen die Spieler aber sitzenbleiben."

Um noch einmal auf die Wärmflaschen zurückzukommen, wie wichtig sind die?

"Die Rollstuhlfahrer können ja nicht mit den Füßen trampeln, dass ihnen warm wird. Das Spiel geht ja zweieinhalb Stunden. Und je nach Eishalle kann es richtig kalt werden. Hier geht es. Unsere Sportler haben aber Fußheizungen, die auch gern für Outdoor-Arbeiten genutzt werden. Das sind Heizstrümpfe, die gehen bis hier oben (zeigt auf ihr Knie, Anm. d. Red.). Die haben einen Akku und halten richtig schön warm. Das ist super praktisch."

Spannung beim Rollstuhlcurling - Sieg oder Niederlage?

Die 13. Session beim Rollstuhlcurling hat es in sich gehabt. Deutschland gegen die Schweiz: Das ist nicht nur ein Nachbarschaftsduell sondern auch ein besonderes Wiedersehen.

Koreanische Kinder mit Deutschland-Flaggen

Das Spiel Deutschland gegen die Schweiz hat noch nicht einmal angefangen, schon haben jede Menge Zuschauer Deutschland-Fähnchen in ihren Händen.

Das Spiel Deutschland gegen die Schweiz hat noch nicht einmal angefangen, schon haben jede Menge Zuschauer Deutschland-Fähnchen in ihren Händen.

Warum? Petra Schlitt, die deutsche Teammanagerin, begeistert die Kinder für das deutsche Team. Sie hat die Fähnchen verteilt.

Unterstützung kann nicht schaden. Gegen die Schweiz stehen die Chancen auf einen Sieg etwa bei 50:50.

Martin Schlitt und Harry Pavel sind voller Vorfreude. Letzterer wohnt direkt an der Grenze zur Schweiz und trainiert dort auch.

Eine Überraschung gibt es schon bevor es losgeht. Heike Melchior (3. v. l.) spielt nicht mit. Sie sitzt somit direkt neben ihrem Mann Stephan Pfister. Er ist der Trainer der Schweiz.

Harry Pavel im zweiten End. Wolf Meißner hält den Rollstuhl fest, damit er nicht wegrutscht. Es steht nach zwei Durchgängen 1:1.

Wolf Meißner und Harry Pavel klatschen sich ab. Der Sportpsychologe Dr. Christian Heiß hatte dem Team nach der Niederlage gegen Großbritannien empfohlen, besser als Team zusammenzustehen.

Doch die Schweiz um Beatrix Blauel-Thomann erwischt ein unglaublich gutes drittes End. Da schreiben sie vier Steine. Deutschland liegt auf einmal mit 1:5 hinten.

Martin Schlitt (re.) und seine Teamkollegen können es kaum fassen. Auch das dritte End geht mit 0:2 an die Schweizer.

Bange Blicke auch bei Christiane Putzich: Es wäre für ihre Mannschaft die vierte Niederlage in Folge.

Doch dann ein kurzes Aufatmen: Mit 3:0 sichert sich Deutschland das fünfte End. Der Zwischenstand aus deutscher Sicht lautet 4:7. Da geht doch noch etwas, oder?

Das sechste End geht wieder an die Eidgenossen. Das deutsche Team liegt mit 4:9 zurück. Ausführlich besprechen sich die deutschen Teilnehmer, wie sie nun vorgehen wollen.

Dann geben sie auf. Selbst die Schweizerin Claudia Hüttenmoser ist überrascht: "Wir hatten jetzt vier Spiele mit ganz kurzer Regenerationszeit. Wir konnten uns ein bisschen besser erholen. Das hat das letzte Stückchen Power ausgemacht."

Doch auch wenn das Halbfinale in die Ferne rückt, gibt es auf den Tribünen ja noch Petra Schlitt. Sie wird auch bei den Spielen gegen Kanada und Finnland ihren Farbstift und Deutschland-Fähnchen dabeihaben. Vom 09. bis 18. März berichten wir im ARD-Hörfunk, im Ersten und den Dritten Programmen ausführlich über die Paralympics.

Die Reiseplanung übernehmen sie ja auch. Worauf ist da zu achten?

"Also, einige sitzen gern am Fenster. Ich sitze zum Beispiel liebend gern am Fenster (lacht). Die Frage ist natürlich, wie das mit dem Toilettengang ist. Da ist es natürlich einfacher, wenn man am Gang sitzt. Da gibt es diese Sackkarren, Transportrollstühle im Flieger. Da kommt man leichter zur Toilette."

Und welches Equipment darf bei Ihnen nicht fehlen, wenn es zu einem Spiel geht?

"Ich brauche nicht viel. Ich brauche die deutsche Fahne - mein Outfit. Dann benötige ich noch die Fähnchen zum Verteilen und einen Stift mit den deutschen Farben. Den habe ich in weiser Voraussicht aus Deutschland mitgebracht. Außerdem habe ich ja noch meine unglaublich unwiderstehliche Persönlichkeit (lacht). Gerade in Korea sind Kinder ja zu Älteren höflich. Wenn ich sie anspreche, ‚annyeong haseyo‘ sage, sind sie ganz glücklich. Ich rufe ‚hey, Germany‘ und mache klar, dass das ein gutes Team ist. Und dann trauen sich die Kinder nach und nach und wollen schwarz-rot-goldene Streifen auf ihren Wangen."

Und die große Deutschland-Flagge in Ihren Händen, ist die ein Glücksbringer?

"Absolut, jetzt muss es die sein. Bei den ersten Spielen hatte ich nur die Papierfähnchen. Doch dann kam das Team vom Alpenhaus und hat mir diese Flagge mitgebracht. Sie ist jetzt immer dabei."

Petra Schlitt mit ihrem Farbstift

Petra Schlitt mit ihrem Farbstift

Die Papierfähnchen sind wahrscheinlich bald alle verteilt, oder?

"Ja, ich habe nicht genug. Mir fehlen noch welche. Das war ein Riesenbündel. Vielleicht muss ich noch einmal Nachschub ordern."

Warum machen Sie das alles? Sie könnten sich ja auch zu hundert Prozent auf das Spiel konzentrieren.

"Es ist Werbung für den Sport. Du kannst curlen, wenn Dir für Basketball oder Leichtathletik die Kondition fehlt. Es ist auch gut, neue Leute fürs Curling zu gewinnen. Du kannst super schnell erfolgreich sein, denn die Szene ist klein."

Petra Schlitt begeistert die Zuschauer beim Rollstuhlcurling

Petra Schlitt begeistert die Zuschauer beim Rollstuhlcurling

Sie können laufen. Haben Sie denn mal Curling oder Rollstuhlcurling ausprobiert?

"Ja, aber es ist nicht mein Ding. Es ist mir zu wacklig auf dem Eis. Am liebsten hätte ich ja Beach-Curling (lacht). Mir blutet schon ein bisschen das Herz, weil draußen die Sonne scheint und wir hier drinnen sitzen. Aber gut, man muss Prioritäten setzen."

Stand: 14.03.2018, 12:56

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