Clara Klug und Martin Härtl - "Wir haben noch größere Ziele"

Clara Klug folgt ihrem Guide Martin Härtl (Archiv).

Paralympics

Clara Klug und Martin Härtl - "Wir haben noch größere Ziele"

Das Fahnenträger-Duo Clara Klug und Guide Martin Härtl hat uns kurz vor der Abschlussfeier Rede und Antwort gestanden. Zusammen holten sie in Pyeongchang zweimal Bronze im Biathlon der sehbeeinträchtigten Konkurrenz. Ein Gespräch über Motivation, Klassifizierungen und Trainingsumfänge.

Clara Klug, wenn man Ihnen vorher gesagt hätte, dass Sie zwei Medaillen mit nach Deutschland bringen, wie hätten Sie reagiert?

Clara Klug: "Ich hätte gesagt: 'Schön wäre es.' Die Athleten kennt man ja. Mir war klar, dass eine gewisse Chance besteht."

Müssen Sie es immer spannend machen? Beim Biathlon über zehn Kilometer dachten Sie schon vor der Ziellinie, dass es vorbei ist.

Clara Klug: "Es war ein unfassbar hartes Rennen. An dem Tag war der Schnee tief, matschig, schwer. Ich bin nur über Kraft gelaufen. Es herrschte enormer Wind. Und auf der Zielgerade habe ich Martin nicht mehr gehört. Die Zuschauer waren so laut und ich dachte, ich wäre schon da. Martin brüllte aus Leibeskraft. Ich wollte mich schon zu Boden schmeißen, bin Gott sei Dank aber noch weitergelaufen."

Wie wichtig war es, dass Ihnen Begleitläufer gut zugesprochen hat?

Clara Klug: "Ich habe Probleme mit Asthma. Ich habe ihm signalisiert, dass ich gern aufhören möchte. Dann habe ich aber trotz der Sauerstoffnot null geschossen. Martin hat ganz bewusst das Tempo herausgenommen. Er hat mal nicht wild schreiend auf mich eingewirkt, sondern sehr ruhig mit mir kommuniziert. Es ist ja auch sein Rennen. Wenn ich aufgebe, bekommt er ja auch keine Medaille."

Clara Klug und ihr Guide Martin Härtl

Clara Klug und ihr Guide Martin Härtl

Sie haben wahrscheinlich viel in den Erfolg investiert. Wie sehen Ihre Tagesabläufe aus?

Clara Klug: "Man steht in der Früh auf, denkt an den Sport. Man geht abends ins Bett und verhält sich entsprechend. Morgens schreibe ich Martin, der auch mein Trainer ist,  erst einmal eine WhatsApp, wie es mir geht. Da schicke ich ihm auch meinen Ruhepuls. Ich gehe ins Fittnessstudio, mache lange Bergtouren. Regelmäßig bilden wir eine Sportler-WG und ziehen unser Training durch. Wir machen auch einmal sechs bis acht Einheiten an zwei bis drei Tagen. Das ist mit sehr viel Aufwand verbunden, auch für Martin, der als Guide mit drinhängt. Ich kann nicht schnell allein eine Runde joggen gehen. Genauso im Schießtraining: Ich kann den Schießstand nicht allein aufbauen. Wir trainieren alles gemeinsam."

Wie sieht Ihre finanzielle Förderung aus?

Clara Klug: "Ich war im letzten Jahr im Top-Team für 2018. Ich muss gucken, wie es jetzt weitergeht. Komplett davon leben kann man aber nicht."

Und bei Ihnen, Martin Härtl?

Martin Härtl: "Am Anfang habe ich meinen ganzen Jahresurlaub investiert, um das Projekt voranzubringen. Im Bundeskader hatte ich bessere Argumente. Der Verband hat sich an meinen Dienstherren gewandt. Nun bekomme ich für Lehrgänge Sonderurlaub. Das ist noch ausbaufähig. Wir müssen in die Zukunft schauen. Nach der Abschlussfeier ist vor der Eröffnungsfeier. 2022 – das sind vier Jahre. Wir müssen unseren Trainingsumfang noch deutlich steigern. Wir haben noch größere Ziele. Vielleicht geht ja noch Silber oder Gold. Die Konkurrenz schläft nicht. Wir müssen unseren Trainingsumfang sukzessive um 40 bis 50 Prozent steigern."

Clara Klug und Martin Härtl

Die Klassifizierungen sollen dafür sorgen, dass jeder Sportler mit herausragenden Leistungen eine Medaille gewinnen kann. Geht es fair zu?

Clara Klug: "Ganz fair wird so ein Wettkampf nie werden. Dann wären alle ganz vorn. Die Klassifizierung ist ein schwieriges Thema. Es ist wahnsinnig schwer zu beurteilen, was jemand sehen kann. Das hängt auch von den Lichtverhältnissen ab. Das ist ein schwieriges Thema. In der sehbeeinträchtigten Konkurrenz kann ein B2-Läufer noch ein bisschen was erkennen. Bei Sonnenschein erkennt er vielleicht durch den Schatten noch die Klassikspur. Wenn es neblig ist, sieht er überhaupt nichts mehr. Es gibt so viele verschiedene Einschränkungen beim Sehen. Es wird Forschung betrieben. Es werden Daten erhoben. Dieser Prozess wird nie zu einem optimalen Ergebnis kommen. Den wird man immer wieder anpassen müssen."

tvw | Stand: 18.03.2018, 10:27

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