Anja Wicker nach Enttäuschungen in Pyeongchang - "Das ist schon hart"

Anja Wicker

Paralympics

Anja Wicker nach Enttäuschungen in Pyeongchang - "Das ist schon hart"

Von Sylvia Peuker

Sitzschlittenfahrerin Anja Wicker hat 2014 in Sotschi im Biathlon über 10 Kilometer Gold und über 12,5 Kilometer Silber gewonnen. An diese großen Erfolge konnte die 26-Jährige in Pyeongchang nicht anknüpfen. Immer standen andere Athleten im Rampenlicht. Wir haben die Stuttgarterin getroffen.

Anja Wicker, wie geht es Ihnen?

"Ganz gut heute Morgen. Der gestrige Tag war ein versöhnlicher Abschluss (über 5 km Platz 16, Anm. d. Red.) und ich freue mich jetzt, die Staffeln anfeuern zu können."

Mit welchen Erwartungen sind Sie nach Pyeongchang gefahren?

"Mit einer sehr geringen, um ehrlich zu sein. Ich habe die ganze Saison schon miterlebt, dass es einfach nicht so ging und die anderen richtig schnell geworden sind, gerade auch im Biathlon. Es sind sichere Schützinnen geworden, die sich nicht mehr vier, fünf Fehler leisten. Auch geben sie mehr Gas beim Schießen, sind nicht mehr so vorsichtig. Meine Erwartungen waren also schon nicht ganz so hoch."

Anja Wicker

Was heißt die Professionalisierung der anderen Athletinnen für Ihre Karriere?

"Das muss ich im Moment noch herausfinden. Ich weiß selber noch nicht ganz, wo es hingeht, da ich gerade bei Bedingungen mit sehr weichem Schnee in meiner Startklasse brutale Nachteile habe und im Läuferischen niemals die Chance habe mitzuhalten. Da muss ich mir die nächsten Wochen schon Gedanken machen, was ich tun muss, um wieder mithalten zu können."

Sie sind seit mindestens einem Jahr nach Veränderungen für Ihre funktionale Beeinträchtigung zu hoch klassifiziert - ist es eine Frage der Klassifizierung?

"Auch. Zumindest kommt das Wetter eindeutig den Zwölfern entgegen, die weniger gehandicapt sind als ich mit meiner 10,5. Wenn es so warm ist, so matschig, habe ich so viel mit dem Schnee zu kämpfen, da kann ich mich überhaupt nicht konzentrieren, schnell oder technisch zu laufen. Ich habe es heute Morgen gemerkt, wo es so schön eisig ist, da laufe ich gleich wieder anders und denke, ja, ich kann es doch eigentlich, aber bei den Bedingungen bei meinen Starts hier bekomme ich es einfach nicht hin."

Anja Wicker (re.) mit Martin Fleig

Anja Wicker (re.) mit Martin Fleig

Was macht das mit einem, wenn man sich so anstrengt im Training?

"Das ist schon hart. Man investiert eigentlich sein ganzes Leben, vier Jahre lang jeden Tag nur für den Sport, dann läuft es einfach nicht so wie man es sich erhofft. Es kommt nicht das dabei raus, was man investiert. Das ist hart und ich brauche ein bisschen, das zu verarbeiten. Im Moment weiß ich selbst noch nicht so, wie ich damit umgehen soll."

Stand: 18.03.2018, 06:40

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