Skirennläuferin Andrea Rothfuss will noch Vokabeln lernen

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Skirennläuferin Andrea Rothfuss will noch Vokabeln lernen

Andrea Rothfuss fliegt im März zu ihren nunmehr vierten Paralympics. Dreimal ist sie mit mindestens einer Medaille im Gepäck nach Hause gekommen. Die Chancen stehen gut, dass das auch nach den Wettkämpfen in Korea der Fall sein wird.

Die Skirennläuferin, die in der stehenden Konkurrenz mitfährt, sagte einmal: "Ich wollte niemals eine Sonderbehandlung. Ich musste immer für die Ziele kämpfen, die ich erreichen wollte. Und ich habe sie erreicht." Mit sechs Jahren trat Rothfuss, die ohne eine linke Hand geboren worden war, dem Skiclub Loßburg bei. Inzwischen hat sie sogar mehr Paralympics-Medaillen (8) als Katja Seizinger, die in den Neunzigerjahren bei den Olympischen Spielen abgeräumt hatte (5). Bei Gold im Slalom kullerten Rothfuss Tränen über die Wange.

Erleichterung und Freude sorgen für Tränen

Rückblickend erklärt sie: "2014 war ein bisschen die Erleichterung und Freude da, dass sich das ganze Training ausgezahlt hat. Das sind emotionale Momente." Sie ergänzt: "Ich weiß nicht, ob ich wieder mit Gold nach Hause fahren kann."

Andrea Rothfuss ging als Fahnenträgerin bei den Paralympics 2014 in Sotschi voran.

Andrea Rothfuss war Fahnenträgerin bei den Paralympics 2014 in Sotschi.

Seit dem Weltcup-Debüt 2005 fuhr die inzwischen 28-Jährige unzählige Male die Pisten hinab. Bei der Eröffnungszeremonie in Sotschi durfte sie die deutsche Flagge tragen – eine Anerkennung für ihre Leistungen. Und doch gibt es mit Marie Bochet aus Frankreich mindestens eine nur selten schlagbare Konkurrentin. Rothfuss sagt über die viermalige Paralympics-Siegerin: "Es ist nicht so, dass wir außerhalb des Sports groß Kontakt haben. Aber wir haben voreinander Respekt und wissen was die andere zu leisten imstande ist." Deswegen muss Rothfuss noch lange nicht die ewige Zweite bleiben: "Wenn es bei der anderen läuft, bekommt man seine Fehler aufgezeigt – das, woran man arbeiten muss. Das treibt einen an, etwas draufzusetzen."

Rothfuss qualifiziert sich direkt beim ersten Weltcup-Rennen

Der Start in den Winter lief für die Sportlerin der VSG Mitteltal-Obertal immerhin verheißungsvoll. Gleich am ersten Weltcup-Tag (19.12.2017) sicherte sie sich im Riesenslalom im österreichischen Kühtai ihr Ticket für die Spiele. Im Gespräch mit sportschau.de gibt sie aber auch zu: "Ich habe noch immer ein paar kleine Probleme, wenn ich lange auf dem Ski stehe. Aber das sind Luxusprobleme." 2016 war ihr linkes Sprunggelenk gebrochen. Nach einer Pause kam Rothfuss aber gestärkt zurück: Bei den Weltmeisterschaften in Tarvisio besiegte sie die Top-Favoritin Bochet erst in ihrer Lieblingsdisziplin, dem Riesenslalom, und dann im Slalom.

Ihre Ansprüche sind somit sogar gestiegen: "Als Doppelweltmeisterin zu den Paralympics zu gehen, bedeutet sich auch dort hohe Ziele zu setzen. Da möchte ich eigentlich auch eine Goldmedaille mit heimnehmen." Einen Glücksbringer braucht sie dafür nicht. Wahrscheinlich wird ihre Mutter Gabriele zum Daumendrücken in Pyeongchang dabei sein. Ein paar koreanische Wörter beherrschen die beiden noch nicht: "So etwas wie 'hallo' oder 'guten Tag' sollte man lernen." Familie Rothfuss kann sich da auf viele Silben einstellen. Das Wort "hallo" heißt übersetzt "annyeonghaseyo". Leichter ist wohl der Begriff für das Material, aus dem die wertvollste Medaille besteht – "geum".

Bisherige Erfolge von Andrea Rothfuss

Paralympics:

  • Gold, Slalom, Sotschi, 2014
  • Silber, Riesenslalom, Sotschi (2014), Vancouver (2010) und Turin (2006)
  • Silber, Super-Kombination, Sotschi (2014)
  • Silber, Slalom, Vancouver (2010)
  • Bronze, Abfahrt, Vancouver (2010)
  • Bronze, Super-G, Vancouver (2010)

Gesamtweltcup 2016/17:

  • 1. Platz, Riesenslalom
  • 1. Platz, Super-G
  • 2. Platz, Slalom
  • 3. Platz, Abfahrt

Thema in: Das Erste, Sportschau, 28.12.2017, 14.30 Uhr

mkö | Stand: 20.12.2017, 19:11

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