Monoskifahrer Kreiter sucht die entscheidende Verbesserung

Georg Kreiter

Para-Ski-Alpin

Monoskifahrer Kreiter sucht die entscheidende Verbesserung

Georg Kreiter musste sich gedulden. Während andere aus dem deutschen Para-Ski-Alpin-Team die Norm für die Paralympics schon im Dezember in Kühtai erfüllt hatten, musste er bis ins neue Jahr warten. Sportschau.de verriet er: "Der Nachteil ist, dass ich mir viele Gedanken mache und dadurch vielleicht in die falsche Richtung arbeite. Wenn es nicht so läuft, fehlt die Lockerheit."

Soll er bei seinem Monoski am Regler für die Dämpfung drehen? Oder soll er die bisherigen Einstellungen beibehalten? Fragen wie diese beschäftigen den Monoski-Fahrer aus Oberbayern von Lauf zu Lauf. Er sagt: "Auf den Sport bezogen bin ich perfektionistisch, ehrgeizig. Ich gebe mich ungern mit etwas zufrieden und suche immer nach einer Verbesserung."

Noch fehlt Georg Kreiter eine Paralympics-Medaille

Kreiters erste Paralympics 2014 in Sotschi waren ein Desaster. Er stürzte im Super-G und Riesenslalom, zudem schied er im Slalom aus. Ohne Medaillen im Gepäck wurde er nachdenklich: "Kurz habe ich überlegt, ob ich mit dem ganzen Schmarrn aufhören soll. Dann habe ich das ein paar Wochen sacken lassen und gemerkt, dass ich gern Skifahren will."

Draußen zu sein, war weiterhin sein Wunsch. Wie 2002, als er im Krankenhaus aus dem künstlichen Koma erwachte. Als 17-Jähriger war er mit seinem Motorrad in einem Waldstück gegen einen Baum geprallt. Er war Fußballer und auf dem Weg zu seinem ersten B-Jugend-Spiel. Nun ist er ab dem fünften Brustwirbel gelähmt und kann nur seine Arme, Kopf und Nacken, die Brustmuskulatur und die Schultern bewegen. Rückblickend erklärt er: "Für mich war klar, dass ich das Beste daraus mache. Viele Probleme sind gar nicht so tragisch."

Georg Kreiter mit einem gebrochenen Ski (li.) und in seinem Rollstuhl (re.).

Georg Kreiter mit einem gebrochenen Ski (li.) und in seinem Rollstuhl (re.).

Vor dem Fernseher wurde er 2006 durch die Paralympics in Turin auf das Monoski-Fahren aufmerksam. Seit 2010 ist er Mitglied der Nationalmannschaft. In dieser braucht er am längsten, um mit seinem Monoski eins zu werden. Über das Anlegen des Geräts sagt er: "Es ist schon wichtig, dass man gerade reinkommt. Alles ist relativ eng." Da kann es schon einmal zehn Minuten dauern, ehe es losgeht. Seit 2015 ist er mit seinem nunmehr dritten Monoski unterwegs. Kreiter analysiert: "Beim Alten Modell war der Vorteil, dass das ganze Modell leichter und schneller zu handeln war. Der Nachteil war, dass es bei unruhigen Bedingungen wie Schlägen unruhiger war, weil das Dämpfungssystem weniger feinfühlig war." Etwa 18 Kilogramm wiegt der Monoski.

Riesenslalom bleibt Georg Kreiters Lieblingsdisziplin

Unabhängig vom Modell kommt noch eine weitere Problematik dazu. Bei Spekulatius, Lebkuchen und Co. durfte Kreiter in der Weihnachtszeit nicht allzu oft zugreifen: "Ich darf nicht zunehmen, das geht auf keinen Fall. Eine neue Skihose kann ich nicht nutzen, weil ich nicht in mein Gerät passe." So ist das bei Maßanfertigungen.

So geht es in der bisherigen Hose auf die Piste. Dabei bleibt der Riesenslalom Kreiters Parade-Disziplin. Er erklärt: "Da rechne ich mir selbst am meisten aus, da habe ich die größten Ambitionen. Das liegt mir einfach, da komme ich am besten zurecht."

Georg Kreiter im Sommer 2017 beim Paddeln auf dem Starnberger See.

Ausgleich zwischen den Weltcup-Saisons: Georg Kreiter im Sommer 2017 beim Paddeln auf dem Starnberger See.

Für den nächsten Winter gibt es noch keinen Plan

Langsam macht sich Optimismus bei ihm breit: "Ich bin zuversichtlich, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Es hat die ersten Weltcup-Rennen nicht so geklappt, wie ich mir das vorgestellt hätte, aber das war auch in den Jahren zuvor so." Und sollten ihn Selbstzweifel plagen, könnte er den Sportpsychologen Guido Appel kontaktieren. "Schorsch", wie er im deutschen Team genannt wird, sagt: "Das muss jeder Athlet für sich selbst entscheiden. Ich habe da aktuell keinen Bedarf, aber vielleicht kommt das vor Pyeongchang noch einmal in Frage."

Ob er nach den Wettkämpfen im März weitermacht, lässt Kreiter noch offen: "Das werde ich frühestens nach den Spielen entscheiden. Das wird stark davon abhängen, wie es läuft und wie ich Lust habe, weiterzumachen."

Georg Kreiter

Bisherige Erfolge von Georg Kreiter

Weltmeisterschaften:

  • Gold, Riesenslalom und Super-Kombination, Panorama, Kanada (2015)
  • Silber, Teamwettbewerb, Sestriere, Italien (2011)

Paralympics:

  • 8. Platz, Abfahrt, Sotschi (2014)

Thema in: Das Erste, Sportschau, 28.12.2017, 14.30 Uhr

mkö | Stand: 12.02.2018, 16:39

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