Mahnende Worte von DBS-Präsident Beucher - "Nicht zur Tagesordnung übergehen"

Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes

Paralympics

Mahnende Worte von DBS-Präsident Beucher - "Nicht zur Tagesordnung übergehen"

Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), setzt sich für die Akzeptanz des paralympischen Sports ein. Er sagte: "Man kann nicht zur Tagesordnung übergehen."

Friedhelm Julius Beucher, das deutsche Team hat in Pyeongchang 19 Medaillen errungen. Da geraten Sie bestimmt ins Schwärmen?

"Die Athletinnen und Athleten haben eine unglaubliche Moral bewiesen. Wir haben zudem 22 Platzierungen auf den Plätzen vier bis acht. Das ist neben den 19 Medaillen eine tolle Entwicklung. Mir sind schon vor drei Tagen die Steigerungen von Glückwünschen und Lob ausgegangen."

Vor vier Jahren waren es 15 Medaillen in Sotschi.

"Das Ergebnis von Sotschi war schon sensationell. Das haben wir sogar noch getoppt. Man muss das erst einmal schaffen, die fünftbeste Nation der Welt zu sein. Es war eine geschlossene Mannschaftsleistung. Das fängt mit dem Material und mit der Betreuung an. Wir haben im letzten Jahr Ergebnisse hingelegt, die uns hoffnungsfroh gestimmt haben. Aber entscheidend ist in der Loipe und auf der Piste. Man muss diese Leistungen abrufen. Das ist beispielhaft gelungen, dabei gab es kaum zumutbare Bedingungen. Ich denke da an die Sitzschlittenfahrer, die einfach eine Spur benötigen, um den Berg hochzukommen. Trotzdem haben sie Medaillen gewonnen. Da sage ich: 'Chapeau.'"

War die Leistungssportreform ein Grund, dass es nun gut läuft?

"Ich habe da ja mit am Tisch gesessen und verteidige diese Leistungssportreform. Ich bin stolz darauf, dass wir einvernehmlich die Gleichbehandlung von Olympischem und Paralympischem Sport festgelegt haben. Das muss jetzt umgesetzt werden. Das heißt: mehr hauptamtliche Trainer, mehr Geld für Wettkämpfe, Sicherstellung der Berufsperspektive der Athleten. Freizeitsportler haben im paralympischen Wintersport keine Chance."

Wie geht es denn mit der Förderung der Athleten weiter?

"Wir haben jetzt erfreulicherweise eine Bundesregierung. Wenn jetzt der Haushalt beschlossen wird, hoffe ich, dass die Leistungen Anerkennung finden. Wir wollen eine angemessene Förderung auf den Weg bringen und sicherstellen."

Neben der Förderung ist auch die Klassifizierung ein Thema, das die Sportler nicht loslässt.

"Man muss einfach selbstkritisch eingestehen, dass die Klassifizierung eine Achillesferse des Behindertensports ist. Da sind medizinische Grundlagen unverzichtbar. Für den Außenstehenden ist es einfach nicht nachvollziehbar. Da muss solange daran gearbeitet werden, bis die letzten Zweifel beseitigt sind. Es ist nichts schlimmer, als ins Rennen zu gehen und zu wissen, dass jemand bevorteilt ist."

Es gab in den vergangenen Wochen Entspannungsversuche von nord- und südkoreanischer Seite. Hat das die Spiele überfrachtet oder gezeigt, was der Sport kann?

"Der letzte Halbsatz war richtig. Der Sport kann vermitteln. Er ist nicht unpolitisch. Die Staatspräsidenten machen konkrete Termine aus. Selbst Herr Trump hat eingelenkt und nicht weiter angeheizt. Wir haben den Ansatz geleistet, dass Menschen miteinander sprechen."

Bisher gab es keine positiven Doping-Tests in Südkorea. Ist das ein gutes Zeichen?

"Es hat noch nie so viele Tests vor, während und nach den Paralympics gegeben. Wir haben aber ein internationales Regelwerk, das anerkannt werden muss. Es darf nicht sein, dass Russland den McLaren-Report bis heute nicht anerkannt hat. Wenn sie das nicht tun, müssen sie die Konsequenzen tragen. Da bin ich enttäuscht von der Führung des IPC. Es ist eine Individualabwägung erfolgt. Mikhalina Lysowa durfte teilnehmen. Das trägt nicht zur Akzeptanz des paralympischen Sports bei. Da kann man nicht zur Tagesordnung übergehen."

tvw

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