Die ewigen Duelle: Rothfuss vs. Bochet und Schaffelhuber vs. Loesch

Andrea Rothfuss vs Marie Bochet; Anna Schaffelhuber vs. Claudia Loesch

Para Ski Alpin

Die ewigen Duelle: Rothfuss vs. Bochet und Schaffelhuber vs. Loesch

Im Leistungssport gibt es immer wieder packende Duelle, in denen sich die Kontrahenten gegenseitig zu neuen Bestleistungen anspornen. Das ist im alpinen Para-Sport nicht anders. Wir blicken auf die Zweikämpfe zwischen Andrea Rothfuss und Marie Bochet sowie zwischen Anna Schaffelhuber und Claudia Loesch.

Was im Radsport Lance Armstrong für Jan Ullrich war, ist im alpinen Para-Sport Marie Bochet für Andrea Rothfuss: die ewige Konkurrentin. Wer bei den Damen in der stehenden Disziplin gewinnen will, muss an der 23-jährigen Französin vorbei. Seit Jahren dominiert sie sämtliche Kategorien nach Belieben – von der Abfahrt bis zum Slalom. In der Saison 2015/2016 holte sie den Ski-Grand-Slam, also den Gesamtweltcup in den Disziplinen Abfahrt, Super-G, Riesenslalom und Slalom.

Andrea Rothfuss

Andrea Rothfuss hat die Fähigkeit, sich im Verlauf einer Saison zu steigern.

In Sotschi hat sie gleich vier Goldmedaillen gewonnen. Und auch bei Weltmeisterschaften und Weltcups findet sich Bochet, die mit einer Fehlbildung des linken Unterarmes geboren wurde, meist ganz oben wieder. 15 Weltmeistertitel und über 65 Siege in Weltcuprennen sind ihre beeindruckende Bilanz. Andrea Rothfuss hat aufgrund der Dominanz der Französin bereits den ein oder anderen Titel verpasst. Die deutsche Athletin ist die ärgste Konkurrentin von Bochet und landet meist „nur“ auf dem zweiten Platz.

Wettkampftyp Rothfuss ist gefordert

Aber dass Bochet nicht unbezwingbar ist, hat Rothfuss bei der Weltmeiterschaft 2017 in Tarvisio in Italien gezeigt. Nachdem sie in den ersten drei Rennen immer das Nachsehen hatte, gelang ihr im letzten Wettkampf die Überraschung im Riesenslalom. Sie lag nach dem ersten Durchgang nur mit zwei Hunderststel hinter Bochet und konnte sich im zweiten Lauf nochmal steigern und ihre Konkurrentin bezwingen. „Diese Medaille ist mir noch mehr wert als Gold in Sotschi“, sagte Rothfuss damals. Bei den Paralympischen Spielen 2014 profitierte sie von einem Sturz Bochets und sicherte sich im Slalom Gold.

Andrea Rothfuss und Marie Bochet bei den Paralympischen Spielen 2014 in Sotschi

Gibt es in Pyeongchang das gleiche Bild wie in Sotschi? Andrea Rothfuss (links) musste Marie Bochet (Mitte) den Vortritt lassen. Dritte wurde Solene Jambaque (rechts).

Auch ARD-Experte Gerd Schönfelder sieht in Marie Blochet die Favoritin für die Wettkämpfe in Pyeongchang, aber Andrea Rothfuss ist keinesfalls chancenlos. „Die Andrea hat den Vorteil, dass sie sich bei einer WM oder den Paralympics immer noch steigern kann und sehr nervenstark ist. Sie ist ein Wettkampftyp.

Schaffelhuber gegen Loesch - Duell auf Augenhöhe

Deutlich ausgeglichener ist das Duell zwischen der Österreicherin Claudia Loesch und Anna Schaffelhuber bei den Mono-Skifahrerinnen. In der letzten Saison fiel Loesch verletzungsbedingt aus. Aber in dieser Saison meldete sich die gebürtige Wienerin eindrucksvoll zurück und hatte in den wenigen Weltcups diese Saison häufiger die Nase vorn.

Die deustche Monoskifahrerin Anna Schaffelhuber

Anna Schaffelhuber gilt als sehr ehrgeizige und professionelle Athletin.

Claudia lässt den Ski unglaublich gut laufen und fährt sehr mutig“, sieht Schönfelder die Ursache für ihren aktuellen Erfolg. Der größte Vorteil von Anna Schaffelhuber ist ihre Professionalität und ihr Ehrgeiz: „Anna ist sehr fleißig. Sie arbeitet sehr gewissenhaft und kümmert sich um ihren Körper und ihr Material.

Guter Start könnte entscheidend sein

Seit Vancouver gibt es beim Monoski der Damen ein Duell auf Augenhöhe. 2014 konnte sich Schaffelhuber in Sotschi durchsetzen und räumte alles ab. Fünf Goldmedaillen standen für die Regensburgerin auf der Habenseite. Ein Jahr später bei der WM in Panorama sah das schon wieder anders aus. Dort konnte Loesch drei Goldmedaillen abräumen, Schaffelhuber „nur“ eine.

Wer in Pyeongchang das Rennen machen wird, ist völlig offen. „Das steht wirklich bei 50:50 und wird eine ganz enge Kiste“, schätzt Schönfelder den Zweikampf ein. „Es wird für die Psyche wichtig sein, einen guten Start zu haben und gut ins erste Rennen reinzukommen.“ Ein leichter Vorteil für Schaffelhuber könnte darin liegen, dass sie den Weltcup in Pyeongchang im letzten Jahr für sich entscheiden konnte und mit einem guten Gefühl in das Rennen geht.

Anna Schaffelhuber jubelt beim IPC Europacup in St. Leonhard vor Claudia Loesch und Anna-Lena Forster

Beim IPC Europacup in St. Leonhard gewann Anna Schaffelhuber (Mitte) vor Claudia Loesch (links) und Anna-Lena Forster (rechts).

Frei nach der Redensart „Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte“, könnte Anna-Lena Forster von dem Zweikampf profitieren. Sie ist vor allem in den technisch anspruchsvollen Disziplinen wie Slalom sehr stark, hat ihre Material umgestellt und ebenfalls realistische Siegchancen.

jbr | Stand: 18.01.2018, 13:52

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