Im Schatten von Olympia: Die unmenschliche Behandlung der Uiguren

Sportschau 08.02.2022 08:54 Min. Verfügbar bis 31.08.2022 Das Erste

Olympia | Peking

Menschenrechtsaktivistin beklagt Propaganda mit uigurischer Fakelläuferin

Stand: 08.02.2022, 19:13 Uhr

China steht wegen Menschenrechtsverletzungen massiv in der Kritik. "Dass eine Uigurin die Flamme entzündet, heißt nicht, dass es den Uiguren gut geht", sagt Menschenrechtsaktivistin Zumretay Arkin im Sportschau-Gespräch.

Mit dem Auftritt der uigurischen Fackelläuferin Dinigeer Yilamujiang bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele hatte China für Aufsehen gesorgt, da die Gastgeber internationalen Vorwürfen über eine Unterdrückung der muslimischen Minderheit ausgesetzt sind.

ARD-Moderation Julia Scharf sprach mit der Menschenrechtsaktivistin Zumretay Arkin, die aus der westchinesischen Provinz Xinjiang geflohen ist.

Julia Scharf: Wann und wie ist es Ihnen gelungen zu fliehen, und wie alt waren Sie damals?

Arkin: "Vielen Dank, dass ich hier sein darf. Ich habe mein Land verlassen, als ich zehn Jahre alt war. Da bin ich mit meiner Familie nach Kanada gezogen. Seitdem konnte ich natürlich nicht wieder zurück. Zwischen 2009 und 2011 war das noch möglich, aber seitdem habe ich die Familie nicht mehr gesehen."

Was haben Sie davor dort erlebt. Was ist Ihnen noch im Gedächtnis?

"Als wir zum ersten Mal zurückkamen, waren wir bei dem Urumqi-Massaker zugegen, das ist die Stadt, in der ich geboren wurde. Da waren friedliche Proteste, und die wurden von der chinesischen Regierung angegriffen.

Das Erste, was uns am Flughafen passierte, war, das wir herausgezogen wurden wegen unseres Profils. Wir wurden verhört am Flughafen über die Gründe, warum wir Peking oder China besuchen. Für die Uiguren ist das natürlich sehr, sehr schlimm, aber seit 2009 ist die Situation absolut eskaliert und wir sprechen von Völkermord."

Sie waren auch in einem Film, den Felix Neureuther gemacht hat. Er hat sich vor den Spielen um das IOC und auch den Fakt, dass die Spiele nach Peking vergeben wurden gekümmert. (...) Haben Sie einen Funken Hoffnung, dass trotzdem über diese Berichterstattung etwas zum Positiven verändern wird?

"Das hoffen wir auf jeden Fall. Was wir als MenschenrechlerInnen hoffen, dass sich die Spiele auf den Sport konzentrieren. Aber wir hoffen auch, dass es auch für die Menschenrechtsverstöße, die passieren, genügend Aufmerksamkeit geben wird. Natürlich gilt es auch für China.

Aber auch für Tibet, China, Hongkong - diese brutale Niederschlagung der verschiedenen ethnischen Gruppen. Dass die internationale Gemeinschaft diesen Moment nutzen wird, um wirklich Druck auf die chinesische Regierung auszuüben."

Uigurin Dinigeer Yilamujiang (links) und Jiawen Zhao entzünden das Olympische Feuer

Uigurin Dinigeer Yilamujiang (links) und Jiawen Zhao bei der Eröffnungsfeier

Der Auftritt der uigurischen Fackelläuferin Dinigeer Yilamujiang bei der Eröffnungsfeier. (...) Wie kam das Ganze bei Ihnen an?

"Ich war ganz geschockt, als ich das gesehen habe, denn das haben wir auch mit dem IOC besprochen. Wir haben uns zweimal mit dem IOC getroffen und haben angekündigt, dass China das nutzen wird, um Propaganda zu verbreiten. Genau das ist passiert.

Die Reaktion des IOC war, naja, diese Olympischen Spiele sind einfach nicht politisch und es geht nicht um politische Dinge. Aber wir sagen immer noch, das es nicht politisch ist, sondern dass es hier um Menschenrechte geht. Es geht um Völkermord, das ist kein politisches Thema, es geht um Freiheit.

Und dass die Chinesen eine uigurische Athletin für die Eröffnungszeremonie verwenden, ist absolut politisch motiviert. Das hätte nicht schlimmer sein können. Das ist das, was all diese Dinge einfach negiert, die passieren sollen. Jeder sagt immer, ach ja, alles ist prima.

Denn sehen sie doch hier, wir haben eine uigurische Athletin, die das olympische Feuer entzündet, und dabei gibt es gleichzeitig diese Lager. Ich habe Familienmitglieder persönlich, die in diesen Lagern sind. Und das eine Uigurin die Flamme entzündet, heißt nicht, dass es den Uiguren gut geht."

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