Drei Monate vor Olympia: Japan ruft Corona-Notstand für Tokio aus

Sollen Spitzensportler, die an den Olympischen Spielen in Tokio teilnehmen, bevorzugt geimpft werden? Die Diskussion ist in vollem Gange.

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Drei Monate vor Olympia: Japan ruft Corona-Notstand für Tokio aus

Genau drei Monate vor der olympischen Eröffnungsfeier hat Japan den Corona-Notstand für mehr als 30 Millionen Menschen ausgerufen. Der ohnehin geschwundene Rückhalt für die Sommerspiele in Tokio droht weiter zu sinken.

Mitten im unerbittlich tickenden Olympia-Countdown hat Japan erneut einen weitreichenden Corona-Ausnahmezustand verhängt. Genau drei Monate vor Beginn der im Land ohnehin umstrittenen Sommerspiele kündigte Premierminister Yoshihide Suga der Bevölkerung erneut strenge Beschränkungen an.

30 Millionen Menschen betroffen

Der dritte Notstand, der zunächst von Sonntag bis zum 11. Mai dauert, soll die dritte Virus-Welle stoppen - auch, um die Olympia-Aussichten nicht noch mehr zu trüben. "Wir haben heute entschieden, den Notstand in den Präfekturen Tokio, Kyoto, Osaka und Hyogo zu erklären", teilte Suga mit. Mehr als 30 Millionen Menschen leben in den vier Gebieten auf der japanischen Kerninsel Honshu.

Suga begründete dies mit dem starken Anstieg der Corona-Infektionen und der Ausbreitung neuer Virus-Varianten. Trotz im internationalen Vergleich immer noch niedriger Inzidenzwerte herrscht Alarmstimmung im Inselreich. Der Ausnahmezustand soll diesmal mit stärkeren Maßnahmen als bei den vorherigen Notfalllagen einhergehen.

Lockdown fällt in die Zeit der "Goldenen Woche"

"Wir haben ein starkes Gefühl der Krise", sagte Wirtschaftsminister Yasutoshi Nishimura. Der dritte Notstand in Japan nach Januar und Februar fällt in die Zeit der "Goldenen Woche" mit großen Feiertagen rund um den 1. Mai, in der normalerweise ein enormes Maß an Reisen im Land verzeichnet wird. Nun könnten Verkehrsverbindungen im Land gedrosselt werden.

Große Sportveranstaltungen sollen zudem nun nur ohne Zuschauer stattfinden, außerdem dürfen Gaststätten keinen Alkohol mehr ausschenken. "Wir werden starke, kurze und gezielte Notfallmaßnahmen ergreifen", sagte ein Regierungssprecher. Welche Auswirkungen die neuerliche Verschärfung der Krise auf die Sommerspiele in Tokio (23. Juli bis 8. August) haben wird, ist noch nicht absehbar. Doch private Beschränkungen (auch) zugunsten des Festhaltens an Olympia werden den Zuspruch der Bevölkerung für die Sommerspiele weiter schrumpfen lassen.

Tokio drei Monate vor Olympia im Ausnahmezustand

Sportschau 23.04.2021 01:07 Min. Verfügbar bis 23.04.2022 ARD


Erste Infektion beim Fackellauf

Zuletzt hatten sich in einer Umfrage der Nachrichtenagentur "Kyodo News" mehr als 70 Prozent der Bevölkerung für eine Absage oder zumindest erneute Verlegung der Olympischen Spiele ausgesprochen. Der ebenfalls umstrittene traditionelle Fackellauf im Vorfeld war am 25. März gestartet worden, dabei war es am Donnerstag zu einem ersten offiziellen Coronafall im Rahmen der Veranstaltung gekommen.

Japan hatte am Freitag (23.04.2021) eine Sieben-Tage-Inzidenz von rund 25. Die ist im Vergleich zu Deutschland noch recht niedrig, sie steigt aber deutlich an. Am Donnerstag hatte die Zahl der gemeldeten Fälle in dem 126-Millionen-Einwohner-Land erstmals seit Januar wieder die 5.000 überschritten. Der Tages-Höchstwert lag während der zweiten Welle bei 7.855 Fällen am 9. Januar.

sid | Stand: 23.04.2021, 13:34

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