Alessa Pröpster: eine Siegerin der Olympia-Verschiebung?

Alessa Pröbster hofft auf Tokio 2021

Olympia | Bahnrad

Alessa Pröpster: eine Siegerin der Olympia-Verschiebung?

Für Bahnsprinterin Alessa Pröpster, Doppel-Weltmeisterin bei den Juniorinnen, ergeben sich nach dem Abitur ideale Voraussetzungen für eine mögliche Teilnahme an den Olympischen Spielen 2021 in Tokio - und das nach einer wahren Verletzungs-Odyssee. Sie könnte sogar zu einer Gewinnerin der Olympia-Verschiebung werden.

"Ich wollte als kleines Kind schon immer Polizistin werden", gesteht Alessa Pröpster und lacht. "Von daher passt das ganz gut!" Was da so gut passt, das ist die Aufnahme der 19-jährigen Bahnsprinterin in die Sportfördergruppe der Bundespolizei. Gute Voraussetzung also um die Olympischen Spiele 2021 ins Auge zu fassen.

Grundlagen im Kraftraum

Kraftraum des Heinrich-Heine-Elitegymnasiums in Kaiserslautern: die Sprint-Spezialisten des Bahnteams Rheinland-Pfalz stemmen Langhanteln, machen Klimmzüge, analysieren Video-Aufzeichnungen. Mittendrin: Alessa Pröpster, eines der größten Bahnrad-Talente Deutschlands. "Olympia ist für jeden Sportler ein riesen Traum", sagt das 19-jährige Edel-Talent des RSC Ludwigshafen zwischen zwei Kraft-Einheiten. Die Junioren-Weltmeisterin im Sprint und Keirin gilt als potentielle Tokio-Kandidatin für nächstes Jahr - und würde bei einer erfolgreichen Olympia-Nominierung also profitieren von der Zwangsverschiebung durch Corona. "Im Kopf hab ich’s noch gar nicht richtig drin, dass die Chance besteht", erzählt sie. "Wenn’s klappt, klappt’s. Wenn nicht, dann nicht." Und Pröpster lacht erneut.

Rückschlag durch Bänderriss

Doch hinter der pragmatischen Gelassenheit verbirgt sich ein gesunder Ehrgeiz - und eine unglaubliche Verletzungsgeschichte. Denn vor knapp anderthalb Jahren erleidet Alessa Pröpster als Elite-Schülerin des Heinrich-Heine-Sportgymnasiums in Kaiserslautern einen dreifachen Bänderriss am rechten Knöchel - ausgerechnet beim Schulsport. Doch nach kurzer Zeit trainiert sie schon wieder, mit stramm verbundenem Fußgelenk. Und sie schlägt bei der Weltmeisterschaft doppelt zu: WM-Gold im Sprint und Keirin!

Berg- und Talfahrt der Gefühle

Aber: Der lädierte Knöchel schlägt Alarm. Eine Operation ist unumgänglich. Im Dezember 2019 unterzieht sich die Sprinterin dem unvermeidlichen Eingriff. "Erstmal war irgendwie Chaos", erinnert sie sich. "Durch die OP fiel es mir am Anfang ziemlich schwer, klarzukommen. Denn die anderen gingen ins Trainingslager und ich ging an Krücken…". Doch jetzt, nach erfolgreicher Reha und etlichen harten Trainings-Monaten, blickt Pröpster hochzufrieden zurück auf Berg- und Talfahrt der Gefühle: "Ich hatte einfach keine Lust mehr auf Training mit Schmerzen. Und man fragt sich natürlich: Hätte das jetzt sein müssen? Hätte ich anders entscheiden und Pause machen sollen? Aber ich bin froh, dass ich es so gemacht habe."

Perfekte Betreuung am Olympiastützpunkt

Alessa Pröpster legte ihr Abitur am Heinrich-Heine-Gymnasium mit 1,8 ab und bezieht in diesen Tagen ihr neues Einzelzimmer im Internat des Elite-Gymnasiums, um dort weiter wohnen und trainieren zu können. Denn der Standort Kaiserslautern ist von zentraler Bedeutung für die Entwicklung hochkarätiger Bahnsprinter. In Zusammenarbeit mit dem Olympiastützpunkt und dem seit zwei Jahren existierenden Bahnteam Rheinland-Pfalz genießen die jungen Athletinnen und Athleten ideale Bedingungen.

Frank Ziegler: der Gold-Trainer?

Zentrale Figur seit langer Zeit schon: Frank Ziegler. Der Coach, der auch schon Miriam Welte vom 1. FC Kaiserslautern zu Olympiasieg und Weltmeisterschaften begleitet hat, holte Alessa Pröpster vor zwei Jahren aus ihrer Heimat Jungingen im Zollernalbkreis zum RSC Ludwigshafen. Und die professionelle Begleitung tagein, tagaus trägt auch bei der hochgewachsenen Sprinterin Früchte. "Die Leistungsdiagnostik beweist: Es geht in die richtige Richtung", sagt die 19-Jährige. Zum Beispiel beim videogestützten Training mit der Langhantel, um die Kraft-Einheiten optimal für den Muskelaufbau zu nutzen, gleichzeitig aber Fehlbelastungen zu vermeiden - besonders wichtig angesichts der Knöchel-Odyssee bei Alessa Pröpster. "Man kann kleinste Details anschauen, auch in Zeitlupe - und dann eben die Technik verfeinern", erzählt sie. Und korrigiert einmal mehr die Haltung beim unvermeidlichen Eisenstemmen.

Tokio 2021 kein Muss

Im September geht für Pröpster die Ausbildung bei der Bundespolizei los. "Der perfekte Weg", wie sie sagt – sie, die schon als kleines Kind Polizistin werden wollte. Jetzt mit dem Ziel Tokio? "Ich will mir nicht so einen Druck machen. Ich sehe das ganz entspannt", formuliert die hochtalentierte Radsprinterin, um kurz danach erneut ihr ansteckendes Lachen hinterherzuschicken. Aber sie ist intelligent genug, um zu wissen: Ja, sie könnte aller Wahrscheinlichkeit nach eine Gewinnerin der Olympia-Verschiebung werden.

SWR | Stand: 11.09.2020, 16:20

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