DOSB-Chef: Olympia-Absage in Tokio träfe viele Athleten hart

Sportschau-Olympia-Podcast

DOSB-Chef: Olympia-Absage in Tokio träfe viele Athleten hart

Im Sportschau-Olympia-Podcast äußert sich DOSB-Chef Alfons Hörmann zu den Olympischen Spielen in Tokio, zur Menschenrechtsproblematik bei den Winterspielen 2022 in Peking und zur möglichen Bewerbung der Rhein-Ruhr-Region für die Sommerspiele 2032.

Eine Absage der Olympischen Spiele in Tokio hätte laut Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), schwerwiegende Folgen, auf mehreren Ebenen: "Es würden sicher in irgendeiner Form weniger Mittel in die internationalen Verbände und auch an die nationalen olympischen Komitees ausgeschüttet. Und das würden wir irgendwann auch am letzten Stützpunkt in Deutschland spüren", sagt er im Sportschau-Olympia-Podcast.

Sportler brauchen die Spiele

Betroffen wären auch die Sportler, vor allem diejenigen, die sonst nicht im Rampenlicht stehen. Hörmann sagt: "Die Athletinnen und Athleten, die viel Geld verdienen, die kommen ohne Olympische Spiele klar. Die richtigen Einschläge und die großen Problemstellungen kommen für die Sportler, die eben genau das Schaufenster Olympische und Paralympische Spiele benötigen."

Der Sportschau-Olympia-Podcast - Hörmann optimistisch, Peking und die Menschenrechte

Sportschau 09.02.2021 01:17:45 Std. Verfügbar bis 09.02.2022 ARD


Absolute Gewissheit gibt es vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie derzeit nicht, dass die Olympischen Sommerspiele im Juli in Tokio stattfinden können. Im Podcast verbreitet Hörmann Zuversicht. Er glaubt an die Spiele - "nach allem, was wir aus heutiger Sicht beurteilen können und an Daten und Informationen vorliegen haben".

Kein Olympia um jeden Preis

Die von den Japanern in einer Videokonferenz vorgestellten Sicherheitskonzepte hätten Vertrauen geschaffen und Glaubwürdigkeit. Die entsprechenden Playbooks machten Mut. Eine klare Absage erteilte Hörmann Olympischen Spielen um jeden Preis: "Das kann man nur mit Nein beantworten, weil es auch beinhalten würde, dass man mehr oder weniger die gesundheitlichen Folgen negiert. Das kann man nicht guten Gewissens tun."

Tag X gibt es nicht

Wenngleich es keinen "Tag X oder die berühmte Frist" gebe, müsse im zweiten Quartal eine Entscheidung gefällt werden, ob die Spiele stattfinden oder nicht. Im März, allerspätestens im April werde man zu endgültigen Weichenstellungen kommen müssen, "da es ja auch um logistische Vorbereitungen geht, die letzten Qualifikationswettkämpfe und, und, und".

Hörmann baut auf Fortschritt bei den Impfstoffmengen

Hörmann baut auch darauf, dass sich bis Juli "noch viel hinsichtlich von Schnelltests und Impfszenarien verändern" könne. Eine Bevorzung der Sportler bei der Corona-Impfstoffvergabe lehnt Hörmann wie die überwiegende Mehrheit der Athleten ab: "Aber die Athletinnen und Athleten, die weltweit zu Qualifikationswettbewerben unterwegs sind und später bei den Olympischen Spielen, die sollten, wenn es gut vertretbar ist, im zweiten Quartal möglichst bald an die Reihe kommen - nicht im Sinne einer Bevorzugung, sondern dann, wenn genügend Impfstoff da ist." Laut Politik gäbe es dann "ein völlig anderes Szenario" als zur Zeit.

Peking und Menschenrechte: Unbefriedigende Situation

Der DOSB-Chef nimmt auch Stellung zu der Menschenrechtsproblematik bezüglich der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking. Man sei im Gespräch mit verschiedenen Menschenrechtsgruppen, um sich ein eigenes Bild zu machen und die Athleten darauf vorzubereiten. Hörmann sagt: "Die Tatsache, dass sich seit den Spielen von Peking (im Sommer 2008, die Red.) nichts verbessert hat, in Teilbereichen offensichtlich sogar verschlechtert hat, kann niemanden zufriedenstellen."

Aktionen vor Ort - aber welche?

Nur vage äußert sich Hörmann dazu, wie der Sport Einfluss nehmen kann auf die politische Führung in China. "Im Grunde kann man schwerpunktmäßig entweder über Worte agieren oder gegebenenfalls in irgendeiner Form sich Aktionen vor Ort überlegen. Aber auch die wollen wohlüberlegt sein." Am Ende stehe zuerst das IOC in der Verantwortung.

"Durch Boykotte wurde im Grunde nichts erreicht"

Einen Boykott der Winterspiele in Peking hält Hörmann für einen falschen Ansatz: "Die Erfahrung lehrt, wenn man nur auf das Jahr 1980 zurückblickt, dass da, wo Boykotte umgesetzt wurden, im Grunde nichts erreicht wurde. Im Gespräch bleiben ist allemal sinnvoller. Deshalb schließe ich einen Boykott kategorisch aus. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass unsere Mannschaft, die Teammitglieder, in irgendeiner Form Verständnis dafür hätten."

Sport kann nicht politische Dinge regeln

Hörmann hält es mit Blick in die Zukunft für sinnvoller, große Sportereignisse an Länder zu vergeben, "die im weitesten Sinne unzweifelhaft sind - wobei wir wissen, dass es so viele Länder gar nicht gibt, bei denen man nicht irgendwelche Kritikpunkte ansetzen könnte." Der Sport könne nicht die Dinge lösen, die die Politik weltweit nicht geregelt bekomme.

Sommerspiele 2032 in NRW: Zuerst eine Bürgerbefragung

Auch zum aktuellen Stand der Bewerbung der Rhein-Ruhr-Region für die Olympischen Spiele im Sommer 2032 gibt Hörmann Auskunft. An erster Stelle stehe die Zustimmung der Politik und der Bürger. Am Tag der Bundestagswahl im September soll es in den relevanten Kommunen eine entsprechende Befragung geben.

"Wenn all diese Schritte, auch die Frage der Finanzierung, in Zusammenarbeit der Kommunen mit dem Land NRW und dem Bund, gesichert sind, wird sich der Sport gegebenenfalls bei der kommenden Mitgliederversammlung im Dezember mit dem Thema beschäftigen", sagt Hörmann.

red | Stand: 08.02.2021, 21:00

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