Langlauf: Regeln und Wissenswertes

Thomas Bing auf der zweiten Etappe der Tour de Ski

50 Kilometer bis zum Thron

Langlauf: Regeln und Wissenswertes

Die Langlauf-Wettbewerbe haben ihre Wurzeln in Norwegen. Kein Wunder also, dass die Favoriten bei den zwölf Entscheidungen in Pyoengchang aus Skandinavien kommen. Alles Wissenswerte zum Langlauf gibt's hier im Überblick.

Wo der Ursprung des Skilanglaufes liegt, ist nicht bekannt. In allen kalten Regionen nutzten Menschen eine Art Ski, um sich im tiefen Schnee fortzubewegen. Der erste wichtige Wettkampf fand Ende des 19. Jahrhunderts am norwegischen Holmenkollen statt. Noch heute sind die Skispiele am Hausberg von Oslo einer der Höhepunkte und traditioneller Abschluss jeder Ski-Saison. Die Sieger erwartet eine Audienz in der Loge des norwegischen Königs.

Ein Sport organisiert sich

Nicht nur die großen Langlauf-Wettbewerbe haben ihre Wurzeln in Norwegen. Auch die Fédération Internationale de Ski (FIS) wurde 1910 in Oslo, das damals noch Christiania hieß, gegründet. Heute beheimatet die FIS neben den Langläufern auch die alpinen Sportarten, Snowboard und die restlichen Nordischen Disziplinen.  

Olympia

Seit den ersten Winterspielen 1924 in Chamonix gehört der Langlauf zum olympischen Programm. Bei der Premiere wurden 18 und 50 Kilometer gelaufen. Der Norweger Thorleif Haug war in Frankreich Mann der Spiele. Er gewann nicht nur die beiden Langlauf-Goldmedaillen, sondern holte auch Gold in der Nordischen Kombination. Seine Bronzemedaille im Skispringen wurde ihm 50 Jahre später aberkannt, weil man einen Rechenfehler bemerkte, den die Kampfrichter gemacht hatten. Der Vierte von Chamonix, Anders Haugen, erhielt nachträglich die Medaille aus den Händen von Haugs Tochter. Die Frauen durften erst 1952 um Platzierungen kämpfen. In Oslo holte die Finnin Lydia Widemann den ersten Sieg der Olympia-Geschichte.

Klassisch oder frei - die Lauftechniken

Anfangs liefen noch alle Sportler in der sogenannten klassischen Lauftechnik. Das heißt, sie bewegten sich in vorgefrästen Loipen im Diagonalschritt oder per Doppelstockschub fort. Nur bergauf war ein sogenanntes Grätschen erlaubt. Der Finne Pauli Siitonen entwickelte in den 60er-Jahren einen neuen Laufstil, der den Langlauf revolutionieren sollte. Er fuhr dabei mit einem Ski weiter in der Loipe,  mit dem anderen stieß er sich, ähnlich wie beim Schlittschuhlaufen, seitlich ab. Aus dem einfachen Siitonen- oder Schlittschuhschritt entwickelte sich der doppelte: das heutige Skating. Weil die Skater deutlich höhere Geschwindigkeiten erzielten und man befürchtete, dass die neue Technik die klassische aus dem Leistungssport vertreibt, führte man die Trennung in klassische und freie Technik ein. Im Weltcup gab es in der Saison 1985/86 und bei den Weltmeisterschaften 1987 erstmals unterschiedlichen Disziplinen. Seit Calgary 1988 wurden auch bei den olympischen Spielen Rennen in beiden Stilrichtungen ausgetragen.

Die Strecken

In der Geschichte der Langlauf-Wettbewerbe kam es häufig zu Strecken- und Modusänderungen. Heute stehen bei Olympischen Spielen insgesamt zwölf Entscheidungen an. Frauen wie Männer suchen ihre Besten im Sprint, im Teamsprint, einem Intervallstartrennen, und im Massenstart. Dabei wechselt von Großereignis zu Großereignis die Technik. Außerdem werden Medaillen in der Verfolgung und in den Staffeln vergeben.

Überblick

Entscheidungen Frauen:

  • Sprint (klassische Technik)
  • Team-Sprint (freie Technik)
  • Einzel 10 km (freie Technik)
  • Verfolgung 15 km (7,5 km klassische Technik + 7,5 km freie Technik)  
  • Skiathlon (30 km klassische Technik)
  • Staffel 4x5 km (2x5 km klassische Technik + 2x5 km freie Technik)

Entscheidungen Männer:

  • Sprint (klassische Technik)
  • Team-Sprint (freie Technik)
  • Einzel 15 km (freie Technik)
  • Skiathlon 30 km (15 km klassische Technik + 15 km freie Technik)
  • Massenstart 50 km (klassische Technik)
  • Staffel 4x10 km (2x10 km klassische Technik + 2x10 km freie Technik)

Die Regeln

In der Qualifikation laufen alle Athleten die Wettkampfstrecke, die 30 Zeitbesten kommen ins "Viertelfinale". Dabei starten je sechs Sportler in fünf Läufen, die Besetzung richtet sich nach den Prologzeiten. Die Sieger und  Zweitplatzierten der einzelnen Läufe ziehen sicher ins Halbfinale ein. Die letzten zwei Startplätze im Semifinale werden mit den beiden Zeitschnellsten aufgefüllt. Für das Finale sind wieder der Sieger und der Zweitplatzierte der Halbfinals sowie zwei "Lucky loser" startberechtigt.

  • Teamsprint:

Im Teamsprint gehen zwei Läufer pro Team an den Start. Beide laufen abwechselnd je drei Mal die Sprintstrecke. Anders als im Weltcup darf bei Olympia jedes Land nur ein Zweierteam an den Start schicken. In zwei Vorläufen werden die zehn schnellsten Teams für das Finale gesucht.

  • Intervallstart:

Hier gehen die Starter einzeln, im Abstand von 30 Sekunden in die Loipe. Die sogenannte rote Gruppe der 30 am besten im Weltcup platzierten Läufer startet am Ende in umgekehrter Reihenfolge ihrer Platzierung, so dass der aktuelle Weltcupführende als Letzter auf die Strecke geht.

  • Verfolgung:

Bei der Verfolgung kommen beide Laufstile zum Einsatz. Im Massenstart, die Aufstellung erfolgt nach den Welt-Cup-Punkten, geht es zunächst im klassischen Stil auf die 7,5 Kilometer bzw. 15 Kilometer lange Teilstrecke. In einer Wechselzone tauschen die Läufer dann die Klassik-Ski gegen ein Skating-Paar ein und begeben sich auf die zweite Hälfte. Offiziell heißt der Wettkampf Verfolgung, weil nach dem Wechsel die Spezialisten der klassischen Technik von den Skating-Assen verfolgt werden. Wegen der charakteristischen Wechselzone und der Kombination zweier Techniken wird der Wettkampf auch Duathlon oder Skiathlon genannt.

  • Massenstart:

Die längste Strecke im olympischen Programm führt die Damen über 30 Kilometer und die Männer über 50 Kilometer. Die Teilnehmer stehen dabei  am Start entsprechend ihrer Weltcup-Platzierung. Da bei Großveranstaltungen die technische Ausführung in allen Disziplinen wechselt und bei der Nordischen Ski WM in Liberec der "lange Kanten" in der freien Technik absolviert wurde, gehen die Läufer in Whistler in der klassischen Technik an den Start.

  • Staffel

Auch hier gibt es einen Massenstart. Die ersten beiden Athleten einer Staffel laufen in klassischer Technik, die anderen beiden dürfen skaten. Bei den Frauen werden 4x5 Kilometer gelaufen, die Männer absolvieren 4x10 Kilometer.

Thema in: Wintersport im Ersten, ab 09.02.2018

red | Stand: 29.01.2018, 15:34

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