Savchenko - "Ich weine seit drei Tagen"

Aljona Savchenko weint

Interview mit Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Aljona Savchenko

Savchenko - "Ich weine seit drei Tagen"

Nach dem sensationellen Olympiasieg und drei Tagen Rummel braucht Aljona Savchenkos Körper eine Pause. Die Gold-Medaillengewinnerin liegt krank im Bett, nimmt sich aber trotzdem ausführlich Zeit für ein Interview mit sportschau.de. Immer wieder hustet die gebürtige Ukrainerin, während Sie über ihre schon jetzt legendäre Kür, den Patzer ihres Partners Bruno Massot im Kurzprogramm und ihre Zukunft spricht.

Frage: "Vor wenigen Tagen sind Sie Olympiasiegerin geworden. Wie liefen Ihre Tage seitdem ab?"

Aljona Savchenko: "Aufstehen, losfahren, zurückkommen, wieder losfahren - es war ein großer Rummel. Wir haben viele Medienanfragen, auch aus der Ukraine und Frankreich. Nur heute haben wir frei genommen, weil ich nicht mehr konnte. Mir tut alles weh, und ich schlafe eigentlich nur."

Frage: "Danke, dass Sie sich trotzdem die Zeit für das Interview nehmen. Ihr Olympiasieg hat ganz Deutschland bewegt. Nehmen Sie uns noch einmal mit zu diesem Moment, als Sie nach ihrer Kür in der Box saßen und auf die Konkurrenz gewartet haben?"

Savchenko: "Ich habe mich da gequält. Ich durfte da ja nicht raus und musste das anschauen. Aber ich habe nicht hingeschaut. Das waren die härtesten Minuten, die es gibt. Du kannst nichts mehr machen und musst warten."

Frage: "Aber dann kam ja der erlösende Moment als klar war, dass Sie Gold gewonnen haben …"

Savchenko: "Das war emotional. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, fang ich sofort wieder an zu weinen. Ich weine eigentlich seit drei Tagen. Ich kann einfach nicht mehr weinen."

Frage: "Am Ende der Kür waren Sie total glücklich. Woher wussten Sie, dass Ihr Partner Bruno Massot ebenfalls perfekt gelaufen ist?"

Savchenko: "Ich habe es an der Reaktion der Zuschauer erkannt, die sind einfach extrem mitgegangen. Bei den Sprüngen sehe ich es ja. Wenn Bruno gleichzeitig mit mir landet, dann ist er dreifach gesprungen. Landet er früher, dann heißt das, er ist nur doppelt gesprungen."

Aljona Savchenko/Bruno Massot

Die Olympiasieger im Paarlauf, Aljona Savchenko/Bruno Massot, genießen den Moment

Frage: "Wie im Kurzprogramm, als Massot beim dreifachen Salchow patzte …"

Savchenko: "Da war ich mir nicht sicher, ob er doppelt oder dreifach gemacht habe - ich hatte nur gesehen, dass er früh gelandet ist. Seine Mimik war nicht so freundlich, da habe ich verstanden, dass es nur doppelt war. Ich war da aber nicht wirklich traurig. Ich habe mir gesagt, das kann man nicht ändern und es gibt noch einen zweiten Tag."

Frage: "Wir haben bei Facebook Fragen für Sie gesammelt. Eine davon war, woher die Musik zum Programm kommt?"

Savchenko: "Unser Trainer Jean-François Ballester hatte das vorgeschlagen. Uns hat die Musik sofort gefallen. Aber als wir sie unserem Choreographen Christopher Dean (Anm. d. Red.: Olympiasieger von 1984) geschickt haben, hat er uns eine andere Musik zurückgeschickt. Die hat uns aber nicht gefallen. Wir wollten unbedingt "La terre vue du ciel" und haben uns damit durchgesetzt."

Frage: "Viele haben auch nach Ihrer mentalen Stärke gefragt. Ich weiß ja, dass Sie nicht mit einem Psychologen arbeiten. Wie können Sie dem Druck standhalten?"

Savchenko: "Ich arbeite ständig an mir. Ich weiß, dass ich stark bin und das selber managen kann. Ich stelle mir vor, wie ich die Kür perfekt machen muss. Diese Stärke kommt sicher von meinen Eltern, die haben mich gelehrt, positiv zu denken. Ich glaube, die waren zu Hause ganz ruhig und haben vor dem Fernseher gesessen."

Frage: "Ihr Vater spielt ja auch eine Rolle im Team, oder?"

Savchenko: "Ja, mein Vater war Gewichtheber und ist heute Fitness-Trainer. Er hilft uns in Oberstdorf in Konditionsfragen."

Frage: "Sprechen wir über die Zukunft. Wie geht es jetzt weiter - was passiert direkt nach Olympia?"

Savchenko: "Wir kommen am 26. Februar nach Hause zum Empfang in Frankfurt. Am 27. fahren wir zu der großen Schweizer Show "Art on Ice". Ab 10. März sind wir dann in Oberstdorf, trainieren eine Woche und fahren zur WM."

Frage: "Vor Olympia haben Sie gesagt, Sie möchten noch ein, zwei Jahre weitermachen. Hat sich das durch den Sieg geändert?"

Savchenko: "Meine Meinung hat sich nicht geändert (lacht). Jetzt würde ich sogar noch bis zu den nächsten Olympischen Spielen weitermachen. Aber unser Trainer Alexander König geht nach Berlin. Das liegt alles nicht nur in meinen Händen."

Frage: "Wer hat Ihnen denn eigentlich alles gratuliert?"

Aljona Savchenko/Robin Szolkowy

Aljona Savchenko mit ihrem früheren Partner Robin Szolkowy.

Savchenko: "Christopher Dean hat geschrieben, auch unser Ex-Trainer Ingo Steuer hat gratuliert. Mein Ex-Partner Robin Szolkowy hat mir eine lange Nachricht geschrieben, dass er natürlich wegen seines Paars traurig war (Anm. d. Red.: er betreute das Paar aus Russland, das auf Rang vier landete), aber sich sehr für mich freut."

Frage: "Letzte Frage: Haben Sie die lang ersehnte Goldmedaille eigentlich mit ins Bett genommen?"

Savchenko: "Ja. Die liegt neben meinem Kissen und da kommt sie auch nicht mehr weg."

"Vielen Dank für das Interview."

Das Gespräch führte Daniel Weiss

Stand: 18.02.2018, 17:23

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