Aljona Savchenko - Im fünften Anlauf auf den Olymp

Eiskunstlauf - Paarlauf

Aljona Savchenko - Im fünften Anlauf auf den Olymp

Von Ronny Eichhorn

Sie ist am Ziel ihrer Wünsche: Aljona Savchenko hat es allen Widerständen und Zweiflern zum Trotz geschafft und wird doch noch als Olympiasiegerin in die Geschichtsbücher eingehen.

Fünf Olympia-Teilnahmen, zwei Bronzemedaillen, Neuorientierung nach Sotschi mit neuem Trainer und neuem Partner auf dem Eis. Und dann verlief der Wettkampf in Pyeongchang wie ihre bisherige Olympia-Geschichte. Bittere Enttäuschung nach der Kurzkür und Gold eigentlich weg. Dann aber ein Eisgenuss mit Kür-Weltrekord und der absoluten Krönung.

Große Erfolge mit Robin Szolkowy

Wer ist diese Aljona Savchenko? Die gebürtige Ukrainerin siedelte vor 15 Jahren nach Deutschland über, fand in Chemnitz Robin Szolkowy als Paarlaufpartner. Unter den Fittichen des früheren Weltklasse-Paarläufers Ingo Steuer näherten sich Savchenko und Szolkowy schnell der Weltspitze. Doch die extrem ehrgeizige nunmehr Chemnitzerin wollte mehr. Es folgten 6 Weltmeister-Titel und vier Mal Gold bei Europameisterschaften.

Doch ausgerechnet bei Olympischen Spielen wollte es nicht ganz nach oben gelingen. In Turin 2006 wurde es der sechste, in Vancouver 2010 und Sotschi 2014 der bronzene Rang. Es krachte und knatschte danach zwischen Savchenko und Szolkowy. Die Trennung folgte, sie wollte mehr und er hatte keine Lust mehr, mit der nicht einfachen Savchenko zusammen auf das Eis zu gehen.

Großer Umbruch nach Sotschi

Das Jahr 2014 bedeutete aber nicht nur einen Bruch mit Szolkowy nach elf gemeinsamen Jahren. Auch Trainer Ingo Steuer, der nach Stasi-Enthüllungen viele Jahre schon keine Unterstützung vom Verband erhielt und quasi von dem deutschen Sportpaar finanziert wurde, stand plötzlich auf dem Abstellgleis. Hintergrund: Savchenko und ihr neuer Partner Bruno Massot wollten das Trainerhonorar nicht mehr zahlen. Zudem waren die gebürtige Ukrainerin und Steuer auch privat kein Paar mehr.

Nun also Massot, Oberstdorf statt Chemnitz und dazu mit Alexander König ein neuer, ganz anderer Trainer. Das große Ziel: Bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang 2018 noch einmal angreifen und dann doch noch die Goldmedaille gewinnen. Da beide für Deutschland antreten wollten, musste Massot die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen. Es sollte mehr als ein Jahr dauern, bevor der französische Eissportverband gegen 30.000 Euro die Freigabe erteilte.

Olympia-Gold mit Hindernissen

Schnell zeigte sich, dass diese Kombination funktioniert. Bei der WM 2016 holten Savchenko und Massot überraschend Bronze, ein Jahr später wurde es Silber. Olympia stand vor der Tür und das deutsche Paar ging neue Wege. Olympiasieger Christopher Dean schneiderte eine wunderschöne Kür, einen Mix aus Eistanz und Paarlauf. Und spätestens beim Grand-Prix-Finale in Nagoya im Dezember 2017, als sie erstmals die chinesischen Weltmeister Sui Wenjing/Han Cong schlugen und mit 157,25 Punkten einen neuen Weltrekord aufstellten, wurde der Goldtraum realistisch. Es war diese neue, für Aljona Savchenko ungewohnte, Lockerheit, die auf dem Eis zu einer neuen Leichtigkeit führte.

Doch ausgerechnet vor dem großen Höhepunkt erwischte es Aljona, zunächst am Fuß, dann folgte noch eine Erkältung. Die Generalprobe ging auch noch daneben, Savchenko patzte im Teamwettbewerb beim Wurf-Flip. Und nach der Kurzkür, als Massot seine Nerven nicht im Griff hatte, war Gold eigentlich schon weg. Eigentlich! Denn es folgte die Kür ihres Lebens. Und jetzt? Wird Savchenko mit 34 ihre Karriere beenden oder mit dem erst 29-jährigen Massot noch das ein oder andere Jahr dranhängen? "Ich genieße das heute. Was danach kommt, wir werden schauen", sagte Savchenko. Man darf gespannt sein.

Stand: 15.02.2018, 07:11

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