56 Sekunden fehlen DEB-Team zum Olympiasieg

Eishockey - Finale

56 Sekunden fehlen DEB-Team zum Olympiasieg

Von Sanny Stephan

Die deutschen Eishockey-Spieler haben die Silbermedaille nicht vergoldet, aber Sportgeschichte geschrieben. In einem dramatischen Finale verlor das DEB-Team in der Verlängerung gegen die Olympischen Athleten aus Russland.

Der kurze Moment der Enttäuschung wich schnell der Freude über die großartige Leistung, die die deutschen Spieler während dieser Olympischen Spiele gezeigt hatten. Der Außenseiter hatte sich bis ins Finale gekämpft und dort den Olympischen Athleten Russlands einen großen Kampf geliefert. "Wenn wir mal auf das gesamte Turnier zurückblicken, dann können wir unglaublich stolz sein, was wir hier mit der Mannschaft erreicht haben", sagte Verteidiger Christian Ehrhoff. "Wir waren so knapp davor, Gold zu gewinnen, deswegen war es natürlich im ersten Augenblick extrem schmerzhaft, das mitzuerleben", meinte Yannic Seidenberg: "Aber als die Medaillen kamen, war ich einfach nur unglaublich stolz, dabei gewesen zu sein und sie in der Hand zu haben."

Als Jonas Müller drei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit das 3:2 erzielte, war der Goldtraum sehr nahe, doch die Russen antworteten 56 Sekunden vor dem Schluss und erzwangen die Verlängerung. Dort nutzten sie ein Überzahlspiel zum 4:3 und machten die Goldmedaille perfekt.

"Es ist geschafft!", jubelte die Zeitung "Komsomolskaja Prawda" über den ersten Olympiasieg der "Sbornaja" seit 26 Jahren. Und "Agentur-R-Sport" schrieb: "Das Wunder auf dem Eis: Die russische Sbornaja kratzt den Deutschen das Olympia-Gold weg. Nur mit großen Problemen hat die Rote Maschine die Deutschen in der Verlängerung überwunden."

Mit Teamgeist zu Silber

Olympia-Silber ist der größte Erfolg einer deutschen Eishockey-Mannschaft. 1976 hatte die DEB-Auswahl mit Trainer-Legende Xaver Unsinn Bronze gewonnen. Platz drei gab es auch schon 1932, allerdings nahmen damals nur vier Teams teil.

Und nun also Silber. Wer darauf vor dem Turnier gewettet hätte, wäre vermutlich um einen Haufen Geld reicher. Schließlich war Deutschland als klarer Außenseiter in das Turnier gestartet, hatte sich aber mit Leidenschaft und Teamgeist bis ins Finale gekämpft und begeisterte gegen den Favoriten aus Russland mit einem leidenschaftlichen Spiel.

Schock vor der Drittelpause

Den zweiten Platz hatten die deutschen Cracks also sicher, doch jetzt wollten sie sich die Krone aufsetzen. Ohne Scheu hielten Christian Ehrhoff und Co. die Russen in den ersten Minuten vom eigenen Tor weg. Der Druck des Rekord-Weltmeisters nahm aber zu, doch auf Keeper Danny aus den Birken war wieder Verlass.

Auch eine Unterzahl nach einer Zwei-Minuten-Strafe gegen Ehrhoff wegen Hakens überstand die Mannschaft dank der Super-Taten von aus den Birken ohne Gegentor. Die Russen dominierten mit zunehmender Spieldauer, Deutschland gelangen nur vereinzelte Entlastungsangriffe und steuerte dennoch mit einem 0:0 der ersten Drittelpause entgegen. Doch eine halbe Sekunde vor der ersten Sirene versenkte Wjatscheslaw Wojnow einen Schlagschuss.

"There was a good Goal"

"Ein Tor ist im Moment gar nichts. Wir sind heiß, wir schlagen zurück", kündigte Marcus Kink in der ersten Pause im ZDF an. Und die DEB-Cracks kamen tatsächlich mit viel Power zurück, die Russen agierten nicht so offensiv wie vermutet, ließen ihren Gegenspielern viel Platz, schalteten aber immer mal wieder den Turbo an und brillierten mit einstudierten Spielzügen.

OAR - Deutschland

Felix Schütz trifft zum 1:1

Deutschland konterte. Und wie! Nach einem Angriff über Felix Schütz lenkte Keeper Wassili Koscheschkin den Puck ins eigene Tor. Dem Riesenjubel folgte das Zittern. Der Videobeweis musste bemüht werden, weil Patrick Hager den Puck mit dem Schlittschuh berührt haben soll. TV-Bilder zeigten, dass der deutsche Topscorer seine Kufen nicht im Spiel hatte. Das Tor zählte. Der Treffer beflügelte die Deutschen, die zum Ende des zweiten Drittels sogar ein Chancenplus verbuchten.

Drama im Schlussdrittel

OAR - Deutschland

Jonas Müller jubelt über das 3:2

"Kein Gegentor bekommen und eins schießen, dann gewinnen wir 2:1", nannte Felix Schütz die Erfolgsformel für das Schlussdrittel. Der Plan ging fast auf. Nach 13 taktischen Minuten nahm das Olympia-Finale Fahrt auf. Erst versenkte Nikita Gusew den Puck aus spitzem Winkel im kurzen Eck, keine 30 Sekunden später schlug Dominik Kahun zurück. Der Münchner traf nach einem feinen Rückpass von Frank Mauer aus zentraler Position: 2:2. Und Deutschland legte nach.

Die deutschen Eishockey-Spieler haben die Sensation im Olympia-Finale verpasst, aber dennoch Sportgeschichte geschrieben. In einem dramatischen Finale verlor das DEB-Team in der Verlängerung gegen die Olympischen Athleten aus Russland.

Russland jubelt mit seinen Fans, die deutschen Spieler schauen traurig zu.

180 Sekunden vor dem Ende traf Jonas Müller zum 3:2. Der Goldtraum schien perfekt. Die Russen nahmen den Torwart vom Eis und schafften 56 Sekunden vor der Schlusssirene das 3:3. Erneut traf Nikita Gusew aus spitzem Winkel. In einer packenden Verlängerung hielt aus den Birken sein Team mit einer grandiosen Reaktion gegen Kowaltschuk im Spiel. Als Patrick Reimer vom Eis musste, nutzten die Russen die Überzahl. Kirill Kaprizow traf zum entscheidenden Tor. Goalie aus den Birken war chancenlos, durfte sich aber kurz danach über die Auszeichnung als bester Torhüters des olympischen Eishockey-Turniers freuen.

Vom 05. bis 28. Februar berichten wir im ARD-Hörfunk, im Ersten und den Dritten Programmen ausführlich über die Olympischen Spiele.

sst | Stand: 25.02.2018, 07:57

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