Darja Domratschewa - Chaos-Queen mit Biathlon-Liebe

Darja Domratschewa

Biathlon - Staffel Frauen

Darja Domratschewa - Chaos-Queen mit Biathlon-Liebe

Von Christian Hornung

Mit dem Sieg von Weißrussland in der Staffel hat sich Darja Domratschewa zur erfolgreichsten Biathletin der Olympia-Geschichte gekrönt. Eine Königin ist sie aber auch im Bereich Chaos - und auch ihre Liebe ist spektakulär.

Mit ihren langen wehenden Haaren stürmt Darja Domratschewa der roten Ziellinie und dem Olympiasieg entgegen. Sie hat sich auf der Schlussrunde nach einer tollen Lauf- und Schießleistung und der großartigen Vorarbeit ihrer Staffel-Kolleginnen Nadseja Skardino, Iryna Krijuko, Dsinara Alimbekawa so einen Vorsprung herausgelaufen, dass sie noch Zeit hat, die etwas überdimensionierte Landesflagge in Empfang zu nehmen. Doch die löst sich plötzlich vom Stock - und so schwenkt Domratschewa im Zielbereich nichtsahnend und freudestrahlend eine Art Besenstiel.

Ein Norweger mit Kapuze

"Es wäre natürlich schöner gewesen, wenn die Fahne dran geblieben wäre. Aber auch so war es für uns vier ein unglaublicher Moment", sagte die 31-Jährige später mit einem glücklichen Lächeln. Nachdem sie im Zielbereich ihre drei Kameradinnen geherzt hatte, war ihr nächster Gratulant ein Norweger mit dicker Kapuze und hochgezogenem Schal. Doch den vermummten Herrn erkannte hier trotzdem jeder auf Anhieb: Es war Ole Einar Björndalen, der höchstdekorierte Biathlet der Historie.

Der hatte sich nach sechs Olympia-Teilnahmen diesmal nicht für die Spiele qualifiziert, eine Akkreditierung bekam er trotzdem: als Betreuer des weißrussischen Frauenteams. Das lag insofern nahe, als Björndalen seit zwei Jahren mit "Nascha Dascha" (unsere Dascha), wie sie in ihrer Heimat genannt wird, verheiratet ist.

Geteilte Liebe

Die spektakulärste Liebe des Biathlon-Kosmos teilen die beiden mit einer großen Gemeinde in den sozialen Netzwerken, auch die Geburt und das Aufwachsen der gemeinsamen Tochter Xenia wurde und wird mit öffentlichkeitswirksamen Fotos im Netz begleitet. Als Domratschewa und Björndalen sich nun in den Armen lagen, war der Besenstiel bereits fachgerecht mit einer kleinen Speerwurfeinlage entsorgt.

Der choreographisch so sicher nicht vorgesehene Zieleinlauf war irgendwie sinnbildlich für die Karriere der Athletin, die nun mit viermal Gold, je einmal Silber und Bronze Kati Wilhelm und die Slowakin Anastasiya Kuzmina als beste olympische Skijägerin abgelöst hat. Den geraden Weg hat Domratschewa schon des öfteren verlassen und damit auch bei ihrem Mentor und Ausbilder Klaus Siebert, der 2016 an Krebs verstarb, oft Ratlosigkeit hervorgerufen.

Stehend statt liegend

Bei einem Weltcup-Rennen in Oberhof hat sie schon einmal stehend geschossen, als sich all ihre Konkurrentinnen neben ihr bäuchlings auf die Matte begaben - denn der Liegendanschlag war dran. Ein anderes Mal, auch wieder in Thüringen, schoss sie zielsicher alle fünf Scheiben weg - aber sie wählte die aus der Nachbar-Bahn, musste fünfmal in die Strafrunde und sich anschließend mit Vorwürfen befassen, die sie in die Nähe des Wettbetrugs rückten.

Manchmal in einer eigenen Welt: Biathletin Darja Domratscheva

Manchmal in einer eigenen Welt: Biathletin Darja Domratscheva

Hochs und Tiefs lösten sich auch danach bei ihr ab. 2015 gewann Domratschewa zum ersten Mal den Gesamtweltcup, 2016 verpasste sie die komplette Saison wegen Pfeifferschem Drüsenfieber. Danach kam die Babypause, die Geburt von Xenia in Minsk und nur drei Monate später das Comeback. Die Winterspiele von Pyeongchang wollte sie nun eigentlich gemeinsam mit ihrem Gatten angehen, doch der ewige Björndalen musste dann doch irgendwann mal seinem Alter von inzwischen 44 Jahren Tribut zollen.

"Ein guter Tag"

Dass die beiden nun aber vereint von der Spitze des Biathlon-Olymps grüßen dürfen, ließ Domratschewa ein versöhnliches Fazit ziehen, und das schloss alle Aufs und Abs mit ein: "Der Tag, an dem ich mich für den Biathlonsport entschieden habe, war ein guter."

Stand: 22.02.2018, 18:01

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