Biathlon-Pleite - Peiffer sauer und selbstkritisch

Nach der Enttäuschung in der Mixed-Staffel

Biathlon-Pleite - Peiffer sauer und selbstkritisch

Von Christian Hornung

Es war keineswegs der Versuch, seine Leistung mit sechs Schießfehlern und einer Strafrunde schönzureden. Arnd Peiffer war nach der von ihm verpatzten Biathlon-Mixed-Staffel selbstkritisch - aber auch sauer auf den Weltverband.

Als der Schlussläufer auf die Strecke gegangen war, war eigentlich nur noch die Farbe der Medaille fraglich gewesen. Peiffers Vorsprung, den die überragenden Vanessa Hinz, Laura Dahlmeier und Erik Lesser herausgeschossen und -gelaufen hatten, war komfortabel: 32,6 Sekunden Vorsprung nahm er mit, allerdings saß ihm kein Geringerer als der französische Superstar Martin Fourcade im Nacken. Gold war also noch nicht gesichert.

Bronze vom Windisch verwehrt

Doch Peiffer vermasselte alles. Nicht nur Rang eins mit seinen beiden Nachladern im Liegendschießen, eigentlich seine Lieblingsdisziplin. Sondern auch noch Silber mit gleich vier Schießfehlern im Stehendanschlag, was eine Strafrunde zur Folge hatte - Frankreich und Norwegen zogen davon. Es hätte aber noch Platz drei werden können, doch Bronze wurde Peiffer im Schlussspurt vom Italiener Dominik Windisch verwehrt. Aber genau um diesen Schlussspurt gab es Stress.

Windisch war zwar mit leichtem Vorsprung auf die Zielgerade eingebogen, hatte dann aber in einem extra abgesteckten Korridor noch einmal die Seite gewechselt - und war damit Peiffer in den Weg gelaufen. Ein sofort eingelegter Protest der Deutschen Biathlon Union schien beste Aussichten auf Erfolg. Doch nach einer knapp halbstündigen Beratung wies der Weltverband den Einspruch ab. Begründung: Peiffer habe zu jeden Zeitpunkt sein Tempo halten können, er sei nicht ausgebremst worden.

Korridor-Wechsel ohne Zeitverlust?

Das war schon insofern hanebüchen, als Peiffer seine Linie verlassen und von links nach rechts in den anderen Korridor wechseln musste - ohne Zeitverlust nicht vorstellbar. Aber auch die Geschwindigkeit habe er nicht halten können, sagte der Geschlagene: "Ich habe sehr wohl Tempo verloren."

Schon gleich nach der Zieldurchfahrt hatte er seinen Konkurrenten zur Rede gestellt: "Warum läufst Du nicht einfach geradeaus? Wo ist das Problem?", fragte Peiffer Windisch, der später in der ARD zu dem Vorgang meinte: "Ich habe ihn nicht behindert. Ich glaube nicht, dass die Aktion ganz unfair war." Also nur ein bisschen unfair?

"IBU hat keine Eier gezeigt"

Die Deutschen hatten dazu natürlich eindeutige Ansichten. "Das war ein ganz klarer Regelverstoß, der eine Disqualifikation nach sich ziehen muss. Leider hat die IBU keine Eier gezeigt", ereiferte sich Erik Lesser über den Weltverband. "Demnächst können wir uns im Zielsprint auch schubsen oder uns die Stöcke wegreißen - interessiert ja eh keinen."

Peiffer meinte im Ersten: "Windisch hat mir gesagt, dass das seine Strategie gewesen war. Ich meinte, dass es eine Scheiß-Strategie ist. Ich finde es grundsätzlich immer problematisch, wenn es Regeln gibt und Regeln gebrochen werden, dass es dann keine Konsequenzen gibt."

"Ich habe es versaut"

Peiffer dachte auch an die Konsequenzen aus diesem Blitzurteil: "Was sollen sich andere Sportler jetzt denken? Man kann jetzt doch im Korridor wechseln, und es interessiert am Ende keinen? Was soll das? Aber ich weiß aus Erfahrung, dass die Jury eigentlich immer jeden Protest ablehnt, weil sie keine Courage hat." Lesser hatte das noch Tick deutlicher formuliert.

Bei aller Wut stellte Peiffer aber auch klar, dass niemand anders als er selbst die verpasste Medaille auf dem Gewissen hatte. Der Sprint-Olympiasieger gab zu: "Ich habe es versaut. Das tut mir für die anderen drei, die einen wahnsinnigen Job geleistet haben, unheimlich leid. Ich habe meinen Job heute einfach schlecht gemacht." Das hatte er mit der Jury des Biathlon-Weltverbandes durchaus gemeinsam.

Vom 05. bis 28. Februar berichten wir im ARD-Hörfunk, im Ersten und den Dritten Programmen ausführlich über die Olympischen Spiele.

Stand: 20.02.2018, 17:23

Darstellung: