Protest abgewiesen - Deutsche Biathleten ohne Mixed-Medaille

Arnd Peiffer

Biathlon-Mixed-Staffel

Protest abgewiesen - Deutsche Biathleten ohne Mixed-Medaille

Bis zum vorletzten Schießen lag die deutsche Biathlon-Mixed-Staffel mit Vanessa Hinz, Laura Dahlmeier, Erik Lesser und Arnd Peiffer auf Medaillenkurs, lange sogar auf Goldkurs. Doch Sprint-Olympiasieger Peiffer, der kurzfristig für den erkrankten Simon Schempp nachnominiert worden war, gab das sicher geglaubte Edelmetall aus der Hand.

Im Zielsprint um Bronze hatte der Italiener Dominik Windisch knapp die Nase vorn - allerdings nachdem er Peiffer kurz vor dem Ziel gekreuzt und möglicherweise behindert hatte. Das deutsche Team hatte deshalb unmittelbar nach Rennende Protest eingelegt. Die Jury lehnte diesen jedoch ab. Sie sah keine entscheidende Behinderung Peiffers durch Windisch auf den letzten Metern - eine halbe Stunde bangen Wartens war vorausgegangen.

"Wir müssen die Entscheidung schlichtweg akzeptieren", sagte Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig. Derweil war Peiffer untröstlich wegen seiner Leistung beim letzten Schießen. Auch Dahlmeier vermochte den Routinier nicht zu trösten.

Frankreich (Marie Dorin-Habert, Anais Besond, Simon Desthieux, Martin Fourcade) gewann das Rennen am Ende souverän mit 20,9 Sekunden vor den Norwegern (Marte Olsbu, Tiril Eckhoff, Johannes Thingnes Bö, Emil Hegle Svendsen), die bis zum dritten Starter zunächst weit zurücklagen, aber einen starken Endspurt lieferten.

Fehlerlose Hinz vorne dabei

Aber der Reihe nach: Für das DSV-Quartett eröffnete Hinz (Schliersee/0 Nachlader) das Rennen. Die 25-jährige erfahrene Startläuferin hielt läuferisch gut mit der zu Beginn führenden Italienerin Lisa Vittozzi mit und blieb sowohl beim Liegend- wie auch beim Stehendschießen fehlerfrei. Zwar war die Italienerin am Schießstand einen Tick schneller. Bis zum ersten Wechsel hatte Hinz die paar Sekunden Rückstand aber wieder so gut wie wettgemacht.

"Ich bin sehr zufrieden. Ich habe gewusst, wenn ich meinen Job durchziehe, dann müsste es klappen. Und Kompliment an unsere Techniker: Das Material war richtig bombastisch", sagte Hinz, die fast zeitgleich mit Vittozzi und der Französin Dorin-Habert zum ersten Wechsel kam.

Für Deutschland war nun Doppel-Olympiasiegerin Dahlmeier (Garmisch-Partenkirchen) im direkten Duell mit Dorothea Wierer (Italien) und Bescond (Frankreich) auf der Strecke. Mitfavorit Norwegen hatte zu diesem Zeitpunkt mehr als 30 Sekunden Rückstand.

Dahlmeier zieht davon

Laura Dahlmeier

Laura Dahlmeier bringt deutsche Mixed-Staffel in Führung

Nach dem Liegendschießen wurde aus dem Führungstrio ein Duo, denn Bescond leistete sich einen Fehler. Beim Stehendschießen konnte sich Dahlmeier dann trotz eines Nachladers alleine an die Spitze setzen und mehr als 20 Sekunden zwischen sich und Wierer bringen. Wierer benötigte deutlich mehr Zeit am Schießstand und verlor wertvolle Sekunden. Bis zum zweiten Wechsel konnte Dahlmeier den Vorsprung sogar noch weiter auf 29,9 Sekunden ausbauen.

Lesser zieht einsam seine Runden

Erik Lesser

Erik Lesser beim Schießen in der Mixed-Staffel

Lesser (Frankenhain) zeigte sowohl auf der Loipe als auch am Schießstand eine Topvorstellung. Lukas Hofer (Italien) musste immer weiter abreißen lassen auf den Deutschen, der seinen Konkurrenten alleine beim Liegendschießen sieben Sekunden abnahm. Stehend benötigte Lesser einen Nachlader, aber die Verfolger konnten daraus kein Kapital schlagen und patzten ihrerseits.

Beim letzten Wechsel hatte Lesser 32 Sekunden auf die nun fast zeitgleichen Franzosen, Italiener und Norweger herausgelaufen. Bö hatte die Norweger wieder an die Medaillenränge herangebracht.

Peiffer mit Blackout am Schießstand - Fourcade eiskalt

Martin Fourcade

Martin Fourcade in der Mixed-Staffel

Sprint-Olympiasieger Peiffer (Clausthal-Zellerfeld) verlor bereits auf seiner ersten Runde einige Sekunden. Beim Liegendschießen hatte er dann kein ruhiges Händchen: Die zwei Nachlader trafen zwar ins Ziel, Fourcade (Frankreich) kam aber ohne Fehler durch und war plötzlich bis auf sechs Sekunden an dem Deutschen dran.

Bereits auf der zweiten Runde schaltete Fourcade den Turbo ein und ließ Peiffer an einem Anstieg stehen. Norwegens Svendsen und Windisch (Italien) folgten mit noch gebührendem Abstand. Während Fourcade vorne dem Sieg entgegenlief, erlebte Peiffer beim Stehendschießen einen schwarzen Moment. Vier Fehler bedeuteten eine Strafrunde - nicht nur Gold, sondern auch Silber war weg.

Norwegen setzte sich an die zweite Position, Peiffer lief nun gegen Windisch um die Bronzemedaille - und verlor um 0,3 Sekunden. Zu der strittigen Szene sagte Windisch im Zielraum, er habe ohnehin den linken Zielkorridor ansteuern wollen und den hinter ihm laufenden Peiffer nicht gesehen. Der konterte: "Warum läust Du nicht einfach geradeaus? Wo ist das Problem?"

Vom 05. bis 28. Februar berichten wir im ARD-Hörfunk, im Ersten und den Dritten Programmen ausführlich über die Olympischen Spiele.

wp | Stand: 20.02.2018, 14:00

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