Biathlon - Deutsche Frauen schießen sich raus

Biathlon - Staffel Frauen

Biathlon - Deutsche Frauen schießen sich raus

Keine Chance für Deutschlands Biathletinnen in der Staffel: Nach desaströsen Schießleistungen der ersten drei Läuferinnen waren die Medaillenplätze weit weg, kurzzeitig drohte sogar eine Disqualifikation. Das Siegerpodium war eine Sensation.

Denn Weißrussland mit Schlussläuferin Darya Domracheva holte sich den Olympiasieg vor Schweden und Frankreich. Wie schon vor vier Jahren in Sotschi erlebte die deutsche Frauen-Staffel auch diesmal ein regelrechtes Desaster. Nach größten Schwierigkeiten am Schießstand reichte es nur zu Platz acht.

Das deutsche Team war mit vier Athletinnen gestartet, von denen drei vor vier Jahren beim Staffel-Rennen von Sotschi am Start gestanden hatten. Damals - als das Team nach einem Sturz von Franziska Preuß letztlich als Elfte ins Ziel kam - waren neben Preuß auch Laura Dahlmeier und Franziska Hildebrand dabeigewesen. Mit Denise Herrmann war diesmal also nur eine einzige "neue" Starterin am Start.

Preuß guckte nicht richtig hin

Trotz der unschönen Erinnerungen an das Rennen vor vier Jahren leistete auch diesmal Preuß bei dichtem Schneetreiben den Aufgalopp für das deutsche Team. Und beim ersten Liegendschießen arbeitete die 23-Jährige zunächst erfolgreich an der Beseitigung ihres Traumas, als sie sicher fünfmal traf. Kurzzeitig stand aber sogar eine Disqualifikation im Raum, weil Preuß irrtümlich glaubte, noch einmal nachladen zu müssen und es zunächst fraglich war, ob sie mit der Patrone im Gewehrlauf wieder auf die Strecke gegangen war.

Sie erklärte dazu: "Ich habe wohl nicht richtig hingeguckt und gedacht, ich hätte die vierte Scheibe stehen gelassen. Ich habe dann aber doch noch den Verschluss aufgemacht und die überflüssige Patrone noch auf der Matte rechtzeitig wieder entfernt." Zeit kostete die Sache trotzdem - und der nächste Tiefschlag folgte beim Stehendschießen, als Preuß wieder Nerven zeigte und sogar einmal in die Strafrunde musste.

"Kopf nicht klar gekriegt"

Als Preuß auf Herrmann wechselte, gab sie der ehemaligen Langläuferin über eine Minute Rückstand mit ins Rennen. "Ich habe meinen Kopf nicht klar gekriegt. Es tut mir wahnsinnig leid", meinte Preuß im Ziel. Vorn platzierte sich zunächst Italien, das mit Lisa Vitozzi eine fabelhafte Runde hinlegte und die Konkurrenz deutlich distanzierte. Dieser Trend bestätigte sich bei den folgenden Starterinnen, als Dorothea Wierer zwar im Liegendschießen zweimal in die Strafrunde musste, beim folgenden Stehendanschlag aber eine Meisterleistung zeigte und die Führung verteidigte.

Herrmann zeigt ebenfalls Nerven

Herrmann zeigte sich zunächst topfit und hochkonzentriert. Auf der Strecke bereits enorm schnell unterwegs, zeigte sie auch erst einmal Klasse am Schießstand und blieb liegend fehlerfrei. Doch wie Preuß erwischte es die 29-Jährige beim Stehendschießen.

Bei zunehmendem Wind, der für viel Verzweiflung bei fast allen Athletinnen sorgte, benötigte sie lange Zeit und kam am Ende doch nicht um eine Strafrunde herum. 1:34 Minuten Rückstand auf die Spitze und Rang zwölf beim zweiten Wechsel waren die Quittung. "Es war von Anfang an extrem schwierig. Man wusste überhaupt nicht, wie man treffen soll. Das macht keinen Spaß am Schießstand", sagte Herrmann. "Aber ich will es nicht auf die Bedingungen schieben."

Der Schießstand - auch Hildebrand scheitert

Hildebrand hatte also einen schweren Rucksack auf dem Rücken, als sie auf ihre sechs Kilometer ging. Und auch sie hatte größte Probleme am Schießstand und handelte sich schon im Liegendschießen eine Strafrunde ein. Damit war es dann auch endgültig vorbei mit der Medaillenchance des deutschen Teams - die Schießleistungen waren einfach nicht ausreichend. 1:06 Minuten betrug Dahlmeiers Rückstand auf die Spitze, als sie übernahm.

Und das war auch für die überragende deutsche Athletin zuviel. Sie zeigte zwar auf der Strecke und am Schießstand eine makellose Leistung, ganz nach vorn konnte sie aber nicht mehr kommen. Dort triumphierte Domracheva, die nach dem phasenweise chaotischen Rennen selbst beim letzte Schießen Nerven zeigte, mit überragender Laufleistung aber den Olympiasieg für den krassen Außenseiter Weißrussland ins Ziel rettete.

"Muss jeder draus lernen"

"Wir haben in den letzten vier Jahren unheimlich viele gute Staffeln gezeigt, aber jetzt hat es nicht geklappt. Das ist natürlich schade, aber es ist, wie es ist", sagte Dahlmeier: "Es ist für uns alle keine tolle Situation, es ist keiner zufrieden und happy. Das muss jetzt jeder für sich selbst verarbeiten und daraus lernen."

Stand: 22.02.2018, 14:59

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