Ski Alpin | Olympia-Quali

Nach Manipulations-Vorwürfen: DSV und ÖSV mit mehr Olympia-Startern

Stand: 25.01.2022, 12:00 Uhr

Die österreichischen Ski-Männer dürfen doch mit voller Kaderstärke zu den Winterspielen nach Peking reisen, und auch der DSV erhält einen weiteren Startplatz. Zuvor hatte es Ärger um Quali-Regeln, kleine Rennen und sogar Manipulationsvorwürfe gegeben. Die FIS ermittelt.

Von Raphael Weiss

"Skandal", "Manipulation", "Katastrophe": Im österreichischen Skiverband (ÖSV) herrschte am Wochenende Aufregung. Der Grund: Am 17. Januar gab der internationale Skiverband (FIS) die aktuellen Teilnehmerplätze für die alpinen Skiwettbewerbe bekannt. Anstatt der erwarteten maximal möglichen 22 Startplätze standen für die Skination auf einmal nur noch 20 zu Buche. Anstatt der Österreicher hatten Underdogs aus kleinen Nationen es geschafft, sich für Olympia 2022 zu qualifizieren, und somit war nicht mehr genug Platz für die prallen Kader der ganz Großen.

Montagnachmittag dann die Meldung einer Kompromisslösung: Die FIS setzte durch, dass das IOC das olympische Starterfeld um vier Plätze erweitert. Der ÖSV bekommt die zwei Startplätze, um die er gekämpft hatte. Auch Deutschland und Frankreich erhalten einen weiteren Platz. Somit kann der DSV insgesamt acht Ski-Alpin Männer für die Olympischen Winterspiele in Peking nominieren.

Manipulation bei kleinen Rennen?

Vorausgegangen war der salomonischen Lösung ein heftiger Streit - es ging um Quali-Regeln, kleine Rennen und sogar Manipulationsvorwürfe. Während des Weltcup-Wochenendes in Kitzbühel äußerte der ÖSV heftige Kritik an der FIS, dem neuen Qualifikationssystem und sprach von manipulierten Rennen abseits der großen Weltcup-Bühne.

Qualifikations-Reform sorgt für Ärger

Grundlage dafür, dass es zu diesem Streit überhaupt kommen konnte, ist die reformierte Olympia-Qualifikation, die es auch Athletinnen und Athleten aus kleineren Nationen ermöglichen soll, bei Olympia anzutreten und für Geschlechtergerechtigkeit sorgen soll. Denn bei den alpinen Skifahrern braucht man zum Erreichen der Basis-Quoten einen Schnitt von 160 FIS-Punkten.

Auf diese Weise erhielten 60 Frauen und 79 Männer ein Olympiaticket. Damit können nun zwar Nationen wie Indien, Jamaika, Osttimor oder die Philippinen an den olympischen Ski-Wettbewerben teilnehmen. Das Kontingent für die großen Nationen mit Medaillen-Chancen wird allerdings mit jeder Qualifikation knapper.

Ski alpin: Die ungerechte Quote - Kampf um die Olympia-Startplätze Sportschau 25.01.2022 02:33 Min. Verfügbar bis 25.01.2023 ARD Von Erich Wartusch

Zusätzlich werden maximal zwei Plätze an Nationen vergeben, die in der Weltrangliste Athletinnen und Athleten unter den besten 30 haben. Die restlichen Start-Plätze werden anhand der "Allocation list" aufgefüllt, bei den Frauen sind das 62, bei den Männern nur 45. "79 Plätze als Basisquote und 45 für die Besten der Besten ist ein absolutes Missverhältnis. Das System ist uns um die Ohren geflogen, die Gender-Equality verschärft es zusätzlich, weil du keinen Spielraum mehr hast", sagte ÖSV-Sportchef Anton Giger. Zumal in dieser Saison einige kleine Rennen wie in Dubai oder eben in Liechtenstein stattfanden.

"Malbun Exotic Nations Cup" im Fokus des ÖSV

Eines davon: der Malbun Exotic Nations Cup in Liechtenstein. Während sich am 13. Januar die Weltelite des alpinen Skizirkus das Lauberhorn in Wengen herabstürzte und auch um die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2022 in Peking kämpfte, fand 130 Kilometer entfernt der Wettkampf statt, der erst durch diesen Streit in den Fokus geraten sollte.

Der jamaikanische und der kapverdische Skiverband hatten zu ihren nationalen Meisterschaften eingeladen - und nur sehr wenige Athleten kamen. Verdächtig wenig, wie der ÖSV findet. "Normal schenken wir solchen Rennen keine erhöhte Aufmerksamkeit, aber wenn es so ist, dass ein paar der Besten daheimbleiben müssen, weil so die Basisquoten vermehrt in Anspruch genommen werden, ist das ein ernstes Thema", so Giger.

Corona-Pandemie sorgt für geringe Teilnehmerzahl

Nadine Zürcher, die Präsidentin des Organisations-Komitees des Wettbewerbs, erklärt die geringe Teilnehmerzahl des Malbun Exotic Nations Cups mit der Corona-Pandemie: "Ursprünglich waren 27 Rennläufer gemeldet. Vor dem ersten Team Captains Meeting standen regelkonform mehr als 25 Ausländer auf der Teilnehmerliste."

"Leider hatten viele der Athleten Schwierigkeiten bei der Einreise, und einige wurden positiv auf Covid-19 getestet, sodass eine Teilnahme an den 2G+ Rennen nicht möglich war. Dies hat die Anzahl der teilnehmenden Athleten drastisch geschrumpft", sagte Zürcher der Sportschau.

Viele Underdogs und ein alter Bekannter

So starteten schließlich nur zehn Skirennfahrer mit dem Traum von Olympia: darunter Yassine Aouich aus Marokko, der seinem Sohn versprochen hatte, es nach Peking zu schaffen. Abdi Fayik aus Saudi-Arabien, der als Kind im Libanon das Skifahren gelernt hat und nun den Wintersport in seinem Land populärer machen möchte.

Der 62-Jährige Hubertus von Hohenlohe aus Mexiko, der seine siebte Olympia-Teilnahme klarmachen wollte. Und Carlos Mäder, der in der Schweiz aufwuchs und für sein Geburtsland Ghana an den Start geht.

Striedinger: Neun ÖSV-Startplätze "ein riesiger Skandal"

Es sind diese Männer, die sich in Liechtenstein wichtige Punkte für die Olympia-Qualifikation sicherten und dadurch Weltstars aus Deutschland, Frankreich und eben Österreich Olympia-Plätze - zumindest vorläufig - streitig machten.

"Es geht dabei um die Teilnahme und Inklusion kleinerer oder exotischer Nationen. Unser Land zählt ebenfalls nicht zu den Groß-Nationen, obwohl wir gemessen an der Anzahl Olympiamedaillen pro Einwohner der erfolgreichste Verband wären", erklärt Zürcher, warum dieser Wettbewerb in Malbun ausgerichtet wurde und sie derartige Events für wichtig hält.

Zürcher: Rennen laut FIS regelkonform

Doch es geht um mehr als den veränderten Qualifikationsmodus - es geht auch um die Frage, ob es tatsächlich Manipulationen der Rennergebnisse gab. Auch diese unterstellt der ÖSV. Sportchef Anton Giger forderte eine Annullierung mehrerer Rennen, besonders im Fokus stand dabei der Wettkampf in Liechtenstein. "Die Experten sind sich einig, dass es da nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann", sagte Giger der Presseagentur "APA".

Zürcher sagt, dass sich die Manipulationsvorwürfe nicht gegen die Veranstalter richten. "Uns wurde aber seitens ÖSV versichert, dass die Vorwürfe sich nicht gegen den LSV oder Liechtenstein richten, sondern um einzelne Fahrer, die seiner Meinung nach bei den Rennen bewusst abgebremst hätten, damit sich andere qualifizieren konnten", erklärt Zürcher. Und auch von Hohenlohe, der 62-jährige mexikanische Starter weist in der Österreischen Tageszeitung "Standard" die Vorwürfe als absurd zurück: "Diese Rennen waren völlig normal. Ich weiß nicht, warum Herr Giger glaubt, man könne in Liechtenstein ein Rennen fingieren. Es war äußerst fordernd. Im Steilhang dachte ich, ich sei in Adelboden."

FIS untersucht Qualifikationswettbewerbe

Der Ski-Weltverband bestätigte auf Sportschau-Anfrage hingegen noch laufende Untersuchungen einiger Qualifikationsevents für die Olympischen Winterspiele in Peking. Da diese nicht vor der offiziellen Nominierungsdeadline (Montag, 24.01.) abgeschlossen worden seien, habe man beim IOC "im Interesse aller betroffenen Athleten" eine Erweiterung des Starterfeldes beantragt. Das IOC gab vier weitere Plätze frei und forderte eine Überprüfung des Qualifikationssystems.

Auch Underdogs können auf Start hoffen

Durch die Neuvergabe der Startplätze können auch Aouich, Favik, von Hohenlohe und Mäder fürs Erste aufatmen, auf der offiziellen Startplatzliste der alpinen Skirennfahrer sind sie dabei. Das Ergebnis der FIS-Untersuchungen bleibt abzuwarten.

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