Olympia-Check: Rennrodeln

Rennrodeln | Olympia Rennrodeln: Das deutsche Team im Olympia-Check

Stand: 28.01.2022 18:42 Uhr

Das deutsche Rennrodel-Team ist auch in Peking die große Medaillenhoffnung. In allen vier Rennen ist Gold möglich, aber es gibt auch Ungewissheit.

Das Rennrodeln hat in Peking aus deutscher Sicht einen Ruf zu verlieren. Es ist die Sportart mit Goldgarantie in der jüngeren Vergangenheit. Bei den vergangenen drei Spielen gingen neun von elf möglichen Goldmedaillen nach Deutschland. Nun sollen bestenfalls wieder vier dazu kommen, doch die Konkurrenz ist näher dran als bei den vorherigen Olympia-Ausgaben seit 2010.

Zwar haben mit Johannes Ludwig, Julia Taubitz, Toni Eggert und Sascha Benecken sowie der Teamstaffel die deutschen Athletinnen und Athleten in dieser Saison in allen vier Weltcupwertungen den Gesamtsieg geholt, Seriensieger gab es aber in keiner Konkurrenz. Dennoch dürfte gelten: Medaillen sind garantiert, aber Gold wird hart umkämpft sein.

Natalie Geisenberger

Rechtzeitig zu den Olympischen Spielen ist die 33-Jährige in Bestform. In St. Moritz gelang Geisenberger der erste Weltcupsieg nach ihrer Babypause, der sie auch gleichzeitig zum siebten Mal zur Europameisterin machte.

Möglich, dass sie noch einen weiteren Ansporn bekommt: Neben Claudia Pechstein (Eisschnelllauf) und Snowboarderin Ramona Hofmeister ist Geisenberger eine von drei Kandidatinnen auf den Job der Fahnenträgerin. Verdient hat sie sich diese Möglichkeit mit ihren Doppelerfolgen 2014 und 2018, als sie Gold im Einzel und im Team gewann.

Deswegen hat sie in Peking die Chance, zur erfolgreichsten Olympia-Sportlerin der deutschen Winter-Geschichte zu werden. Bislang hat kein deutscher Mann und keine deutsche Frau mehr Goldmedaillen geholt als Pechstein (fünf) - sollte Geisenberger wieder zweimal ganz oben auf dem Podest stehen, wird sie wohl die neue Nummer eins Deutschlands. Dafür muss sie aber auch in der favorisierten Staffel an den Start gehen.

Lange war nicht klar, ob Geisenberger überhaupt in Peking teilnehmen wird, sie machte sich sogar lautstark Gedanken über einen Boykott aufgrund der Bedingungen vor Ort. An ihrer Liebe zur Veranstaltung, die nur alle vier Jahre stattfindet, hat das jedoch nichts verändert. „Olympische Spiele sind das Allergrößte. Da gibt es nichts, was für einen Sportler bedeutender wäre", sagte Geisenberger.

Julia Taubitz

Als Gewinnerin des Gesamtweltcups ist die 25-Jährige zwangsläufig auch eine der größten Anwärterinnen auf die Goldmedaille. "Das ist für mich die höchste Auszeichnung, weil es den Verlauf einer ganzen Saison zeigt", sagte Taubitz nach ihrem zweiten Titel als Saisonbeste.

Fünf Einzelsiege gelangen ihr in diesem Winter, genauso viele wie ihrer härtesten Konkurrentin im Gesamtweltcup, Madeleine Egle (Österreich). In St. Moritz hatte Taubitz jedoch Probleme, wurde nur Vierte. Beunruhigt hat sie das jedoch nicht, eine Aussagekraft habe das erst zweite Rennen über die Gesamtdistanz in dieser Saison, das sie nicht unter den ersten zwei beendete, nicht.

Anna Berreiter

Auch die 22-Jährige hat Chancen auf eine Medaille. Ihr Problem ist die fehlende Konstanz. Erwischt Berreiter jedoch einen guten Tag, hat sie das Potenzial für einen der ersten drei Plätze.

Zu Beginn der Saison gelang ihr in Sotschi sogar ihr dritter Weltcupsieg in ihrer noch jungen Karriere. Zuletzt ging es für Berreiter aber auf und ab, die Reihenfolge ihrer letzten Platzierungen vor den Olympischen Spielen: Vierte, Zehnte, Dritte, Siebte. Geht der Zick-Zack-Kurs weiter, könnte ein Podestplatz in Peking Berreiter gehören.

Johannes Ludwig

Im letzten Rennen vor der Reise nach Peking erwischte der Sieger des Gesamtweltcups einen herben Rückschlag. Nach einem schweren Fahrfehler wurde Ludwig in St. Moritz nur Elfter. "Das ändert aber nichts daran, dass ich weiß, dass ich sehr gut aufgestellt bin für Olympia", sagte der größte Anwärter auf die Goldmedaille im deutschen Männerteam.

Fünf Siege hat Ludwig in dieser Saison schon eingefahren. In Peking soll sein sechster Erfolg dazukommen, nach Bronze 2018 in Pyeongchang soll es nun Gold werden. Sein größter Konkurrent wird wohl der Österreicher Wolfgang Kindl sein.

Felix Loch

Der Routinier weiß, wie es sich anfühlt, bei Olympischen Spielen ganz oben auf dem Treppchen zu stehen. 2010 und 2014 gewann Loch die Goldmedaille, ob es in diesem Jahr in Peking für ganz oben reichen wird, ist aber zu bezweifeln.

In die Form der vergangenen Jahre hat Loch in dieser Saison noch nicht gefunden, in Sigulda feierte er seinen einzigen Sieg - jedoch im Sprint. Am Tag zuvor wurde er in Lettland Zweiter. Wie Max Langenhahn gehört Loch eher zu einem Anwärter auf Bronze, mit seiner Erfahrung kann er aber an einem guten Tag auch überraschen.

Toni Eggert/Sascha Benecken

Vieles spricht dafür, dass Toni Eggert und Sascha Benecken in Peking die Goldmedaille holen werden. Die vergangenen drei Rennen haben das deutsche Duo gewonnen und sich somit im Endspurt den Gesamtweltcup vor den Sics-Brüdern aus Lettland gesichert. Die zeigten sich zuletzt formschwach mit zwei fünften Plätzen - die Bahn für Eggert/Benecken aufs Goldpodest ist also frei.

Tobias Wendl/Tobias Arlt

Die größte Konkurrenz für Eggert/Benecken könnte aus dem eigenen Team kommen. Zwar sind Wendl und Arlt nicht mehr die Nummer eins im Lande, aber immer noch potenzielle Goldaspiranten. 2014 und 2018 gewann das Duo sowohl im Doppelsitzer als auch in der Staffel Gold.

Zudem stimmt die Form. In Winterberg holten Wendl/Arlt am Neujahrstag ihren einzigen Weltcupsieg in dieser Saison, bei der anschließenden Siegesserie von Eggert/Benecken wurden sie einmal Dritter und zweimal Zweiter.