Gespräche über Olympia-Boykott 2022 - Verwirrung um Position der USA

Das Nationals Ski-Alpin-Zentrum Xiaohaituo für die Ski-Alpin-Wettbewerbe bei Olympia 2022

Olympische Winterspiele in Peking

Gespräche über Olympia-Boykott 2022 - Verwirrung um Position der USA

Erst kündigte das US-Außenministerium Gespräche über einen möglichen Boykott der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking an, doch das Weiße Haus beendete die Diskussion postwendend. China hatte mit scharfer Kritik reagiert.

Sprecher Ned Price hatte am Dienstag (06.04.2021) gesagt, die Regierung von US-Präsident Joe Biden sei in Beratungen mit ähnlich denkenden Ländern auf der ganzen Welt, um das weitere Vorgehen zu entscheiden. "Die Spiele sind noch einige Zeit entfernt. Ich würde keinen Zeitplan setzen wollen, aber diese Diskussionen sind im Gange", sagte Price. "Das ist etwas, das wir sicherlich diskutieren wollen, und es ist sicher etwas, bei dem wir das Verständnis haben, dass ein koordiniertes Vorgehen nicht nur in unserem, sondern auch in dem Interesse unserer Verbündeten und Partner ist."

In einer Reaktion auf Medienberichte über bereits laufende Gespräche stellte ein hochrangiger Beamter des Außenministeriums klar, dass sich die USA derzeit nicht in entsprechenden Gesprächen befänden. "Unsere Position zu Olympia 2022 hat sich nicht verändert. Wir haben keine Diskussionen gehabt und haben keine Diskussionen über jedweden gemeinsamen Boykott mit Verbündeten und Partnern", hieß es.

Biden-Sprecherin: "Werden keinen Boykott diskutieren"

Am Mittwochabend meldete sich dann auch das Weiße Haus zu Wort. "Wir haben nicht und werden auch nicht irgendeinen Boykott mit Verbündeten und Partnern diskutieren", teilte Jen Psaki, die Pressesprecherin von US-Präsident Joe Biden, mit.

Auch das Nationale Olympische und Paralympische Komitee der USA (USOPC) sprach sich gegen mögliche Boykott-Pläne aus. "Wir vom USOPC lehnen Athleten-Boykotte ab, weil es gezeigt hat, dass sie sich negativ auf die Sportler auswirken, ohne globale Probleme effektiv anzugehen", sagte USOPC-Präsidentin Susanne Lyons am Mittwoch anlässlich eines Medientermins des US-Olympiateams.

"Wir bemühen uns, dass die Impfstoffe möglichst schnell, global und fair verteilt werden" - IOC-Präsident Thomas Bach im Interview Sportschau 10.03.2021 07:13 Min. Verfügbar bis 10.03.2022 Das Erste

Scharfe Kritik aus China

China hatte zuvor scharfe Kritik an den USA wegen der aufkommenden Diskussion über einen möglichen Boykott geübt. "Die Politisierung des Sports läuft der olympischen Charta zuwider, schadet den Interessen aller Sportler und der internationalen olympischen Bewegung", sagte Außenamtssprecher Zhao Lijian am Mittwoch in Peking. Das Olympische Komitee der USA und der Rest der internationalen olympischen Bewegung würden da nicht mitmachen. China sei zuversichtlich, mit allen Parteien erfolgreiche und großartige Spiele sicherstellen zu können.

US-Regierung bringt Winterolympia-Boykott ins Spiel, Chinas Führung empört

Sportschau 07.04.2021 01:22 Min. Verfügbar bis 07.04.2022 ARD


Rufe nach einem Boykott waren lauter geworden

Die USA werfen China Menschenrechtsverletzungen vor. Im Februar hatte ein Bündnis von 180 internationalen Menschenrechtsgruppen und Vertretern von Minderheiten in China die Staatengemeinschaft aufgefordert, nicht an den Spielen im Februar 2022 teilzunehmen. "Alles andere wird als Unterstützung der autoritären Herrschaft und der unverhohlenen Missachtung von Bürger- und Menschenrechten durch die Kommunistische Partei Chinas angesehen", hieß es in einem offenen Brief des Bündnisses.

IOC weist Boykott-Forderungen zurück

Das Internationale Olympische Komitee mit dem deutschen Präsidenten Thomas Bach hatte alle Boykott-Forderungen zuletzt zurückgewiesen. Im März sagte Bach, dass ein Boykott die "falsche Antwort auf solche Fragen" sei. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann, hatte einen Boykott im Februar kategorisch ausgeschlossen.

Sieben republikanische US-Senatoren riefen im Februar dazu auf, Peking die Spiele zu entziehen. Sie verwiesen auf die Verfolgung von Uiguren und Tibetern sowie Chinas Drohungen gegenüber Taiwan. Der Senator Rick Scott brachte dazu eine Resolution im Senat ein.

Der chinesische Außenamtssprecher sagte am Mittwoch, die Vorwürfe über einen "sogenannten Völkermord" unter der muslimischen Minderheit der Uiguren in Xinjiang seien "nichts anderes als eine Jahrhundert-Lüge".

Bundesinnenministerium: Keine Gesprächsanfrage der USA

Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums sagte am Mittwoch in Berlin: "Grundsätzlich kann ich sagen, dass die Autonomie des Sports gilt, also der Sportbund entscheiden kann, an welchen Wettbewerben er teilnimmt oder nicht." Auf die Frage, ob die US-Regierung Deutschland auf einen möglichen Boykott bereits angesprochen habe, antwortete sie: "Im Übrigen finden selbstverständlich fortlaufend Gespräche mit all unseren Partnern statt - also auch mit den Amerikanern." Am Abend konkretisierte die Sprecherin: "Es hat bislang keine Gesprächsanfragen der USA zu den Olympischen und Paralympischen Winterspielen 2022 in Peking gegeben."

dpa/sid/red | Stand: 07.04.2021, 19:40

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