Laschet vor den Scherben der Olympia-Initiative

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (l) und Michael Mronz, Initiator der "Rhein Ruhr City 2032"

Olympische Sommerspiele

Laschet vor den Scherben der Olympia-Initiative

Von Volker Schulte

Trotz drastisch gesunkener Chancen für 2032 hält NRW-Ministerpräsident Armin Laschet an den Olympia-Plänen für die Rhein-Ruhr-Region fest - auch für die belastete Jahreszahl 2036. Deutliche Kritik übt er an DOSB und IOC.

Sie sollte einen Aufbruch markieren, die Pressekonferenz in Düsseldorf. CDU-Vorsitzender Laschet wollte mit der Rückendeckung der Oberbürgermeister der beteiligten 14 Städte die Botschaft vermitteln: Jetzt gehen wir die Initiative für Olympische und Paralympische Sommerspiele 2032 an Rhein und Ruhr erst richtig an. "Es gibt seit langer Zeit wieder die Chance auf eine deutsche Bewerbung", hatte Laschet noch am Dienstag verkündet.

Doch statt Optimismus zu vermitteln, musste Laschet sich vor allem mit dem Scherbenhaufen auseinandersetzen, der zwei Tage zuvor entstanden war. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte ihn und Michael Mronz, führender Kopf der Privatinitiative "Rhein Ruhr City 2032", am Mittwoch düpiert. Früh legte sich das IOC auf Brisbane und die Region Queensland als Ausrichter von Olympia 2032 fest - es gehe in einen "gezielten Dialog" mit den Australiern.

Laschet "bedauert", dass der DOSB nicht mit dem IOC in den "Dialog" getreten ist Sportschau 26.02.2021 01:26 Min. Verfügbar bis 26.02.2022 Das Erste

Laschet kritisiert DOSB

"Diese Entscheidung hat uns überrascht und auch getroffen", sagte Laschet am Freitag. IOC-Präsident Thomas Bach habe ihn am Mittwoch persönlich kontaktiert. Das IOC teilte mit, Brisbane sei "ein guter Kandidat in unsicheren Zeiten." "Ich teile diese Auffassung nicht", sagte Laschet. Das Konzept "Rhein Ruhr City" sei nicht Teil der der IOC-Entscheidungsfindung gewesen, da sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) "nicht in der Lage gesehen habe, in einen zielgerichteten Dialog mit dem IOC einzutreten - auch das bedaure ich. Das Erstaunliche ist, dass man dort kein Gespür dafür hat, was sich beim IOC tut."

Ein schwerwiegender und bemerkenswerter Vorwurf eines Ministerpräsidenten an die Adresse eines Sportdachverbandes, welcher noch am Morgen in einem internen Schreiben an seine Mitgliedsorganisationen betont hatte, der Fahrplan für 2032 sei ein mit der Initiative "Rhein Ruhr City" abgestimmter Vorgang gewesen.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann sagte am Freitagnachmittag gegenüber der Sportschau, derzeit sei eine "Suche nach Schuldigen" im Gange. Sein Verband wolle daher kommenden Montag "in einer vielleicht noch nie dagewesenen Offenheit darstellen, wie die letzten Wochen und Monate gelaufen sind".

DOSB-Chef Hörmann: "Inakzeptable Darstellungen und Unterstellungen" Sportschau 26.02.2021 01:45 Min. Verfügbar bis 26.02.2022 Das Erste

Neues Auswahlverfahren des IOC

Der 2019 vom IOC eingeführte Findungsprozess für Olympia-Ausrichter sollte für mehr Transparenz sorgen - steht nun aber in der Kritik. Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, nennt ihn "intransparent und noch nicht ausgereift". Auch Josefine Paul, sportpolitische Sprecherin der Grünen im NRW-Landtag, hält das Auswahlverfahren für "sehr undurchsichtig. Es ist überhaupt nicht klar, was 'zielgerichtete Gespräche' bedeuten und wie die Chancen für andere Bewerber als Brisbane stehen", sagte Paul der Sportschau.

Bürgerentscheid soll trotzdem kommen

Laschet habe IOC-Präsident Bach seinen Unmut über das Verfahren persönlich mitgeteilt, sagte er. "Wenn klar gewesen wäre, dass man bis zu einem bestimmten Datum die formale Rückendeckung haben muss, hätten wir sie hergestellt." Gemeint ist der Bürgerentscheid, der an die Bundestagswahl am 26. September gekoppelt werden sollte und eine selbst auferlegte Voraussetzung für eine offizielle deutsche Bewerbung ist. "Das Signal war ein anderes: Das Signal war, dass es ausreiche, wenn der Bürgerentscheid im September stattfindet."

Solange das IOC keine endgültige Entscheidung über das den Austragungsort verkündet hat, wird auch der Bürgerentscheid weiter verfolgt - möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt.

Ziel Olympia 2032 bleibt

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (l) und Michael Mronz, Initiator der "Rhein Ruhr City 2032"

Mronz bekräftigte, dass seine Initiative für Olympia 2032 weiter bestehen bleibe. "Wenn wir vor einer endgültigen Entscheidung des IOC den Stecker ziehen und bei dem Projekt Brisbane geht irgendwas schief, dann müssen wir uns zurecht fragen lassen: Warum habt ihr das gemacht?" Ähnlich äußerte sich DBS-Präsident Beucher. "Es ist richtig, die Flinte nicht ins Korn zu werfen. Denn die Entscheidung für Brisbane ist noch nicht endgültig." Die Chancen, dass die olympische Fackel 2032 nicht in Queensland entzündet wird, sind allerdings marginal.

Olympia 2036 - 100 Jahre nach den Nazi-Spielen

Laschet betonte auf der Pressekonferenz, dass NRW auch für eine Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036 bereitstehe. Dass die Nazi-Spiele von Berlin dann genau 100 Jahre her sind, sei für ihn kein Hindernis. "Die Botschaft, die diese Spiele haben, ist auch eine inhaltliche. Die Welt ist eine andere 100 Jahre später als bei den Spielen 1936. Dies zu zeigen, dies sichtbar zu machen, würde bei jeden Spielen in den 30er Jahren passen."

Seehofer erteilt Absage

Bundes-Sportminister Horst Seehofer (CSU) hatte im Juni 2019 eine deutsche Bewerbung für das Olympiajahr 2036 ausgeschlossen. Er befürchte eine "unsägliche internationale Debatte", sagte er in einem Interview mit der FAZ. "Wie würde man das in der Welt sehen? Die Deutschen feiern hundertjähriges Jubiläum bezogen auf die Nazi-Olympiade?"

Auf Sportschau-Nachfrage, ob diese Aussagen heute noch gültig seien, antwortete das Bundes-Innenministerium: "Die Äußerungen des Ministers stehen für sich."

Grünen-Politikerin Paul sagte, sie persönlich habe bei diesem Thema ein "gewisses Störgefühl. Das muss man sich noch genau überlegen." DOSB-Präsident Hörmann betonte gegenüber der Sportschau, keine Positionierung zu diesem Thema vorzunehmen, ohne die Mitgliedsorganisationen einzubeziehen.

NRW stellt 300 Millionen Euro bereit

Mronz und Laschet nutzten die Pressekonferenz auch dafür, erneut zu betonen, dass die Initiative "Rhein Ruhr City" einen Schub für Mobilitätskonzepte, Nachhaltigkeit und Digitalisierung geben solle. "Wir haben in NRW 300 Millionen für den Breitensport bereitgestellt, um diese Spiele vorzubereiten. Diese Wirkung wird in den nächsten Jahren da sein - ob die Spiele kommen oder ob sie nicht kommen."

Stand: 26.02.2021, 17:40

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