Olympia in Tokio - Ethikerin rät zu Absage

Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrates

Ablehnung in der japanischen Bevölkerung steigt

Olympia in Tokio - Ethikerin rät zu Absage

Die Vorsitzende des deutschen Ethikrates rät zu einer Absage der Olympischen Spiele. Auch in Japan regt sich weiter der Widerstand.

"Wir sind in der schlimmsten Welle der Pandemie. In Indien brennen die Feuer vor den Krankenhäusern. In vielen Ländern sind noch nicht mal die Krankenschwestern geimpft. Hinzu kommen immer neue Virusmutanten. Da finde ich Ereignisse, die internationales Reisen anregen, wirklich sehr schwierig", sagte Alena Buyx dem Nachrichtenmagazin "Spiegel". Zugleich, so die Vorsitzende des Ethikrates, schlage ihr Herz aber für den Sport: "Diese völkervereinende Idee von Olympia, die ist wunderbar."

Die Medizinerin und Philosophin kritisierte zudem, dass die potenziellen Olympia-Teilnehmer bevorzugt geimpft werden. "Die Impfziele sind nach wie vor eindeutig gesundheitsorientiert und auf die Pandemie und das Aufrechterhalten unseres Lebens gerichtet", meinte Buyx: "Dass es Athleten gibt, die ein Leben lang für Olympia trainiert haben, ist in dem Zusammenhang leider noch unerheblich."

Krankenhäuser sind überfüllt

Die Zweifel an Olympia mehren sich auch im Austragungsland. Am Freitag (07.05.2021) erklärte Japans Premierminister Yoshihide Suga, dass der Notstand in der Gastgeberstadt bis zum 31. Mai verlängert wird. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Das Virus wütet weiter, ungebremst und mit voller Wucht. Zuvor waren "nur" die Präfekturen Tokio, Kyoto, Osaka und Hyogo betroffen, nun kommen Aichi und Fukuoka hinzu. Die Coronalage in Japan ist alarmierend. Erst rund zwei Prozent der gut 125 Millionen Japaner sind geimpft, die Krankenhäuser sind überfüllt.

Im Schattenreich der Ringe - das IOC und die Menschenrechte Sportschau 02.05.2021 33:38 Min. Verfügbar bis 02.05.2022 Das Erste

Kein Wunder, dass die Durchführung der Spiele bei der Bevölkerung angesichts dieser Umstände auf wachsenden Widerstand stößt, rund 80 Prozent sind für eine weitere Verlegung oder gar die komplette Absage.

Besuch von Bach auf der Kippe

Die für Mitte Mai geplante Japan-Reise von IOC-Präsident Thomas Bach steht jedenfalls auf der Kippe. "Ich denke, dass es sehr wichtig ist, dass Präsident Bach die Situation mit seinen eigenen Augen sieht", sagte Seiko Hashimoto. Die Chefin des Organisationskomitees der Spiele meinte aber auch: "Angesichts der Verlängerung des Notstandes ist dies aber sehr schwierig."

Laut der Agentur wollte Bach unter anderem am 17. Mai den olympischen Fackellauf Richtung Tokio an historischer Stätte in Hiroshima besuchen. Am 6. August 1945 hatte die Stadt im Zweiten Weltkrieg durch den ersten Abwurf einer Atombombe traurige Berühmtheit erlangt. Am Tag nach dem Besuch in Hiroshima sollte es ein Treffen Bachs mit Premierminister Suga geben, ebenso waren Begegnungen mit Seiko Hashimoto und Tokios Gouverneurin Yuriko Koike vorgesehen.

dpa/sid | Stand: 07.05.2021, 14:33

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